Neymar-Affäre: Barca-Präsident und sein Vorgänger auf die Anklagebank

Neymar-Affäre: Barca-Präsident und sein Vorgänger auf die Anklagebank

In steuerlichen Fragen kann Herr Neymar seinem Kollegen Herrn Messi wohl kaum eine brauchbare Vorlage geben. Und der Rat muss von andere Stelle kommen.

Der Millionen-Transfer des brasilianischen Fußballstars Neymar zum FC Barcelona im Sommer 2013 hat ein gerichtliches Nachspiel. Der aktuelle Präsident Josep Maria Bartomeu und sein Vorgänger Sandro Rosell müssen wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung zu Gericht. Der FC Barcelona wird ebenso beschuldigt Steuergesetze mißachtet zu haben. Lionel Messi droht mindestens in einem Fall die Anklagebank wegen Steuerhinterziehung.

Madrid/Barcelona Unregelmäßigkeiten rund um den Transfer von Barca-Superstar Neymar bringen nun die beiden Top-Funktionäre des spanischen Fußballklubs FC Barcelona vor den Kadi. Der Vereinspräsident des FC Barcelona, Josep Maria Bartomeu, und sein Vorgänger Sandro Rosell müssen haben bei der Verpflichtung des brasilianischen Fußballstars offenbar nicht so abgerechnet, wie es die Steuergesetze in Spanien erfordern.

Einen Tag nach dem Einzug der Katalanen ins Champions-League-Finale ordnete der Madrider Ermittlungsrichter Jose de la Mata die Eröffnung eines Prozesses gegen die Clubchefs an.

Die Justiz legt Bartomeu und Rosell zur Last, dem spanischen Fiskus beim Neymar-Transfer 13 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Auch der Verein wird wegen des Verdachts eines Steuervergehens angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hatte für Bartomeu eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten sowie eine Geldstrafe von 3,8 Millionen Euro gefordert.

Für Rosell verlangt die Staatsanwaltschaft siebeneinhalb Jahre Haft und eine Pönale von 25,1 Millionen Euro. Der Club soll nach dem Willen der Anklagebehörde dem Finanzamt eine Entschädigung von 11,4 Millionen und eine Geldstrafe von 22,2 Millionen Euro zahlen.

Der Verein und die beiden Clubchefs hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Barca-Mitglieder sollen nach dem Ende der laufenden Saison einen neuen Präsidenten wählen. Bartomeu will dann für eine Wiederwahl kandidieren.

Neymar war im Sommer 2013 vom FC Santos zum FC Barcelona gewechselt. Offiziell betrug die Ablösesumme 57 Millionen Euro. Im Frühjahr musste der FC Barcelona bestätigen, dass die tatsächliche Ablösesumme 86,2 Millionen Euro betragen hat, nachdem bereits im Frühjahr 2014 Ermittlungen gegen Rosell im Gang waren.

Ermittlungen gegen Messi

Ausständig ist auch noch eine weitere Klage im Umfeld des Fc Barcelona. Gegen Fußball-Superstar Lionel Messi ermitteln die Behörden seit dem Jahr 2013 - wegen Steuerhinterziehung in schwerem Ausmaß. Er soll in den Jahren 2007 bis 2009 Steuern in die Höhe von 4,1 Millionen Euro schuldig geblieben sein. Bei einer Verurteilung droht Messi eine Haftstrafe von zwei bis sechs Jahren.

Messi und sein Vater Jorge, gleichzeitig Manager seines Sohnes, stehen im Fokus der spanischen Ermittler. Messis Vater wollte die Aufmerksamkeit der Ermittler auf sich richten. Als Schutzbehauptung wurde erklärt, der Superstar würde sich um finanzielle Belange wenig kümmern und sich damit auch steuerlich nicht auskennen.

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft hat dies aber bisher kaum beeindruckt. Ein Antrag der Messi-Verteidiger auf Einstellung der Klage gegen Lionel Messi hatte ein Gericht nahe Barcelona im Oktober 2014 abgelehnt. Messi soll nach Einleitung der Ermittlungen 15 Millionen Euro Steuern an das Finanzamt nachgezahlt haben - um auch die Gerichte milde zu stimmen.

In Spanien wird indes damit gerechnet, dass Messi noch heuer in einem ersten Verfahren wegen Steuerhinterziehung auf die Anklagebank muss.

Über Geldwäsche und Steuerhinterziehung

Und eine zweite Ermittlung gegen Messi, seine Berater sowie Guillermo Marín, dem argentinischen Organisator der Fußball-Tournée "Messi & Freinds vs The rest of th World" steht noch im Raum. Eine Sonderheit der Guardia Civil in Spanien, spezialisiert auf Geldwäsche und Organisierte Kriminalität, soll laut Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins SPIEGEL Ende Februar 2015 die Geldflüsse der Lionel-Messi-Stiftung unter die Lupe nehmen. Es geht dabei um Millionen, die "Messi & Amigos" im Jahr 2013 in den sechs Benefiz-Spielen in den USA und Südamerika erspielt haben. Und die Abrechnung offenbar nicht sauber deklariert wurde.

Einen Teil der Erlöse aus den sechs Spielen sollte wohltätigen Zwecken zu Gute kommen. Organisator Marín, ein guter Freund von Messis Vater Jorge, hat gegenüber der Guardia Civil Erlöse in Höhe von 7,9 Millionen Dollar bestätigt. Das für wohltätige Zwecke gespendete Geld sollte über die Lionel-Messi-Stiftung überwiesen und dann an die Bedürftigen ausbezahlt werden.

Nur: Das Geld sei in Messis Stiftung angeblich nie oder nur zum Teil dort angekommen sein. Es soll in den Taschen von Spielern und/oder Agenten gelandet sein. Ein Teil des Geldes, rund 1,3 Millionen Dollar, soll auf ein ominöses Konto in Curacao geflossen sein, dessen wirtschaftlich Berechtigter nicht eindeutig identifziert sei.

Die spanischen Ermittler wollen laut SPIEGEL in der Zwischenzeit Beweise haben, die den Verdacht auf Geldwäsche und Steuervergehen erhärten. Die Geldströme nach Kolumbien und Curacao in der Karibik werden seit dem Frühjahr unter die Lupe genommen. Sowohl Messi und dessen Anwälte als auch Marín wollten sich zu den Vorwürfen gegenüber SPIEGEL nicht äußern.

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