Robert Kubica und der lange Weg zurück

Robert Kubica und der lange Weg zurück

Der ehemalige Formel-1-Pilot Robert Kubica hat eine Rückkehr in die Königsklasse zwar immer noch im Kopf, bleibt aber Realist.

Nach seiner standesgemäß lauten Ankunft auf der Kölner Domplatte blinzelt Robert Kubica erst mal in die Sonne. Der Pole steht bei der Fahrerpräsentation der Deutschland-Rallye entspannt vor seinem Citroen DS3, die bei seinem Unfall schwer verletzte rechte Hand in der Hosentasche geschützt. Er wirkt locker und fit. "Es geht mir gut, besser noch als vor einigen Monaten", sagt der 28-Jährige mit einem kleinen Lächeln.

Keine Selbstverständlichkeit. Anfang 2011 war der damalige Formel-1-Pilot als Gaststarter bei einer Rallye in Italien schwer verunglückt. Auf der feuchten Piste hatte er die Kontrolle über das Auto verloren, war in die Begrenzung und anschließend gegen eine Kirchenmauer geprallt. Ein Teil einer Leitplanke hatte sich bei dem Crash durch die Front des Fahrzeugs gebohrt. Dabei erlitt der Pole zahlreiche Knochenbrüche am rechten Bein, am Arm und vor allem an der Hand. Zwischenzeitlich drohte sogar eine Amputation des Arms, insgesamt drei Operationen waren nötig.

Voll funktionsfähig wird der Arm nicht mehr werden. "Es wird besser, aber er wird niemals wieder so sein wie früher. Es gibt viele Einschränkungen, vor allem im Alltag", sagte Kubica. Als einziger Pilot darf er mit einer Wippschaltung und einem Kupplungshebel links hinter seinem Lenkrad fahren, die Beweglichkeit seiner rechten Hand reicht noch nicht für eine richtige Schaltung. Und genau diese fehlende Beweglichkeit macht eine Rückkehr in die Formel 1 so schwer, auch wenn Kubica sagt: "Beim Fahren ist es okay." Einen Simulatortest bei Mercedes musste der 28-Jährige aber nach 20 Runden abbrechen.

So wird es mit der erhofften zeitnahen Rückkehr in die Motorsport-Königsklasse schwierig, Kubica hat sie aber immer noch im Hinterkopf. Realistischer plant der Pole aber in kürzeren Zeiträumen. "Ich denke momentan nicht so weit in die Zukunft, sondern von Tag zu Tag, von Rallye zu Rallye, von Monat zu Monat." Das freie Cockpit bei Red Bull neben Sebastian Vettel ist für Kubica so weit weg, dass er bei der Frage danach nur müde lächeln kann: "Ich träume nicht."

Immerhin klappt das Planen von Rallye zu Rallye momentan ziemlich gut. In seinem leistungsschwächeren Citroën sammelte Kubica in der laufenden Saison sogar vier Punkte in der Gesamtwertung der höchsten Klasse, alle in den letzten beiden Läufen vor der "Deutschland": Auf Sardinien wurde der Pole Neunter, in Finnland Zehnter.

In seiner WRC2 stehen die Chancen auf den Titel nicht schlecht. Kubica hat als Dritter bei einem weniger gefahrenen Rennen 17 Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Abdulaziz Al-Kuwari (Ford) aus Katar und zwei Zähler auf den Peruaner Nicolás Fuchs, der bereits sechs Rallyes absolviert hat. Die Fahrer dürfen im Rahmen des WRC1-Kalenders bis zu sieben Rennen fahren, die besten sechs Ergebnisse werden gewertet.

Kubica scheint wieder in der Erfolgsspur, die er mit seinem schweren Unfall zwischenzeitlich verlassen hatte. Er kann wieder entspannt in die Zukunft schauen - und in die Sonne blinzeln.

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