Roger Federer und die Hoffnung auf das Comeback der Unschlagbarkeit

Roger Federer und die Hoffnung auf das Comeback der Unschlagbarkeit

Vor ein paar Tagen zeigte sich Roger Federer in den Pier-59-Studios in New York von seiner besten Seite. Ganz der Gentleman eben. Elegant gekleidet mit schwarzem Maßanzug und weißem Hemd fungierte der einst weltbeste Tennisspieler auf der Party eines Champagner-Herstellers als Co-Gastgeber.

Als Markenbotschafter des edlen Stöffchens ließ sich Federer mit Vogue-Chefin Anna Wintour ablichten und posierte danach mit Stars und Sternchen. Die übergroße goldene Moet-Flasche durfte auf keinem der Fotos fehlen.

Vertraut man allerdings einem Gros der Experten, dann wird der seit kurzem 32-jährige Federer bei den am Montag beginnenden US Open (bis 9. September) im Big Apple wenig Grund haben, die Champagnerkorken knallen zu lassen. Kurz vor Beginn des letzten Grand-Slam-Turniers 2013 glaubt unter anderem US-Ikone John McEnroe nicht an den 18. Major-Triumph des Schweizers: "Ich sehe ihn derzeit nicht in der Lage, durch alle sieben Runden zu kommen und wenigstens zwei der drei besten Jungs zu schlagen. Roger ist etwas langsamer geworden."

Die nackten Zahlen unterstreichen McEnroes Aussage: Federer hat in diesem Jahr bislang nur einen Turniersieg (Halle/Westfalen) auf dem Konto. Bliebe es bis Jahresende bei dieser ernüchternden Bilanz, wäre es die schlechteste Saison des passionierten Zwillings-Vaters seit zwölf Jahren.

Schwindendes Selbstvertrauen

Die frühere Nummer eins Pete Sampras hat bei dem einst so übermächtigen Branchenführer ein schwindendes Selbstvertrauen diagnostiziert. Deshalb habe Federer nach seinem sensationellen Zweitrunden-Aus in Wimbledon gegen den Weltranglisten-116. Sergej Stachowski (Ukraine) auch ein neues Schlägermodell ausprobiert - ohne Erfolg. "Es ist alles eine Frage des Selbstvertrauens. Wenn es bei Roger läuft, könnte er auch mit einem Pinsel spielen", sagte Sampras. Derzeit läuft es aber nicht.

Mit einem größeren Schlägerkopf wollte Federer gegen die Krise ankämpfen, wie ein Genervter mit einer Fliegenklatsche auf der Jagd nach dieser einen lästigen Mücke. Doch mit dem schwarzen Prototypen verlor der lahmende "FedExpress" im Halbfinale von Hamburg gegen den Qualifikanten Federico Delbonis (Argentinien). Kurz darauf war für den Grand-Slam-Rekordsieger bei seinem Heimspiel in Gstaad das Auftaktmatch gegen den Deggendorfer Daniel Brands Endstation. Das Racket-Experiment wurde beendet.

Federer selbst gibt sich vor einem seiner Lieblingsturniere trotz allem kämpferisch statt panisch. "Die Marge an der Spitze ist sehr klein, die Luft ist sehr dünn – da braucht es manchmal nicht viel, und du gewinnst nicht mehr so viel wie früher", sagte der in New York nur an Position sieben gesetzte Schweizer. Letztmals war er 2002 in Flushing Meadows schlechter platziert (Nr. 13).

Was zur Folge hat, dass Federer im größten Tennis-Stadion der Welt bereits im Viertelfinale auf seinen Dauerrivalen Rafael Nadal treffen könnte. Gegen den French-Open-Sieger aus Spanien, der in diesem Jahr auf Hartplatz noch unbesiegt ist, hatte der 32-Jährige jüngst in Cincinnati verloren. Es war bereits Federers elfte Saisonniederlage bei 32 Siegen.

Rücktritts-Spekulationen wischt der Edeltechniker in immer kürzer werdenden Abständen vom Tisch. "Bei so einer Zahl wie jetzt 17 Grand Slams will ich nicht aufhören, vor allem nicht, wenn du immer noch das Gefühl hast, dass du noch mehr erreichen kannst", sagte Federer jüngst dem Internetportal spox.com. Die US Open hat er zuletzt 2008 gewonnen - es war damals der fünfte Erfolg nacheinander in Flushing Meadows. Seitdem reichte es für Federer in New York nur noch zu einer Finalteilnahme (2009).

In einer anderen Hinsicht läuft er seinen Rivalen allerdings noch immer den Rang ab. An Sponsorengeldern hat der Schweizer im vergangenen Jahr insgesamt 45 Millionen Dollar kassiert. Nadal kam "nur" auf 25 Millionen Dollar, während die Nummer eins Novak Djokovic (Serbien) neun Millionen Dollar einstrich. Ein Federer im edlen Schwarzen mit weißem Hemd – darin ist er eben noch immer unschlagbar.

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