Sepp Blatter gegen Michel Platini - das ist Brutalität

Sepp Blatter gegen Michel Platini - das ist Brutalität

Neue Gerüchte im Präsidentschaftswahlkampf, schwierige Vorbereitungen auf die kommenden WM-Endrunden und Stoff für weitere Skandale - die FIFA kommt einfach nicht zur Ruhe.

Die Machtfrage im internationalen Fußball lässt Joseph S. Blatter und seinen Weltverband FIFA nicht zur Ruhe kommen. Nach dem "Denkzettel" für den Schweizer FIFA-Boss durch die Vertagung der Entscheidung über die im Hauruck-Verfahren geplante Verlegung der WM 2022 in Katar in den Winter hält Michel Platini mit dem Europa-Verband UEFA seinen großen Gegenspieler und einstigen Ziehvater anscheinend durch gestreute Indiskretionen in Atem. Jüngster Nadelstich war am Mittwoch die lancierte Aufforderung der UEFA an die FIFA, künftig WM-Turniere nach Vorbild der paneuropäischen EM 2020 aus Rücksicht auf die finanziellen Belastungen in mehreren Ländern stattfinden zu lassen.

"Blatter hat gesagt, dass der EM 2020 Herz und Seele fehlen würden, aber heutzutage ist es doch absurd, riesige Investitionen abzuverlangen für ein dreiwöchiges Turnier ohne jedes darüber hinaus gehende Vermächtnis. Ohnehin knappe Resourcen für ein reines Unterhaltungs-Event auszusaugen, ist Luxus, den man sich heute nicht mehr leisten kann, und inakzeptabel. Solche Opfer wären einfach zu viel", zitierte das englische Internetportal insideworldfootball.com einen namentlich nicht genannten hohen UEFA-Funktionär.

Durch die indirekte Kritik an der FIFA-Politik bei der Vergabe von WM-Turnieren fällt Blatters Kritik an Platinis 2020-Projekt wie ein Bumerang auf den Strippenzieher in Zürich zurück. Die neuerlichen Proteste in Brasilien gegen die Aufwand für die WM am vergangenen Dienstag bei der Kontrollvisite von FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke in Cuiaba ("FIFA, geh nach Hause"; "Weniger WM, mehr Bildung") waren Wasser auf die Mühlen der UEFA. Hinter vorgehaltener Hand soll die UEFA-Spitze auch für die WM 2018 in Russland soziale Unruhen wegen der hohen Ausgaben für das nächste Prestige-Spektakel von Staatschef Wladimir Putin befürchten.

Platini schießt jedoch auch noch aus anderen Richtungen. Am vergangenen Wochenende aufgekommene Berichte über Pläne der UEFA für die EM-Zulassung von außereuropäischen Topteams wie Brasilien und Argentinien sind nicht weniger als ein Frontalangriff auf das FIFA-Prunkstück WM-Endrunde. Die EM als interkontinentale Mini-WM würde Blatters Gelddruckmaschine erheblich bremsen. Auch jüngste Berichte über einen angeblichen "Geheimpakt" zwischen den beiden Rivalen, der 2015 Platini die Wahl zum FIFA-Boss und Blatter einen würdevollen Abschied nach 17 Jahren als Lenker des Weltfußballs ermöglichen soll, könnten zur Zermürbungsstrategie des Franzosen gehören.

Der Zeitpunkt der Störfeuer aus der UEFA-Zentrale in Nyon erscheint nicht zufällig. Platini ist durch Blatters Andeutungen über politische Einflüsse auf die Entscheidung bei der Vergabe der Problem-WM 2022 an Katar ("Europäische Regierungschefs haben ihren stimmberechtigten Mitgliedern empfohlen, für Katar zu stimmen, weil sie große wirtschaftliche Interessen mit diesem Land verbinden") in die Defensive geraten. Die Anschuldigungen zielten angesichts der bekannten Sympathien von Frankreichs damaligem Staatpräsident Nicolas Sarkozy für Katar und der kurz nach der WM-Wahl erfolgten Anstellung von Platinis Sohn bei einer Sportvermarktungsagentur aus Katar praktisch unverhohlen auf den Europameister von 1984.

Insbesondere wegen dieser Verstrickungen muss Platini auch das Ergebnis der Untersuchungen der Abläufe bei den WM-Vergaben für 2018 und 2022 fürchten. Zu Beginn der Aufarbeitung sandte die FIFA zu Wochenbeginn eine klare Botschaft - auch an Platini - aus: "Die Ermittler werden alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen. Dazu gehört auch, dass die Ermittler befugt sind, jeden, der seiner Verpflichtung zur Kooperation mit den Ermittlern der FIFA-Ethikkommission nicht nachkommt, mit Sanktionen belegen können."

Wie Blatter mit Rivalen umzuspringen pflegt, dürfte auch Platini noch in guter Erinnerung sein. Blatters Herausforderer Mohammed Bin Hamman wurde kurz vor der FIFA-Präsidentenwahl 2011 wegen Korruption suspendiert.

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