Leichtathletik: Die WM der fehlenden Stars

Leichtathletik: Die WM der fehlenden Stars

Wenn am Sonntag die schnellsten Männer der Welt in Moskau ihren König küren, bleibt der schnellste Mann des Jahres auf Tauchstation: Tyson Gay hat sich im heimischen Florida verschanzt, wartet auf das Urteil in seinem Doping-Fall und wird das WM-Finale mit düsterer Miene vor dem Großbild-TV in seinem Haus in Clermont verfolgen.

"Egal was kommt, ich werde meine Strafe wie ein Mann nehmen", hatte Gay angekündigt. Tatenlos zuzusehen, ist für ihn vorerst die Höchststrafe.

Der Amerikaner ist der prominenteste von vielen Spitzen-Leichtathleten, die den Saisonhöhepunkt in Russlands Hauptstadt (10. bis 18. August) verpassen werden. Gedopt, verletzt, gescheitert - die Ausfall-Liste liest sich wie ein Who is Who der Disziplinen, von Gay über David Rudisha bis zu Blanka Vlasic.

Vor allem hat es diesmal die 100-m-Spezialisten erwischt: Wie Gay fehlt auch Jamaikas Ex-Weltrekordler Asafa Powell nach einem positiven Dopingtest, Titelverteidiger Yohan Blake (ebenfalls Jamaika) hat verletzt abgesagt. Seine Landsfrauen Sherone Simpson und Veronica Campbell-Brown wurden als mutmaßliche Manipulateure aus dem Verkehr gezogen.

Fast schon unheimlich ist die Ausfall-Serie im Siebenkampf, wo die drei Erstplatzierten der Olympischen Spiele von London fehlen: Die Britin Jessica Ennis-Hill, die Deutsche Lili Schwarzkopf (beide Achillessehne) und Russlands Weltmeisterin Tatjana Tschernowa (Knie) leiden ebenso unter Verletzungsfolgen wie die Leverkusener WM-Dritte Jennifer Oeser (Ferse).

Kenias 800-m-Weltrekordler Rudisha lädierte sich abermals sein Knie - diesmal beim Joggen im Central Park. 1500-m-Olympiasieger Taoufik Makhloufi aus Algerien plagt sich mit einer Virus-Infektion herum. Kroatiens Hochsprung-Star Vlasic, mit 2,08 m zweitbeste Springerin der Geschichte, fehlt wie schon bei Olympia wegen einer Fußverletzung. Asli Çakir Alptekin, türkische Überraschungssiegerin von London über 1500 m, steht als wiederholende Dopingsünderin vor einer lebenslangen Sperre.

Zu den aus Leistungsgründen fehlenden Topstars gehören derweil die beiden äthiopischen Wunderläufer: Kenenisa Bekele, notorisch formschwacher Weltrekordler über 5000 und 10.000 m, wurde von seinem Verband nicht nominiert, der große Haile Gebrselassie, mittlerweile 40 Jahre alt, lässt seine Karriere auf Sparflamme ausklingen. Die südafrikanische 800-m-Olympiazweite Caster Semenya, deren Stern 2009 bei der WM in Berlin aufging, versuchte sich vergeblich an der Norm - diese lag sechs Sekunden über ihrer Bestleistung.

Arg gerupft wurde auch das deutsche Team: Wie schon 2011 musste Hochsprung-Ass Ariane Friedrich passen. Die von Verletzungen geplagte Frankfurterin brach die Normjagd frühzeitig und entnervt ab. Speer-Weltmeister Matthias de Zordo kann seinen Titel nach einem Achillessehnenriss nicht verteidigen. Stab-Vizeweltmeisterin Martina Strutz fällt nach einem Mittelfußbruch aus. Und Hürdensprinterin Carolin Nytra ist praktisch seit ihrem Gold bei der Hallen-EM 2011 nicht mehr richtig fit.

Der erfreulichste Grund für einen WM-Ausfall trägt derweil den Namen Janek: Der Nachwuchs von Speerwurf-Olympiasiegerin Barbora Spotakova aus Tschechien erblickte am 24. Mai das Licht der Welt. Spotakova will schon im kommenden Jahr wieder angreifen - und ist damit Tyson Gay meilenweit voraus.

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