Platini greift Blatter an: "Wollte mich erledigen"

Platini greift Blatter an: "Wollte mich erledigen"

Das Runde hat FIFA-Präsident Sepp Blatter (li.) und UEFA-Präsident Michel Platini ein Jahrzehnt geeint. Blatter war aber nicht mehr als der Lieblingsfeind von Platini.

Der suspendierte UEFA-Präsident Michel Platini geht in die Offensive: Er greift seinen einstigen Mitstreiter und FIFA-Präsident Sepp Blatter an. Österreichs Fußball-Präsident Leo Windtner fordert die europäische Einheit für den Platini-Intimus und UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino. Scheich Al Chalifa aus Bahrain offenbar Favorit als FIFA-Präsident

Zürich/Wien. Die harmonische Einigkeit, die Michel Platini und Sepp Blatter allzuoft in den Medien deklarierten, war eine große Show. Die Freundschaft war vorgegaukelt. Blatter war mehr Lieblingsfeind als Freund oder Partner, die für die gemeinsame Sache - dem Fußball - kämpfen wollten. Dass die beiden bestenfalls eine Zweckfreundschaft verbunden hat, war schon seit langem bekannt.


Alles ist von Blatter ausgegangen, er wollte mich erledigen

Platinis Kampf um den Chefsessel der FIFA ist zu Ende. Der von den Ethikhütern der FIFA suspendierte UEFA-Präsident teilt nochmals kräftig aus. Frankreichs Ex-Fußballstar setzt nun an zur verbalen Blutgrätsche gegen Blatter nachdem er seine Kandidatur um das Präsidentenamt des Weltfußballverbands FIFA zurückgezogen hat. Platini holt aus zum Rundumschlag und zur Attacke gegen seinen Lieblingsfeind. "Alles ist von Blatter ausgegangen, er wollte mich erledigen", sagte Platini der Sportzeitung "L'Equipe" (Freitag).

"Der letzte Skalp"

Klagend berichtete Platini zudem, dass er bereits die überwältigende Unterstützung von 150 Mitgliedsverbänden für seinen Traumposten sicher gehabt hätte - bis die Millionen-Zahlung von Blatter an seinen früheren Intimus aus dem Jahr 2011 beide Top-Funktionäre zu Fall brachte. "Er wollte nicht, dass ich zur FIFA gehe", erklärte Platini. "Er hat oft gesagt, dass ich sein letzter Skalp wäre, aber er ist zur gleichen Zeit gestürzt wie ich."

Nach dem Rückzug von Platini, der so wie FIFA-Präsident Blatter für acht Jahre gesperrt ist, und der europäischen Führungskrise gilt Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa als Favorit für die Blatter-Nachfolge. Windtner hofft auf einen europäischen Kandidaten und forciert den aktuellen UEFA-Generalsekretär Infantino. "Jetzt geht es darum, dass die UEFA geschlossen hinter Infantino steht", sagte der Oberösterreicher.

Doch selbst Platini schätzt die Erfolgsaussichten von Infantino äußerst zurückhaltend ein. "Ich denke nicht, dass es einfach wird", meinte der 60-Jährige vielsagend.

Die Suche nach einem neuen Kandidaten

Keine 50 Tage vor der FIFA-Wahl am 26. Februar ringt der europäische Verband UEFA um Einigkeit. Während ÖFB-Präsident Leo Windtner in einem APA-Interview umfassende Unterstützung für Gianni Infantino einfordert, äußerte sich selbst Platini zu dessen Chancen zurückhaltend.

Der größte europäische Verband lässt sich mit einer Unterstützungserklärung aber noch Zeit. Der Deutsche Fußball-Bund will seine Strategie binnen zwei Wochen festlegen - ließ zunächst aber noch das erwartete Votum für den 45-jährigen Schweizer offen. "Das Präsidium wird in seiner nächsten Sitzung am 22. Jänner darüber beraten, welchen Kandidaten der deutsche Fußball bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten nunmehr unterstützen wird", teilte Interimspräsident Reinhard Rauball mit.

Deutlich diplomatischer äußerte sich Infantino über den unvermeidlichen Schritt Platinis. Mit einem verbalen Balanceakt versuchte der Italo-Schweizer, sowohl seinen bisherigen Chef zu unterstützen, gleichzeitig aber auch seine Unabhängigkeit zu betonen. "Ich wünsche ihm nur das Beste bei seinen Bemühungen, sich zu rehabilitieren und bekräftige, dass ich sein Recht auf ein ordnungsgemäßes Verfahren unterstütze", teilte Infantino am Freitag schriftlich mit. Er habe in seinen Präsidentschaftsambitionen Unterstützung von "vielen Personen aus dem Fußball" erhalten. "Ich bin mir meiner Verantwortung für sie und alle, die das Spiel leben, bewusst."

Der streitbare Favorit

Doch werden solche hehren Worte reichen? Vor allem da Al Chalifa im Wahlkampf gegen Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, den Franzosen Jerome Champagne, Tokyo Sexwale aus Südafrika und Infantino schon Unterstützung über sein asiatisches Stammlager hinaus gesammelt haben soll.

Al Chalifa steht zwar in der Kritik von Menschenrechtsorganisation - seiner Familie wird vorgeworfen, an der Niederschlagung der Anti-Regierungsproteste im Bahrain beteiligt gewesen zu sein. Zuletzt hatte allerdings auch Rauball zurückhaltend-positiv über den Chef der asiatischen Konföderation gesprochen. Offenbar soll der Scheich in Fußball-Europa salonfähig gemacht werden. Denkbar ist dabei auch ein Deal, dass Al Chalifa nach erfolgreicher Wahl Infantino den Posten des FIFA-Generals offeriert.

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