Raiffeisen: "Hirscher über das Ende der Karriere hinaus begleiten"

Raiffeisen: "Hirscher über das Ende der Karriere hinaus begleiten"
Raiffeisen: "Hirscher über das Ende der Karriere hinaus begleiten"

Ski-Superstars unterm Giebelkreuz: Anna Fenninger und Marcel Hirscher

Nach dem Rennen ist vor den Verhandlungen: Der nunmehrige vierfache Ski-Gesamtweltcup-Sieger Marcel Hirscher soll für Raiffeisen der neue Hermann Maier werden. Leodegar Pruschak, der im Raiffeisen-Konzern für das Sponsoring der Spitzensportler verantwortliche Manager, will die Kooperation mit Hirscher auch über dessen Karriere hinaus fortsetzen. Mit ihm und der Gesamtweltcup-Siegerin Anna Fenninger will Pruschak in den nächsten Wochen die Rahmenbedingungen für die weitere Kooperation abklären.

Leodegar Pruschak, der im Raiffeisen-Konzern für die Kooperation und das Sponsoring von Spitzensportlern verantwortliche Manager, hat schon etliche österreichische Sportgrößen begleitet. Niki Lauda, Thomas Muster, Hermann Maier etwa oder den Schwimmer Markus Rogan. Am Ende der Wintersportsaison ist für Pruschak alljährlich auch die Zeit für einen Kassensturz gekommen. Und um die Weichen für das nächste Jahr zu stellen.

In der Wintersportsaison 2014/2015 konnte Raiffeisen mit den Testimonials Anna Fenninger und Marcel Hirscher den Jackpot knacken. Die beiden ÖSV-Ausnahmetalente haben sich im Weltcup durchgesetzt, die großen Kristallkugeln geholt und daneben auch noch je zwei Weltmeistertitel und zahlreiche weitere Siege und Podiumsplätze errungen. Das jugendliche, charmante Auftreten der und feschen Ski-Superstars unter dem Gibelkreuz kostet Raiffeisen alljährlich eine Stange Geld. Kolportierte 600.000 Euro zahlte Raiffeisen in der Saison 2014/2015 - die Hälfte davon als Fixum - alleine für die Präsenz am aktuell berühmtesten Kopf im Ski-Weltcup - dem von Marcel Hirscher. Angesichts der Erfolge und der anhaltenden Medienpräsenz rechnet sich das Sponsoring.

"Es gibt zwei männliche Superstars in der österreichischen Sportszene – die Lieblinge der Nation, die Sporthelden. Das sind Marcel Hirscher als großer Skistar David Alaba, der im internationalen Sportgeschehen eine maßgebliche Rolle spielt. Klarerweise haben die beiden Idole auch den höchsten Werbewert, sind für die Medien am attraktivsten", stellt Pruschak auch im von Sky Sport News HD geführten Interview unmissverständlich fest.

Leodegar Pruschak und Marcel Hirscher

Dieses Star-Denken wecke natürlich Begehrlichkeiten, auch unter Sponsoren. Nachdem David Alaba für den Mitbewerber Bank Austria die Werbetrommel rührt, ist Hirscher für Pruschak ein vor Jahren getätigter Glücksgriff: "Es ist unser Vorteil, dass wir mit diesem Sportler sehr früh die Zusammenarbeit gesucht haben. Da entsteht dann eine gewisse emotionale Bindung, eine freundschaftliche, partnerschaftliche Beziehung, die dann hilft, wenn die Begehrlichkeiten sehr hoch sind oder die Mitbewerber sehr viel Geld auf den Tisch legen", sagt Pruschak.


Das Beste ist der Feind des Guten

Die Strategie des Managers ist, sich auch den Sportlern gegenüber als verlässlicher Partner auch in schwierigen Zeiten zu positionieren. Denn wie schon der Motorrad-Unfall und die anschließend folgende, einjährige Rennpause Hermann Maiers zeigte: Auch Spitzensportler, für die das Siegen scheinbar etwas ganz Normales ist, sind nur Menschen und einer Phase des Erfolgs kann schnell eine längere Periode ohne Ruhm und Ehre folgen. Eine Zeit abseits des Rampenlichts. Und dann ziehen viele Sponsoren auch wieder weiter zum nächsten großen Nummer. Pruschak: "Alle wollen die Besten haben. Zum Nächsten schon ist dann schon ein ziemliches Gefälle. Das Beste ist immer der Feind des Guten, wie man so sagt."

Um Hirscher auch in Zukunft als Testimonial halten zu können stellt Pruschak diesem daher auch eine sehr lange, über die aktive Zeit als Rennsportler hinausgehende Kooperation in Aussicht. Eine Perspektive, die dem nunmehrigen vierfachen Gesamtweltcupsieger an der Stange halten soll, selbst wenn andere Unternehmen möglicherweise in den kommenden Wintersportsaisonen mehr Geld zu zahlen bereit wären: "Es ist unsere erklärte Absicht, seine Karriere zu begleiten – ähnlich wie bei Hermann Maier – bis zum Ausklang und vielleicht sogar darüber hinaus."

Natürlich weiß Pruschak, dass vor dem Raiffeisen anvisierte Ziel harte Verhandlungen stehen. Denn jeder Erfolg steigert die Werbewirkung, erhöht das Interesse. Dass Marcel Hirscher etwa auch für Audi oder Red Bull wirbt ist für Pruschak dabei kein Problem. "Aufgrund seiner Erfolge ist Marcel Hirscher natürlich auch für andere Großsponsoren interessant. Wichtig ist, dass sich die Sponsoren nicht konkurrenzieren, im Idealfall gegenseitig mittransportieren", erklärte er im Februar im FORMAT-Interview. Die Raiffeisen-internen Erfolgsmessungen zeigten eine hohe Markenzuordnung und eine starke Werbewirkung. Deshalb wird sich Pruschak als Sponsor-Vertreter mit dem ÖSV, Hirscher und dessen Management zusammensetzen, die Interessenslage abklopfen, die Werbewertschöpfung analysieren und dann eine Lösung suchen. Pruschak: "Der Vertrag läuft ja noch bis 2016. Den müsste man nicht aufschnüren, aber es ist unser partnerschaftliches Verständnis, darüber zu reden, wenn die Zeit reif ist. Und mit einem vierten Weltcupsieg wäre es an der Zeit, sich noch einmal zusammen zu setzen. Wenn wir den Vertrag neu verhandeln sollten wir auch wieder eine mittel- bis langfristige Vereinbarung treffen, so wir uns in Sachen Leistung und Gegenleistung treffen."


Fenninger - ein Glücksfall für die Werbung

Mit Anna Fenninger hat Raiffeisen seit 2013 auch den weiblichen Top-Star des Skisports unter Vertrag. "Wir hatten Anna schon lange auf unserem Wunschzettel", erklärte Pruschak damals. Im Winter 2014/2015 kamen jedoch neue Begehrlichkeiten des Managements auf. Nach den Weltmeistertiteln im Super-G und im Riesenslalom sowie dem zweiten Platz in der Abfahrt sieht Fenningers Management die eigene Position für die Verhandlungen nach der Saison gestärkt. Zumal es im Damen-Ski-Rennsport nach dem Rücktritt von Slalom-Spezialistin Marlies Schild im ÖSV-Stall auch werbetechnisch keine vergleichbare aktive Rennläuferin gibt.

Fenningers Manager Klaus Kärcher sieht die Sportlerin "als Glücksfall für die Werbung" und will der Athletin ebenfalls eine langfristige Perspektive verschaffen - zu Konditionen, die denen Marcel Hirschers entsprechen. Allerdings ist der Gender-Pay-Gap im Ski-Rennsport bis heute eklatant und eine Einigung mit Fenningers Management ist für Pruschak daher wesentlich schwerer vorstellbar als mit Hirschers Vertrauten: "Wir haben großes Interesse daran, Anna Fenninger weiterhin als Sponsor und Werbepartner zu haben. Es ist da die Situation aber ein bisschen schwieriger. Durch ihr Management bestehen auch sehr große Erwartungen, die vielleicht nicht ganz mit dem zusammenpassen, was wir möglich machen können und vorhaben", erklärt Pruschak.

Vertragspartner für Raiffeisen sei der ÖSV, und man werde versuchen, eine Lösung zu finden. Der ÖSV müsse sich dann mit dem Management einigen. Pruschak hat die Hoffnung auf eine Einigung allerdings noch nicht aufgegeben: "In der Vergangenheit haben wir auch wenn es unterschiedliche Interessen gab, eine vernünftige Lösung gefunden. Vielleicht gelingt das bei der Anna auch. Ein Vertrag ist dann gut, wenn beide das Gefühl haben, sie können damit sehr gut leben. "

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