Österreichs Fußball als ein Steilpass für die Wirtschaft

Österreichs Fußball als ein Steilpass für die Wirtschaft

ÖFB-Präsident Leo Windtner

Mit der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich will der Österreichische Fußballbund (ÖFB) einmal mehr unterstreichen, dass Fußball nicht der Bittsteller ist. ÖFB-Präsident Leo Windtner fordert den Neubau von gleich mehreren Stadien, die dem Wirtschaftsfaktor Fußball einen weiteren Kick geben könnten.

667 Millionen Euro schwer ist die Wertschöpfung, die in Österreich über den Fußballsport erzielt wird. Das entspricht einem Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Höhe von 0,23 Prozent, wie aus einer Studie vom ÖFB und Sports Econ Austria hervorgeht. Rund um den Fußballsport gibt es rund 23.000 Jobs. Und die Spitze sei nach Angaben von ÖFB-Präsident Windtner noch nicht erreicht. Klarerweise erhofft sich der oberste Fußball-Chef einen weiteren Schub durch sportliche Erfolge des heimischen Nationalteams mit der greifbar nahen Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich.

Zur Wertschöpfung zählen unter anderem die Tätigkeiten in den 2300 Fußballvereinen sowie Produkte und Dienstleistungen von vorgelagerten (z. B. Herstellung von Bällen, Bekleidung sowie der Bau von Fußballplätzen) und nachgelagerte Branchen der Wirtschaft (z. B. Medien, Versicherungen, Tourismus). Die Europameisterschaft im Jahr 2008, als Österreich und die Schweiz Gastgeber waren, habe auch hierzulande der Popularität des Fußballsports einen Auftrieb gegeben. Wenngleich nicht in demselben Ausmaß wie in der Schweiz, wo in den vergangen zehn Jahren mehr als ein halbes Dutzend neue, moderne Fußballarenen gebaut wurden.

Im Gegensatz zu den Eidgenossen wurde in Österreich der Bau moderner Fußballarenen verpasst. „Bei der Infrastruktur hängen wir nach. Da gibt es Handlungsbedarf“, meint ÖFB-Chef Windtner. „Neue, moderne Stadien bedeuten auch immer mehr Zuschauer und neue wirtschaftliche Chancen.“ Dies sei die Conclusio in allen Ländern, wo zuletzt neue Stadien gebaut wurden. Bis auf das neue Stadion von Rapid Wien ("Allianz-Stadion") und dem Ausbau des Horr-Stadions ("Generali Arena") der Wiener Austria gibt es derzeit keine konkreten Pläne – weder von Vereinen noch von Kommunen.

Für die Finanzierung neuer Stadien gäbe es verschiedene Modelle. Von der Privatfinanzierung bis hin zu Public Privat Partnership-Modellen (PPP-Modelle). „Was in Schweden möglich ist, kann, ja muss doch auch bei uns klappen“, fordert Windtner im Gespräch mit FORMAT einmal mehr Investitionen in den Stadionneubau sowie Kreativität bei Planungs- und Finanzierungsfragen. Windtner hofft angesichts der jüngsten Erfolge des Nationalteams und der hoffentlich bevorstehenden Qualifikation zur Euro 2016, dass auch in die Planungen für einen Neubau des in die Jahre gekommenen Praterstadions neue Bewegung komme. Das Ernst-Happel-Stadion wurde zwar zur Euro 2008 renoviert. Als Austragungsort für Champions League-Finale im out im Gegensatz zu modernen Fußballarenen in anderen Ländern.

In die Offensive

Der ÖFB und Sports Econ Austria haben zum zweiten Mal die ökonomische Seite des Fußballs untersucht. Erstmals wurde die Studie im Jahr 2010 erstellt. In der zweiten Erhebung wurde nun festgestellt, dass der Fußballsport in nicht geringem Maße zunehmende zum Wirtschaftsfaktor sind. „Wir sind nicht nur Bittsteller“, sagt Leo Windtner. „Wir leisten auch einen wesentlichen gesellschaftlichen Beitrag.“ Windtner verweist auf Beispiel etwa in der Jugendförderung. „Im Raum Wels und Linz wird in den Jugendabteilungen Integration gelebt“, betont Windtner. In den Vereinen spielen Kids aus über 20 Nationen.

Der Gesundheitskick

Vom Fußball profitiert laut Studie auch das Gesundheitssystem. Vermiedene oder eingesparte Ausgaben für direkte und indirekte Gesundheitskosten werden demnach mit insgesamt 210,2 Millionen Euro beziffert.

Abzüglich der Behandlungskosten für Fußballspieler (Kosten 69,3 Mio. Euro) infolge von Sportverletzungen wird das System mit 141 Mio. Euro entlastet. "Es zeigt, dass der Fußball kein Empfänger ist, sondern dass er einen gewaltigen Beitrag leistet", betonte Windtner. Behandelt wurden im abgelaufenen Betrachtungszeitraum 34.200 verletzte Fußballspieler. Nur der alpine Skilauf hat noch mehr Sportunfälle zu verbuchen.

Der Doppelpass mit dem BIP-Wachstum

Das Wachstum der Fußballbranche in Österreich beläuft sich seit der ersten Erhebung im Jahr 2010 etwa in derselben Höhe wie das Wirtschaftswachstum, sagt Anna Kleissner von SportsEconAustria. Einen kräftigen Adererlass gab es jedoch bei den offiziell Beschäftigten. „Systembedingt“ kam es zu einer Halbierung von 41.201 auf 21.901 Beschäftigte. Ehrenamtlich Mitarbeiter müssen in der Zwischenzeit nicht mehr fix angemeldet werden. ÖFB-Chef Windtner betont die Bedeutung der Ehrenamtlichen. „Ohne die Ehrenamtlichen wäre der Fußballbetrieb nicht möglich.“ Die Vereine sparen sich dabei rund 153,7 Millionen Euro an Personalkosten. Das entspricht dem Äquivalent von 25 Vollzeitstellen. Pro Verein gibt es im Schnitt 42 ehrenamtliche Mitarbeiter.

Der ÖFB erhält laut Windtner von der Republik Österreich pro Jahr 15 Millionen Euro. „Das Geld fließt zu 90 Prozent an die Landesverbände in die Ausbildung und Infrastruktur. Die Nationalmannschaft wird mit dem Steuergeld nicht finanziert.

Fußball

Fußball: Premier League ballert auf die 5-Milliarden-Mauer

Steueraffäre: Cristiano Ronaldo hinterlegt 14,7 Millionen bei Gericht

Fußball

Steueraffäre: Cristiano Ronaldo hinterlegt 14,7 Millionen bei Gericht

Fußball

Nächste Steueraffäre: Fußball-Star Di Maria betrügt Spaniens Fiskus