Nächste Steueraffäre: Fußball-Star Di Maria betrügt Spaniens Fiskus

Nächste Steueraffäre: Fußball-Star Di Maria betrügt Spaniens Fiskus

Angel Di Maria ist ein Steuerhinterzieher - es ist damit in einer prominenten Gesellschaft von ballesternden Millionenbetrügern.

Und noch ein Ex-Fußball-Star von Real Madrid hat Steuern in Millionenhöhe hinterzogen: Ex-Real-Star Angel Di Maria fasst einjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung aus. Und eine satte Geldstrafe samt Nachzahlung. Die Betrügereien von Superstars in Diensten spanischer Fußballklubs weiten sich aus. Ein Ende scheint nicht in Sicht.

Madrid. Steuerbetrug in Fußballkreisen scheint eine "Spanische Seuche" zu werden. Fußballstar und Steuerbetrüger ist ein Begriffspaar, das es angesichts der horrenden Gagen für die ballesternden Fußballstars eigentlich nicht geben darf und kann. Doch je höhere Gagen der Starkicker in Madrid und Barcelona abkassieren, desto mehr kriminelle Energie scheint es auch bei Fußballstars und ihrer Entourage von Managern und Beratern freizusetzen, um den Fiskus - und somit die Allgemeinheit - zu betrügen. Die Liste der steuerhinterziehenden Fußballstars wird immer länger. Und interessanterweise sind zuletzt vor allem Ex-Spieler vom derzeitigen Champions League-Sieger und Nobelklub Real Madrid betroffen. Nun wurde auch Angel Di Maria überführt. Und der Fußballstar hatte es nach halbjähriger Ermittlungen nun offenbar so eilig, quasi den Doppelpass mit den spanischen Behörden zu suchen und sich geneigten Kopfes doch zu einigen.

Der des Steuerbetrugs verdächtige ehemalige Ex-Star von Real-Madrid-Star wird zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Gleichzeitig muss er zwei Millionen Euro Strafe zahlen. Der 84-fache argentinische Nationalspieler und Vize-Weltmeister von 2014, der derzeit bei Paris Saint-Germain unter Vertrag steht, müsse aber aller Voraussicht nach nicht ins Gefängnis. Das berichtet die spanische Zeitung "El Confidencial". Er profitiert wie sein Landsmann und verurteilte Steuerbetrüger Lionel Messi von einem merkwürdig anmutenden Prozedere der spanischen Justiz. Denn Haftstrafen unter zwei Jahren, vor allem wenn es um Steuerdelikte geht, werden üblicherweise auf Bewährung ausgesetzt. Wenn es sich bei dem Verurteilten um einen Ersttäter handelt, stehen die Chancen gut, die Gefängnisstrafe nicht absitzen zu müssen. Ganz im Gegenteil zu einer Person, die wegen Besitz von Rauschgift verurteilt wird. Auch bei Ersttätern heißt es auch geringere Strafen als zwei Jahre Haft im Grauen Haus abzusitzen.

Auch Angel Di Maria wurde von Staatsanwaltschaft im November 2016 angezeigt. Es wurde ihm vorgeworfen, zwischen 2012 und 2013 fast 1,3 Millionen Euro am spanischen Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Der 29-Jährige stand von 2010 bis 2014 im Kader von Real Madrid. Bei dem Steuerbetrug soll es um Gelder aus Bildrechten gehen. Auch bei den Ermittlungen gegen den aktuellen Weltfußballer Cristiano Ronaldo von Real Madrid wurde über das Verschachern von Bildrechten über die Steueroase British Virgin Island und Irland Millionenbeträge am spanischen Fiskus vorbeigeschleust. Und auch Ex-Real-Trainer José Mourinho ist seit gestern erneut angeklagt.

Im November hat eine Recherche-Gemeinschaft von Journalisten aus verschiedenen Ländern mit "Football Leaks" die Machenschaften im internationalen Fußballgeschäft aufgedeckt. Es ging dabei um Bildrechte, Ablösen und Prämien, die unter anderem über Steueroasen verrechnet und überwiesen wurden. Nach den Berichten dürften noch weitere Ermittlungen in die Wege geleitet werden. Es finden sich dort noch weitere Superstars, die mit windigen Transaktionen den spanischen Staat hintergangen haben. Wie im November 2016 aufgedeckt wurde, ist es dem Umstand der personell schwachen Besetzung der spanischen Finanzermittlungsbehörden zu verdanken, dass bis heute nur einzelne kickende Steuerbetrüger überhaupt angeklagt wurden.


Lesen Sie auch:
Ex-Real-Trainer Mourinho wegen Steuerhinterziehung angeklagt
Adios Espana: Cristiano Ronaldo plant Rückzug wegen Steueraffäre
Spaniens Justiz wirft Real-Star Cristiano Ronaldo Millionen-Betrug vor
Rückpass: EU verlangt Millionen von Spaniens Topklubs zurück
Rote Karte: Steuerhinterzieher Lionel Messi zu 21 Monaten Haft verurteilt


Bei Ronaldo geht es um Steuerhinterziehung in der Höhe von 14,7 Millionen Euro. Er hat freilich keinerlei Schuldgefühle und will angeblich aus Spanien umgehend wegziehen. Bei Mourinho, der nun Manchester United trainiert, um 3,3 Millionen Euro. Im Herbst 2016 war auch Ex-Real-Keeper Ilker Casillas im Visier der Justiz sowie der Ex-Real-Spieler Xavi Alonso, der heuer bei Bayern München seine Karriere beendet hat. Beide sowie die angeklagten Ronaldo und Mourinho beteuern ihre Unschuld.

Und auch beim Transfer des aktiven Real-Stars und Kapitän der kroatischen Nationalmannschaft Luca Modric von Dinamo Zagreb zum englischen Club Tottenham Hotspur im Jahr 2008 soll Gelder am Fiskus vorbei geschleust vworden sein. Modric hatte gegen den mächtigen kroatischen Fußballfunktionär Zdravko Mamic ausgesagt. Heute kann er sich an die Aussage nicht mehr erinnern. Modric steht in Kroatien nun wegen einer Falschaussage vor Gericht, was ihm im Fall der Verurteilung wegen Meineid eine mehrjährige Haftstrafe einbringen könnte.

Die Barcelona-Stars Lionel Messi und Javier Mascerano wurden hingegen bereits zu satten Geldstrafen in Millionenhöhe und Haftstrafen verdonnert. Beide mussten allerdings nicht in Haft, wegen der milden spanischen Vollzugspraktiken. Ein Verfahren gegen Barca-Star Neymar ist noch anhängig.

Die Finanzbehörden in Spanien greifen deshalb derzeit hart gegen mutmaßliche Steuersünder aus der Fußballwelt durch. Es handelt sich dabei vor allem um Einnahmen aus Bildrechten, die einfach nicht versteuert wurden.

Wirtschaft

Fußball-TV-Rechte-Poker: DAZN und Amazon spielen Sky an die Wand

Fußball

Big Business: Luxus-Tickets für UEFA Euro 2020

Marko Arnautovic kassiert in China 245.000 Euro pro Woche

Sport

Marko Arnautovic kassiert in China 245.000 Euro pro Woche

Fußball

Gazprom wird Sponsor bei FK Austria Wien