"Wir wollten weniger Gegentore bekommen – und dann fangen wir mit drei an"

"Wir wollten weniger Gegentore bekommen – und dann fangen wir mit drei an"

Jens Keller war schon nach den ersten 90 Bundesliga-Minuten genervt. "Wir wollten weniger Gegentore bekommen. Und dann fangen wir mit drei schon wieder an", klagte der Trainer von Schalke 04 nach dem unterhaltsamen, aber ärgerlichen 3:3 (2:2) zum Saisonauftakt gegen den Hamburger SV.

Das erste Punktspiel reichte schon, um das größte Problemfeld des Champions-League-Aspiranten offen zu legen: Die Defensive der Königsblauen genügt höheren Ansprüchen nicht.

Beispielhaft war die Leistung von Innenverteidiger Joel Matip. Der 22-Jährige verursachte mit seinem Handspiel das erste Gegentor durch Rafael van der Vaart (12.) und war danach ein Nervenbündel. Bei den beiden weiteren HSV-Treffern stand der Deutsch-Kameruner falsch, Fehlpässe und weitere Wackler rundeten das schwache Bild ab. "Da muss er durch", sagte Sportvorstand Horst Heldt, "das darf ihn nicht umwerfen, es gehört zur Weiterentwicklung dazu."

Allerdings wollte der Manager die Schuld nicht allein bei Matip suchen. "Es gab schon noch einige andere, die Luft nach oben hatten", meinte Heldt. Egal, ob er damit Torhüter Timo Hildebrand, die Nationalspieler Benedikt Höwedes und Roman Neustädter oder die Außenverteidiger Christian Fuchs und Atsuto Uchida meinte - falsch lag er bei keinem.

"Wir haben unheimlich viele Fehler gemacht und den Gegner zu Chancen eingeladen", gab Höwedes selbstkritisch zu und sprach von einem "chaotischen Spiel". Neuzugang Felipe Santana, der 90 Minuten lang auf der Bank saß, dürfte sich gefragt haben, was noch passieren muss, bis er aufs Feld darf.

Dabei hatte Trainer Keller nach den 50 Gegentoren in der vergangenen Saison vor allem konzentriertere Abwehrarbeit eingefordert. Damit gerade bei Standardsituationen die Aufmerksamkeit nicht nachlässt, hatte er sogar einen Strafenkatalog eingeführt: Die Mannschaft muss nach Gegentoren im Anschluss an Ecken und Freistöße zahlen. "Es hat nicht wirklich was gebracht", stellte er desillusioniert fest und dachte vor allem an das 2:3 durch Lasse Sobiech, der nach einer Ecke im Fünfmeterraum - von Torhüter und Innenverteidigung völlig unbedrängt - einköpfte (49.).

"Wir haben zwei Kopfball-Gegentore bekommen. Das war insgesamt zu einfach", bemängelte Hildebrand, der beim 1:2 den Ball nach einem Lattentreffer von Maximilian Beister selbst über die Linie bugsierte (24.): "Es war wie Scheibenschießen."

Immerhin konnten sich die Königsblauen, die am 21. und 27. August gegen den ukrainischen Vizemeister Metalist Charkow um den Champions-League-Einzug spielen, auf ihre teure Offensive verlassen. Klaas-Jan Huntelaar beschenkte sich einen Tag vor seinem 30. Geburtstag mit seinem achten Bundesliga-Doppelpack und schraubte seine Quote auf 49 Treffer in 83 Spielen (2. und 45.+2). Und Acht-Millionen-Einkauf Adam Szalai rettete als Joker einen Punkt (72.).

Dennoch bot auch die Offensivabteilung Anlass zur Klage. "Das war spielerisch einfach zu schwach", urteilte Huntelaar, "wir konnten fußballerisch nicht durchkommen." Die spielerische Armut im Mittelfeld lag vor allem am frühen Ausfall des Jungnationalspielers Julian Draxler, der nach einem Tritt von Tolgay Arslan mit einer Prellung der linken Achillessehne und einer Schnittwunde an der Wade schon nach 22 Minuten ausgewechselt werden musste.

"Dadurch haben wir ein wenig die Ordnung verloren", äußerte Höwedes. Am Montag reiste der Schalker Kapitän ohne Begleitung zur Nationalmannschaft nach Mainz, Draxler verzichtete wegen seiner Blessur auf das Länderspiel am Mittwoch gegen Paraguay.

Keller blieb in Gelsenkirchen und rätselte, wie er die akuten Probleme in den Griff bekommen soll. "Wir haben noch sechs Spieler zum Training", sagte er: "Das ist nicht so prickelnd."

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