Matti Nykänen: Genialer Skispringer, im Leben gescheitert

Der ehemals beste Skispringer der Welt wird morgen 50. Er feiert seinen Geburtstag standesgemäß in einer Kneipe. Schon nächstes Jahr will er ein Comeback auf der Sprungschanze feiern.

Matti Nykänen: Genialer Skispringer, im Leben gescheitert

Vielleicht gibt es bessere Orte für Matti Nykänen, um seinen 50. Geburtstag zu feiern. "Harry's Bar" heißt die Kneipe im finnischen Jyväskylä, wo die lange Zeit alkoholkranke Skisprung-Ikone am Mittwoch auf ein verrücktes Leben anstoßen wird. Vielleicht aber ist der stilvolle, mit Ledersesseln ausgestattete Pub auch genau der richtige Platz. Denn der "neue" Matti Nykänen wird nicht etwa an der Theke sitzen, sondern mit seiner Band auf der Bühne stehen. Ohne Alkohol. Vielleicht.

Nykänen war einmal der beste Skispringer der Welt, für viele ist er es bis heute. Mit 18 gewann er die WM, mit 19 die Vierschanzentournee, mit 20 Olympia-Gold in Sarajevo. Später folgte der tiefe Absturz des Überfliegers. Der Alkohol, die Frauen, das Herz. Die Hölle sei nicht so schlimm "wie mein Leben jahrelang war", sagte der gefallene Held 2012 in einem Welt-Interview: "Die Hölle muss ein besserer Ort sein."

Genialität verloren

"Nykänen hatte diese Genialität leider nur auf der Schanze, im Leben war er etwas verloren", sagte Bundestrainer Werner Schuster im vergangenen Winter. Da hatte der Finne gerade seinen Uralt-Rekord von 46 Weltcup-Siegen an Gregor Schlierenzauer verloren. Nykänen reiste daraufhin zum Springen nach Kuopio, um dem Österreicher persönlich zu gratulieren: "Gregor, du bist jetzt ein ganz großer Skispringer. Für mich der größte aller Zeiten."

Das war höflich, aber nicht unbedingt richtig. Vier Olympiasiege wie Nykänen hat Schlierenzauer (noch) nicht zu bieten. Vier Triumphe im Gesamtweltcup auch nicht. "Matti war zu seiner Zeit einzigartig", sagt auch Jens Weißflog, der sich mit dem finnischen Leichtgewicht viele Jahre lang eine erbitterten Zweikampf um die großen Titel lieferte: "Das war eine gesunde Rivalität. Nykänen war für mich eine Art Vorbild."

Zur Skandalnudel verkommen

Doch all die Titel, all die Medaillen, sie halfen Nykänen im richtigen Leben nicht weiter. In seinem Wikipedia-Eintrag finden sich heute mehr Zeilen über die Zeit nach der Karriere als über die Jahre als Sportler. Die meisten handeln von Skandalen. Von seinen drei Scheidungen. Von einer Vorstrafe wegen Körperverletzung, weil er seine Frau mit einem Messer attackierte. Von seiner Zeit als Stripper und als Darsteller in Erotikvideos. Von einem Herzinfarkt im Jahr 2004. Und immer wieder von Alkohol.

"Wenn du trinkst, lebst du wie in einer Blase, siehst keinen Sinn", sagte Nykänen im vergangenen Jahr der Welt und versuchte sich an einer Erklärung: "Ich stand viele Jahre im Mittelpunkt, alle haben sich um mich gerissen. Ich hatte es satt, es war zu viel. Ich war unglücklich und habe angefangen, in mir drinnen eine Mauer hochzuziehen. Ich war sehr jung, als ich erfolgreich geworden bin, die Medien waren die ganze Zeit um mich herum - ich hätte Hilfe gebraucht. Das war der Anfang. Ich habe später getrunken, weil ich nichts anderes zu tun hatte, weil ich vergessen wollte."

Zurück auf die Schanze?

Heute, sagt Nykänen, habe er sein Leben im Griff. Zu wünschen wäre es ihm. Bei Olympia 2014 in Sotschi will er sogar wieder von der Schanze fliegen. Nur als Vorspringer natürlich, aber immerhin. Für Matti Nykänen wäre das wie ein Stück Himmel auf Erden: "Das wäre ein Traum. Ich genieße das Gefühl des Fliegens noch immer."

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