New York Cosmos: Kein Leben nach Beckenbauer und Pelé

New York Cosmos: Kein Leben nach Beckenbauer und Pelé

Die Gegenwart des New Yorker Traditionsklubs ist dennoch trist: Auch nach 35 Jahren zehrt der jetzt zweitklassige einstige Klub von Pelé und Franz Beckenbauer.

Zum ersten Titel nach der Wiedergeburt schickte sogar der große Pelé Glückwünsche. "Gratulation an mein Team, die New York Cosmos. Ich erinnere mich noch gerne an 1977, als ich diesen Pokal hochhalten durfte", schrieb der Brasilianer am Sonntag bei Twitter. Wenige Stunden zuvor hatte der dank Pelé und Franz Beckenbauer einst schillernde Fußball-Klubs im "Soccer Bowl" triumphiert - nur drei Monate nach seiner Rückkehr auf den Rasen.

Gefeiert wurde fast wie früher, wenn auch nicht im legendären Nachtclub Studio 54 in Manhattan. "Was für ein Tag! Cosmos ist zurück", sagte Trainer Giovanni Savarese, Kapitän Carlos Mendes sprach "vom Beginn einer neuen Ära." Doch schon diese Namen verraten: Der legendäre Verein ist noch weit von seiner einstigen Größe entfernt.

Der Titel in der zweitklassigen North American Soccer League (NASL), er war nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zurück ins Rampenlicht. Denn die Gegenwart ist eher trist. Die Zuschauerzahlen sind bescheiden, die erhoffte Aufnahme in die Major League Soccer (MLS) weit entfernt, viel mehr als seine glitzernde Vergangenheit hat der Klub nicht zu bieten.

Dabei war Cosmos gegen Ende der 70er Jahre so etwas wie das Dream Team des Fußballs. Pelé, Beckenbauer und der 2012 verstorbene Italiener Giorgio Chinaglia feierten Partys mit Mick Jagger, das Giants Stadium war mit 77.000 Zuschauern regelmäßig ausverkauft, die USA verliebten sich ein wenig in den seltsamen Soccer. Unvergessen, wie Pelé nach seinem Debüt entsetzt auf seine grüne Füße starrte und eine Pilzinfektion befürchtete. Dabei hatte Cosmos nur den matschigen Rasen mit frischer Farbe angemalt.

Doch die Party war kurz, der Rausch umso länger. Als Cosmos 1985 den Spielbetrieb einstellte, fiel das Zirkuszelt krachend in sich zusammen. Die Rechte an Name und Logo behielt der letzte Geschäftsführer des Klubs, G. Peppe Pinton. Der wehrte Anfragen - unter anderem von Red Bull - lange Zeit kategorisch ab, leitete 2010 mit dem Verkauf aber doch die Wiedergeburt von Cosmos ein. Verkündet von keinem Geringeren als Pelé.

Als das neue Cosmos im August 2013 erstmals in einem Ligaspiel auflief, war es ein wenig wie früher: Der Gegner hieß Fort Lauderdale Strikers - Gerd Müller lässt grüßen -, und die Liga so wie früher NASL. Gespielt wird seither vor knapp 6000 Zuschauern auf dem Gelände der Hofstra Universität, 30 Kilometer östlich von New York City. Dort also, wo Cosmos auch 1972 und 1973 zunächst kickte.

Viel mehr Parallelen gibt es aber nicht. Der bekannteste Spieler ist Marcos Senna (37), ehemaliger spanischer Nationalkicker und im Finale Schütze des einzigen Tores. Es sind die alten Namen, die noch immer ziehen. Vor dem Stadion lockt eine Figur des Kaisers in den Fanshop, zu kaufen gibt es die alten Trikots von Pelé und Beckenbauer, die Fans halten riesige Pappköpfe der einstigen Helden hoch. Verwunderlich nur: Pelés Nummer 10 und Chinaglias Nummer 9 werden in der Mannschaft nicht mehr vergeben. Beckenbauers Nummer 6 dagegen läuft in Gestalt des Brasilianers Roversio munter über den Rasen.

Wohin die Cosmos-Reise führt, ist trotz der jüngsten Erfolge offen. Der Klub hat nie einen Hehl daraus gemacht, langfristig in die MLS zu wollen. Ein herber Rückschlag war es daher, als im Mai 2013 der neue "New York City FC" als künftiger 20. Verein und zweiter Klub aus Big Apple neben den New York Red Bulls in die Topliga aufgenommen wurde. Immerhin: Wenige Wochen später gab die MLS bekannt, bis 2020 vier weitere Teams aufnehmen zu wollen. Cosmos ließ umgehend mitteilen, New York sei groß genug für drei Profiklubs.

Franz Beckenbauer zumindest glaubt an das Projekt: "Nun ist Cosmos wieder auferstanden. Früher war der Klub in aller Munde, vielleicht wird es ja bald wieder so."

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