Marko Arnautovic kassiert in China 245.000 Euro pro Woche

Marko Arnautovic kassiert in China 245.000 Euro pro Woche

Marco Arnautovic steigt auf in den chinesischen Fußball-Olymp.

Mit dem Wechsel des österreichischen Fußballnationalspieler Marko Arnautovic von West Ham United nach Shanghai SIPG katapultiert sich der 30-Jährige zum Top-Verdiener Österreichs. Er ist der teuerste Spieler Österreichs - bereits zum zweiten Mal. Der sportliche Wert der China Super League ist eher bescheiden, trotz einiger großer Namen.

Shanghai/London. Marko Arnautovic hat seinen Wechsel in die chinesische Super League finalisiert. Nachdem Österreichs Fußball-Nationalstürmer bereits im Jänner mit einem Transfer ins Reich der Mitte liebäugelte, gehen West Ham United und der Wiener nun getrennte Wege. Wie der Premier-League-Club am Montag in einem knappen Statement vermeldete, geht Arnautovic zu Shanghai SIPG.

Die Ablösesumme wurde nicht genannt, sie soll laut englischen Medienberichten rund 25 Millionen Euro betragen. Dass Arnautovic West Ham Richtung China verlässt, schien seit Wochenende fix. Bei Meister SIPG soll der 30-Jährige in den vergangenen Tagen den Medizincheck absolviert haben, seine Ankunft im Trainingslager der "Hammers" in der Schweiz blieb aus.

Arnautovic hatte bereits im Winter mit dem 10,5 bis 13 Flugstunden (bei Direktverbindung) von Wien entfernten Klub in China geliebäugelt. Neben Shanghai soll damals auch der Ligakonkurrent Guangzhou Evergrande (15 bis 20 Stunden von Wien entfernt, einmal umsteigen etwa in Peking) um seine Unterschrift gebuhlt haben. West Ham reagierte nach wochenlangem Theater Ende Jänner mit einer Vertragsverlängerung bis Sommer 2023 hinaus - zu verbesserten Bezügen. In Shanghai soll Arnautovic nun kolportierte 200.000 Pfund (245.000 Euro) pro Woche verdienen. Über die Vertragsdauer war vorerst nichts bekannt.

West Ham gab des Vollzug des Transfers in zwei Sätzen bekannt. 22 Tore in 65 Spielen gelangen dem Angreifer in den beiden Saisonen beim Club aus dem Osten Londons. West Ham hatte Arnautovic 2017 um 28 Mio. Euro von Stoke City verpflichtet. Seine Zeit bei den "Hammers" darf als Wellental der Gefühle gelten. Nach einem schweren Beginn avancierte der Wiener zwischenzeitlich zum Publikumsliebling, fiel aber nach der Transferposse im Jänner wieder in der Gunst der Anhänger.


Jeder will ihn weg haben.

Diese wollten den Angreifer nun eher schnell los werden. Trainer Manuel Pellegrini sah sich offenbar bereits nach Ersatz um. In der Vorwoche ließ die englische Presse keinen Zweifel, dass Arnautovic bei West Ham nicht mehr gerne gesehen war. "Jeder will ihn weg haben", sagte eine Club-Quelle laut Sky Sports. Die Club-Verantwortlichen würden sich um die Teamstimmung sorgen, ein Abgang von Arnautovic sei diesbezüglich alternativlos. Auch deshalb stimmte West Ham dem Angebot von Shanghai schließlich zu, nachdem vormals noch 40 Mio. Pfund gefordert wurden.

Marko Arnautovic verabschiedete sich am Montag kurz und knapp via Instagram von seinen Fans, die zuletzt nicht mehr so gut Freund mit ihm waren. "Danke an alle bei West Ham. Besonderen Dank und Goodbye an die Fans, die immer gut zu mir waren", schrieb der Stürmer.

Von Floridsdorf nach Shanghai

Für Arnautovic enden damit viele Jahre in Europas Topligen. Von Twente Enschede ging der Floridsdorfer einst in jungen Jahren zu Inter Mailand, es folgte die Station Werder Bremen, ehe es auf die britische Insel ging. Bei Stoke spielte sich Arnautovic wieder ins Rampenlicht und avancierte auch im Nationalteam zum Leistungsträger.

Teamchef Franco Foda wird weiter auf den Routinier setzen, wie er in einem Statement am Montag mitteilte. "Marko ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, daran wird sich nichts ändern. Wir alle kennen seine Qualitäten. Er hat genug Erfahrung, um die für sich richtigen Entscheidungen zu treffen", sagte Foda darin. Arnautovic habe ihm mitgeteilt, dass er "weiterhin gerne für das Nationalteam spielt", berichtete der Deutsche.

Arnautovic machte bisher 77 Länderspiele für Österreichs Team, in denen er 20 Tore erzielte. Immer wieder war er bis zuletzt in der Kritik, weil er aufgrund seiner Körpersprache und seines ausgesprochen erhöhten Selbstbewußtseins nicht immer den souveränen Eindruck vermittelt hatte.

Offensiv-Trio Oscar, Hulk und Marko A.

Bei Shanghai trifft Arnautovic auf prominente Mitspieler. Mit Oscar (27) und Hulk (32) stehen bei SIPG zwei ehemalige brasilianische Teamspieler unter vertrag. Dazu kommt mit Elkeson ein weiterer Brasilianer, der nun aber abgegeben werden soll. Trainiert wird der Club vom Portugiesen Vitor Pereira (ehemals Porto, Fenerbahce).

Namensgeber ist die Shanghai International Port Group, die in der mehr als 26 Millionen Einwohner zählenden Metropole den Hafen betreibt. In der Super League sind aktuell 16 Runden gespielt, der Titelverteidiger ist mit zwei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Beijing Guoan Dritter.

Big Names

Die chinesische Super League wurde 2004 gegründet und hat seitdem stetig an Popularität zugelegt. Zurzeit spielen 16 Teams in der Liga, Rekordmeister ist Guangzhou Evergrande mit sieben Titeln von 2011 bis 2017. ÖFB-Fußballer Marko Arnautovic schloss sich nun Shanghai SIPG an, der Club ist amtierender Meister - in einer Liga mit zahlreichen klingenden Namen auf und neben dem Rasen.

Im chinesischen Clubfußball sind teilweise gigantische Summen im Spiel. Viele Fußballer übersiedeln daher nicht gegen Ende der Laufbahn, sondern während ihrer Blüte nach China. So sind aktuell die brasilianischen Ex-Teamkicker Renato Augusto (Beijing Guoan), Hulk und Oscar in China aktiv. Die beiden Letztgenannten könnten bei SIPG künftig mit Arnautovic ein gefährliches Offensivdreieck bilden.

Aus Belgien sind Yannick Carrasco (Dalian Yifang), Mousa Dembele (Guangzhou R&F) und Marouane Fellaini (Shandong Luneng Taishan) im Land des Lächelns engagiert, ebenso die Argentinier Javier Mascherano und Ezequiel Lavezzi (beide Hebei China Fortune). Erst vor Kurzem wechselten Ex-Bayern-Stürmer Sandro Wagner (Tianjin Teda) und der Slowake Marek Hamsik (Dalian Yifang) nach China.

In der österreichischen Bundesliga verließ vor vier Jahren Stürmer Alan Red Bull Salzburg und heuerte beim populärsten Club Guangzhou Evergrande an, derzeit ist er an Tianjin Tianhai verliehen. Sein Salzburger Ex-Clubkollege Jonathan Soriano ging 2017 zu Beijing Guoan. Der erste Österreicher, der in China sein Geld verdienen wollte, war Roland Kirchler. Der Tiroler versuchte sich 2002 bei Beijing Guoan, nach Ablauf der Probezeit nahmen die Chinesen jedoch von einer Verpflichtung Abstand. Rubin Okotie spielte von 2016 bis 2018 für Beijing Enterprises Group in der zweiten chinesischen Liga.

Auch bei Trainern aus dem Ausland ist die Super League wegen der Verdienstmöglichkeiten beliebt. Rafa Benitez unterschrieb kürzlich einen Vertrag bei Dalian Yifang, Fabio Cannavaro trainiert Guangzhou Evergrande, Arnautovics neuer Coach ist der Portugiese Vitor Pereira, der schon beim FC Porto, Olympiakos Piräus oder Fenerbahce Istanbul gearbeitet hat. Bekannt ist auch der Trainer von Beijing Guoan: seit 2017 ist dort Ex-Salzburg-Coach Roger Schmidt am Ruder. Jordi Cruyff versieht bei Chongqing Dangdai Lifan Dienst.


Das Mittelmaß

Trotz der Fülle prominenter Fußballer, die immer wieder nach China geholt wurden, ist das sportliche Niveau überschaubar. Bestenfalls Mittelmaß soll die oberste Liga Chinas im Vergleich zu den europäischen Top-Ligen haben.

Gespielt wird in der Super League von Februar/März bis November/Dezember. Die durchschnittliche Zuschauerzahl lag in der Saison 2018 bei 24.000. In einem Fünf-Jahres-Vergleich (2013-2018) sahen laut einer Untersuchung des Centre International d'Etude du Sport (CIES) in Neuchatel im Schnitt 22.594 Zuschauer ein Match. Damit liegt China international auf Platz sechs hinter den Topligen in Deutschland, England, Spanien, Mexiko und Italien. Zum Vergleich: Der Schnitt in der österreichischen Liga lag im selben Zeitraum bei 6.581.

Obwohl zuletzt wieder einmal enorm viel Geld investiert wurde und die Clubs aus der Super League im asiatischen Raum zu den Spitzenteams gehören, hinkt das Nationalteam im Vergleich weiter hinterher. Im aktuellen FIFA-Ranking nimmt China, das inzwischen wieder vom Italiener Marcelo Lippi betreut wird, den 73. Platz ein. Die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft ist bisher nur einmal gelungen. 2002 in Japan/Südkorea schied man nach drei Niederlagen in der Gruppenphase ohne eigenen Treffer sang- und klanglos aus.

Unter Staatschef Xi Jinping investiert China inzwischen aber mehr als jemals zuvor in den Fußball. Und da folgt schlussendlich einem großen Masterplan. China will - im übrigen wie beim Skifahren - nun auch beim Fußball in die Weltspitze vorstoßen. So folgt der Fußball im Ausbildungsbereich einer langfristigen Strategie. Nicht nur prominenter Spieler und Trainer folgen dem Ruf ins Reich der Mitte. Im Ausbildungsbereich werden mittlerweile unzählige Fußballschulen gegründet, an denen talentierte Kids und vor allem die Söhne aus reichem Hause bereit ab dem 10. Lebensjahr hauptsächlich auf Fußball getrimmt wird.

Einzig: Die Trainer der Ausbildungszentren verdienen weit weniger als die berühmten Kicker à la Marco Arnautovic. Sie müssen sich mit europäischen Gagen begnügen, deren Höhe sich eher an Amateurgagen orientieren.


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