Die Rapid-Viertelstunde zur neuen Fußballheimat

Die Rapid-Viertelstunde zur neuen Fußballheimat

Der Rohbau ist so gut wie fertig - im Mai wird der Rasen verlegt, Ende Juni soll Rapid das Stadion übernehmen. Erster Ankick: 16. Juli -18 Uhr gegen die Startruppe von Chelsea FC London.

Rund 90 Tage sind es noch bis zum Debüt im neuen Allianz Stadion. Zum Auftaktmatch in der neuen Fußball-Arena wird Chelsea FC aus London bei Rapid Wien in Hütteldorf gastieren. Der Stadionbau ist auf Plan, Entwarnung wird noch nicht gegeben. Die Nachfrage nach Jahreskarten ist indes groß. Die "Rapid-Mari€" sorgt für eine bargeldlose Zone. Sportlich scheint bei Rapid "fehlt die Gier".

Wien. Alles Gute bringt der Mai: Der grüne Rasen, quasi das Parkett der ballestrischen Kunst, wird in der neuen Fußball-Arena von Rapid Wien bis Ende des Wonnemonats fertig verlegt - spätestens. Derzeit werden die Drainagen sowie die Technik für die Rasenheizung verlegt. "Alles ist im Plan", sagt der sichtlich bereits etwas erblasste Oberaufseher Roman Hornischer vom Baukonzern STRABAG. Aber von einer Entwarnung will der STRABAG-Projektleiter noch nicht sprechen. Am 30 Juni soll das Stadion komplett an Rapid Wien übergeben werden. "Bis dahin ist noch einiges zu tun", sagt Hornischer.

Im Oktober 2014 hat der österreichische Baukonzern das alte Gerhard-Hanappi-Stadion abgerissen. 18 Monate später Und nun auf demselben Terrain eine neue Fußballarena errichtet, dessen Spielfeld um 90 Grad gedreht wurde. Noch ist die Fußball-Arena ein Neubau, bei dem in den kommenden Wochen die Endarbeiten angesetzt werden. 300 Bauarbeiter sind dabei die unterschiedlichen Gewerke fertigzustellen. Am 30. Juni soll die Endabnahme des 28.000 Zuschauer fassenden Stadions erfolgen.

Ohne Cash in die Zukunft

Fertig sind bereits die 21 Kiosks auf der Außenpromenade, die nun noch mit entsprechender IT vernetzt werden müssen, an denen die Rapidfans künftig verköstigt werden. Das Novum: Die Stadionbesucher können künftig Getränke und Snacks nur noch bargeldlos zahlen. Zuvor müssen sie eine Stadion-Bezahlkarte namens "Rapid-Mari€" lösen, die an den Getränkeständen zur bargeldlosen Zahlung verwendet wird. Am Fancorner oder bei Promotoren kann die Bezahlkarte erworben und aufgeladen werden. Wer nach Spielschluss den Restbetrag retourniert haben will, kann sich das Geld bar auszahlen lassen. Oder nutzt die "Rapid-Mari€" beim nächsten Stadionbesuch. Das Guthaben verfällt nicht. Im Herbst soll ebenso die Zahlung per Handy möglich sein.

Gleich zur Stadioneröffnung am 16. Juli gegen Chelsea FC sollen die Fans bargeldlos bezahlen können. Zum Ticket bekommt der Besucher eine "Rapid-Mari€", die mit 20 Euro aufgeladen ist.

Die erste Garnitur von Chelsea FC

Neben einem umfangreichen Rahmenprogramm werden die "Blues" am 16. Juli um 18. Uhr gegen Rapid Wien das Eröffnungsspiel des Allianz Stadions ausspielen. "Über 500 Fans haben uns per E-Mail geschrieben, nicht gegen die Bayern zu spielen", sagt Stadionsprecher Andy Marek. Da der Allianz-Konzern als Namensgeber für das Rapid-Stadion auch beim FC Bayern München Namenssponsor der Allianz Arena und seit dem 11. Februar 2014 für 110 Millionen Euro 8,33 Prozent an der FC Bayern München AG hält, schien zuletzt ein Match gegen die Bayern möglich.

Die "Blues" sind rein sportlich kaum unattraktiver nachdem sie 2012 die Bayern im Champions League-Finale in München geschlagen haben. "Das ist ein Supergegner, eine Mannschaft die absolutes Topniveau hat", meint auch Sport-CEO Andreas Müller. In der aktuellen UEFA-Rangliste für Klubwettbewerbe liegt Chelsea auf Rang 5 hinter den drei spanischen Topklubs FC Barcelona, Real und Atlético Madrid sowie dem FC Bayern.

Der Sorge der Fans, Chelsea könnte nur mit der zweiten Garnitur antreten, weil am Wochenende davor erst die Europameisterschaft zu Ende geht, will Rapid mit einem entsprechenden Vertrag entkräftet haben. "Wir haben hart verhandelt", heißt es seitens Rapid.

Die 20.000er-Kalkulation

Parallel zum Neubau lauft bereits der Verkauf der Tickets auf Hochtouren. Der freie Verkauf ist am Montag gestartet. Insgesamt seien schon 11.500 Jahreskarten verkauft, sagt Rapid-Vorstand-Chef Peschek. Alleine im "Block West" haben die treuesten der Rapidfans bereits 5600 Jahreskarten gebucht. Wer's etwas teurer haben will, muss sich sputen. Von den 40 Business-Logen mit jeweils zwölf Sitzplätzen sind nur noch fünf nicht vermietet. Voraussetzung dafür ist die Buchung auf drei bis fünf Jahre. Mit 1750 VIP-Plätzen sind somit 73 Prozent der verfügbaren Sesseln vermietet.

Und auch die Mitgliederwerbung läuft auch Hochtouren. "Wir haben im März bis Anfang April nochmals 500 neue Mitglieder geworben", sagt Peschek. Rapid hält somit bei über 10.500 Mitgliedern. Im November 2013 zählten die Hütteldorfer gerade einmal 4800 Mitglieder.

Dass man weiterhin in "Beine und Steine" investieren will, hat Rapid CEO Peschek bekräftigt. Für die kommende Saison 2016/2017 wurde ein Budget von 30 Millionen Euro kalkuliert. "Darin sind noch nicht die Erlöse aus Transfers oder Einnahmen aus UEFA-Wettbewerben enthalten", sagt der Rapid-Geschäftsführer. Kalkuliert wird dabei mit einem Zuschauerschnitt von 20.000 Besuchern.

Die fehlende Gier

"Das neue Stadion wird ein Aufbruch in eine neue Zeit für Rapid sein", glaubt auch Sport-CEO Andreas Müller. Er spricht aus der Erfahrung aus seiner Zeit beim deutschen Bundesligisten Schalke 04, das mit der Neueröffnung der Fußball-Arena sich sowohl national als auch international in neue Regionen vorgeprescht ist.

Für "Hexenkessel, Wohnzimmer und Bombenerlebnis" soll die neue Heimstätte stehen. Das Allianz Stadion soll für den Gegner zur "grün-weißen Hölle" werden.

Allerdings räumt Müller im Gespräch mit trend.at ein, dass er im Moment aus sportlicher Sicht alles andere als begeistert ist. Nach dem Ausscheiden aus der Europa League gegen den FC Valencia mit einem Gesamtscore von 0:10 Ende Februar ging es leistungsmäßig steil bergab. "Das neue Stadion ist nett und gut, nur ich habe im Moment etwas andere Sorgen", meint Rapid-Manager Müller. Ihn fuchsen noch immer die zuletzt miserablen Ergebnisse der Grün-Weißen. "Drei Punkte aus den letzten fünf Spielen, das ist zu wenig", sagt Müller. Vor allem gegen schwache Gegner habe man unnötig Punkte liegen lassen.

Nach derart starken Leistungen im Herbst nun zum dritten Mal in Folge nur Zweiter zu werden sei ernüchternd. Und freilich zu wenig. "Das darf nach einem solchen Lauf im Herbst nicht passieren", sagt Müller. "Wir haben nicht mehr die Gier gehabt."

Mit sechs Punkten Rückstand auf Red Bull Salzburg ist die Chance auf die Meisterschaft nur theoretisch. Von seiner Truppe fordert Müller die verbleibenden sechs Spiele so zu nehmen, als ginge es "jedes Mal um Endspiele". Das erste der sechs Endspiele steigt ausgerechnet am Sonntag im Derby gegen Austria Wien.

Für die neue Saison hat Müller bereits für Neuverpflichtungen die Hebel in Bewegung gesetzt.

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