ORF und ATV wollen Puls 4 ausdribbeln

ORF und ATV wollen Puls 4 ausdribbeln

Der ORF und ATV ziehen an einem Strang: Sie haben ein gemeinsames Angebot für die Übertragung der UEFA Europa League der kommenden drei Saisonen gelegt. Damit wollen sie die deutsche ProSieben.Sat1-Gruppe und deren Österreich-Ableger Puls 4 ausstechen.

Der öffentlich-rechtliche ORF und der Privatsender ATV sorgen mit einer strategischen Allianz in Sachen Fußball-Rechte für eine kleine Sensation am österreichischen TV-Markt. Gemeinsam haben ORF und ATV Donnerstagmittag beim UEFA-Vermarkter ein Angebot für die österreichischen TV-Rechte an der Europa League für die Saisonen 2015/2016, 2016/2017 und 2017/2018 gelegt.

Nähere Informationen zur Taktik der öffentlich-rechtlich-privaten Zweierkette waren am Donnerstag nicht zu erhalten. "Wir befinden uns in einem laufenden Bieterverfahren und geben daher keinen Kommentar dazu ab", meinte ATV-Chef Martin Gastinger auf APA-Anfrage. Auch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wollte die außergewöhnliche Kooperation nicht kommentieren und verwies auf das laufende Bieterverfahren.

Im ORF-Stiftungsrat erklärte Wrabetz laut APA-Informationen zuvor, dass man gemeinsam mit ATV ein Angebot abgegeben habe. Zu Angebotshöhe und weiteren Details machte Wrabetz dort keine Angaben. Bisher lagen die Europa League-Rechte beim ORF, der ab der Saison 2015/2016 aber auch wieder die Champions League im Programm hat.

Strategische Allianz

Strategisch macht die Kooperation für ORF und ATV Sinn. Österreichs Fußballvereine haben es bisher in der Gruppenphase der europäischen Fußballbewerbe eher in die Europa League als in die Champions League geschafft, entsprechend gut waren die Quoten der Europa League-Partien im ORF. Ein weiterer voller Spieltag im Sendeschema von ORF eins würde dennoch die Kritik des Privatsenderverbands daran anheizen, dass der ORF mit Gebührengeldern den Sportrechtemarkt dominiert.

Der Privatsender Puls 4, dessen Rechte an der Champions League im Frühjahr 2015 auslaufen, hat deshalb bereits eine Beschwerde bei der Medienbehörde KommAustria eingereicht. Der Vorwurf von Senderchef Markus Breitenecker: der ORF habe die Rechte an der europäischen Königsklasse zu einem "überhöhten, kaufmännisch nicht gerechtfertigten Preis" erworben. Breitenecker war am Donnerstag vorerst nicht für eine Stellungnahme auf die ORF-ATV-Allianz erreichbar. Angenommen wird aber, dass auch Puls 4 ein Angebot für die Europa League legen wird.

Fußball als Joker

Der ORF könnte bei einem Zuschlag ab Herbst 2015 Champions League-Spiele am Dienstag oder Mittwoch und dazu - in Absprache mit ATV - die Vorabend- oder Hauptabend-Partie eines österreichischen Vereins in der Europa League am Donnerstag ausstrahlen. Und ATV ist mit Fußballübertragungen bei den Zusehern schon in der Vergangenheit gut gefahren.

Pikant ist die neue öffentlich-rechtlich-private Partnerschaft aus einem weiteren Grund. ATV, der Sender gehört zum Konzern des österreichischen Filmhändlers Herbert Kloiber, liegt seit längerem im Clinch mit der ProSiebenSat.1 Puls 4-Gruppe und trat deshalb im September auch aus dem Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) aus. Dort würden "ausschließlich die Interessen" der deutschen ProSiebenSat.1 Puls 4-Gruppe vertreten und die Vereinstätigkeit reduziere sich auf "mediale Auseinandersetzungen" mit dem ORF, monierte Senderchef Gastinger damals. Die Fußball-Rechte-Allianz zwischen ORF und ATV wird deshalb in der Medienbranche auch als Signal für ein engeres Zusammenrücken von ORF und ATV am österreichischen Fernsehmarkt und als Match eines österreichischen gegen ein deutsches Konsortium gewertet.

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