Milliarden-Karusell: Europas Top-Fußball-Ligen im Shopping-Rausch

Die Clubs der zehn größten europäischen Fußball-Ligen haben bis Mitte August bereits mehr als zwei Milliarden Euro für neue Spieler ausgegeben. Davon entfallen alleine auf die Vereine der fünf Top-Ligen 1,8 Milliarden Euro. Und noch ist nicht Schluss mit der Jagd auf Torgaranten, Spielmacher und Abräumer, mit denen die Clubs in der nächsten Saison Titel einfahren wollen.

Milliarden-Karusell: Europas Top-Fußball-Ligen im Shopping-Rausch

81 Millionen Euro. Das ist der bisherige Rekord der Transfer-Saison vor Beginn des Fußball-Jahres 2014/15. Gezahlt wurde die Summe vom spanischen FC Barcelona an den britischen FC Liverpool für dessen Stürmer, den Uruguayer Luis Suarez.

Suarez, das ist - wir erinnern uns - jener Mann, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien im Gruppenspiel gegen Italien mit der Beiß-Attacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini für Aufregung gesorgt hat und anschließend von der FIFA für die Dauer von vier Monaten für alle Profi-Fußballspiele gesperrt wurde.

Für den FC Barcelona ist diese Sperre aber offenbar kein sonderliches Problem. Der Kader der Katalanen ist auch ohne "Luis, den Beißer" stark genug, um in der spanischen "Primera Division" mit den Mit-Titelfavoriten Real Madrid und Titelverteidiger Atletico Madrid auf Augenhöhe spielen zu können. Und in der Champions League, die zu gewinnen das eigentliche große Ziel des FC Barcelona ist, wird der Verein erst in der KO-Phase auf ernst zu nehmende Gegner treffen. Bis dahin ist auch Suarez' Sperre abgelaufen.

Und noch ein Punkt spricht für den Kauf von Luis Suarez. Frank Lampard, der Ende Juni nach 13 Jahren beim FC Chelsea aus London zu Manchester City transferiert wurde und von dort im Winter zum ManCity-Ableger New York City FC wandern wird (Chelsea soll für den 36-jährigen Mittelfeldspieler 1,5 Millionen bekommen haben) hat es bei der WM in Brasilien vor dem Spiel England gegen Uruguay ausgesprochen: "Es gibt kein Mittel gegen Luis Suarez."

Der FC Barcelona hat sich somit das Risiko, in der Champions League möglicherweise gegen einen Club auszuscheiden, in dem Suarez spielt, weggekauft. Quasi als Versicherung für das eigene Ziel. Ob Suarez dann bei den Katalanen auch zum Einsatz kommt ist dabei eher Nebensache.

Milliarden-Geschäft Fußball

Der Profi-Fußball und der Handel mit Top-Spielern, die lukrative Titel und damit auch Sponsor-Millionen nach sich ziehen, ist ein Milliardengeschäft. Hochgerechnet 2,2 Milliarden Euro haben die Vereine der zehn größten europäischen Ligen bis Mitte August bereits für neue Spieler ausgegeben. Davon entfallen 1,8 Milliarden auf die Clubs aus den fünf größten Ligen, die britische Premier League, die spanische Primera Division, die italienische Serie A, die Deutsche Bundesliga und Frankreichs "Ligue 1". Dabei ist der Handel mit den Spielern für das Fußballjahr 2014/15 noch gar nicht zu Ende. Bis zum 31. August ist das Transferfenster für die Profifußballer und Vereine offen. Zeit, in der sie noch den einen hochkarätigen Spieler abgeben oder verpflichten können.

Zu erwarten ist, dass in dem einen oder anderen Verein in den nächsten zwei Wochen noch ein Überraschungscoup gelingt. Dass auf der einen Seite noch kräftig Kasse gemacht werden kann oder auch ein Star, der nach den aktuellen Transfers nicht mehr ganz in einen Kader passt, von einem anderen Verein zum Okkasionspreis gekauft werden kann. Eine Gelegenheit für die kleineren Ligen - zu denen leider auch die österreichische Bundesliga gehört - doch noch zu einem halbwegs vernünftigen Preis erhoffte Verstärkung zu bekommen.


© Transfermarkt.de

Zur Disposition stehen derzeit etwa Spieler wie der Argentinier Angel Di Maria oder der Deutsche Sami Khedira, beide von Real Madrid. Real Madrid fordert allerdings für die beiden Weltklassespieler rund das Doppelte ihrer aktuell geschätzten Marktwerte. Auch wenn man selbst keine Verwendung mehr für die Spieler hat. Khedira gehört der Weltmeister-Truppe Deutschlands an, Di Maria wurde mit Argentinien Vizeweltmeister. Selbst wenn beide im WM-Finale verletzungsbedingt nicht spielen konnten. Für Di Maria und Khedira forderte Real zuletzt jeweils 80 Millionen Euro - Di Marias Marktwert liegt derzeit bei 50 Millionen und Khediras Marktwert bei 35 Millionen.

Für Real wäre der Verkauf der Spieler auch ein Mittel, um die jüngsten Einkäufe zu refinanzieren. Bekanntlich hat Real den WM-Rekordtorschützen, den Kolumbianer James Rodriguez um 80 Millionen Euro vom französischen AS Monaco geholt und somit den zweitteuersten Kauf zur Saison verbucht. Und Toni Kroos, der um eine nicht genannte Ablösesumme vom FC Bayern zu Real Madrid gewechselt hat (Marktwert: 45 Millionen) war nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels und seiner Klasse-Auftritte in Brasilien auch kein Sonderangebot.

Weitere Wechselspieler

Wechselgerüchte um Spieler, die im letzten Moment transferiert werden sollen, gibt es aktuell etwa um den Chilenen Arturo Vidal (Marktwert: 45 Millionen Euro), Edison Cavani (von Paris St. Germain zu Arsenal London) und Lukas Podolski (Arsenal London zu Galatasaray Istanbul).

Manchester United hat offenbar seinem neuen Trainer Louis van Gaal nochmals das Budget nachgebessert: 100 Millionen Euro wurden dem Holländer zusätzlich genehmigt, berichten britische Medien, der damit er seine Truppe auch qualitativ wieder auf Augenhöhe mit Chelsea, Arsenal, Liverpool und Manchester City bringen soll.

In den Top-Ligen Europas wird es also bis Ende August noch munter zugehen - am Verhandlungstisch. Ein letztes Mal bevor die strengeren Vorschriften des Financial Fairplay des europäischen Fußballverbands UEFA greifen. Diese neuen Regeln könnten die Machtverhältnisse im europäischen Klubfußball in den kommenden Jahren gründlich durcheinander wirbeln, denn die Profiklubs dürfen künftig

1. Nicht mehr als 45 Millionen Euro Verlust machen – verteilt auf einen Zeitraum von drei Jahren.
2. Sind die Klubs ab 2015 berichtspflichtig wie eine Kapitalgesellschaft – mit der Verpflichtung eine von Wirtschaftsprüfern geprüfte Bilanz abzuliefern.

Mit diesen Vorschriften soll nicht nur eine finanzielle Chancengleichheit der Klubs erreicht werden. Die ausufernden Zahlungen von Millionenbeträgen mit einhergehender massiver Verschuldung etlicher Vereine (etwa in Spanien) bis hin zu Pleiten soll ebenso gebremst werden. Die Publizitätspflicht mit Offenlegung der Bilanzen soll diese Risiken vermindern.

Big Business unter den Top-5

Ein Blick auf das deutsche Internetportal Transfermarkt.de und die zuletzt erfolgten Transfers lässt zeigt genau das Gegenteil auf. Die Transfers von 48 Profiligen sind dort aufgezeigt.

HIER geht's zu den aktuellen Transfersalden von 48 Fußball-Ligen

Die fünf mächtigsten Fußball-Ligen Europas thronen mit Abstand vor allen anderen: Insgesamt 1,779 Milliarden Euro gegeben die Klubs für der fünf Top-Ligen alleine für Transfers aus – bei gleichzeitigem Defizit. Denn die Einnahmen aus den Spielerverkäufen sind geringer. Unterm Strich bleibt ein dickes Minus: Die 5-Top-Ligen haben um 403 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen wurde – rein aus den Transfererlösen. Die Kader der fünf Ligen werden auf einen Gesamtwert von 12,13 Milliarden Euro geschätzt. 2,6 Milliarden Euro

Angeführt wird die Liste von der Premier League in England. „Nicht Kleckern, sondern Klotzen“ heißt es heuer auf der britischen Insel. Die 20 Klubs der "Premier-League" - der höchsten Spielklasse in England - führen die Transfermarkt eindeutig an: 712,89 Millionen Euro geben die Klubs für 232 neue Spieler aus. Den Neuverpflichtungen stehen 278 Abgänge gegenüber, womit die englischen Klubs 426,68 Millionen Euro einnehmen – macht unterm Strich ein Defizit von sage und schreibe 286,22 Millionen Euro. Der Marktwert aller 515 Spieler der Premier League: 3,62 Milliarden Euro – was einem Durchschnitt von 7,03 Millionen Euro entspricht – dem mehr als 11-fachen Marktwert eine Spielers in Österreich.

Allerdings: Das Geld aus Eintrittskarten, TV-Lizenzen, Bewirtung sowie Verkauf von Dressen und sonstigem Fan-Klumpert soll die defizitären Transferbudgets samt Gagen der Kicker mehr als ausgleichen.


© Transfermarkt.de

Mit einem Abstand folgt auf Rang zwei die spanische Top-Liga "Primera Division": 446,99 Millionen Euro haben die 20 Mannschaften für 300 Neuverpflichtungen bislang bezahlt. 257 Spieler wurden verkauft für 410,05 Millionen Euro – macht ein Minus von 54,94 Millionen Euro. Die oberste Spielklasse Spaniens wird mit einem Gesamtmarktwert von 2,81 Milliarden Euro bewertet – 5,67 Millionen Euro ist ein Spieler im Durchschnitt wert.

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„Beißer“ Luiz Suarez vom FC Liverpool zum FC Barcelona für 81 Millionen Euro sowie James Rodriguez von AS Monaco zu Real Madrid für 80 Millionen Euro waren die schillerndsten Transfers in diesem Sommer.

Schwunghafter Spielerhandel in Italien

Die „Seria A“ in Italien meldet sich ebenso zurück auf Rang drei im Spielerkarussel. Auffällig: Sage und schreibe 1202 (!) Spieler wurden von den 20 Erstligisten Italiens transferiert – das ist das vier- bis fünffache der anderen Ligen. 597 Spieler stehen derzeit unter Vertrag – womit die Italiener die Nummer 1 sind. Einen Großteil der Spieler verschieben die Italiener ins benachbarte Ausland wie Slowenien. Ganze Klubs werden somit mit Spielern aus der "Seria A" versorgt.


© Transfermarkt.de

Für den einen oder anderen Klub scheint dies ein zusätzliches Geschäftsmodell zu sein, „Leihspieler“ mit zeitlich befristeten Verträgen quasi als Outsourcer zu zu verleihen. Auf 2,46 Milliarden Euro wird der Marktwert der 597 Kaderspieler geschätzt – 4,12 Millionen Euro pro Kopf.

Auf Rang vier ist nunmehr die "Bundesliga" in Deutschland - nach einem sechsten Rang in der vorigen Saison . Die 18 deutschen Mannschaften haben bei den Transfers ebenso mehr ausgegeben als eingenommen: 231,81 Millionen wurde für 237 „Neue“ hingelegt - 187,25 Millionen Euro wurde bis dato für den Verkauf von 187 Spielern erlöst – minus 43,96 Millionen Euro.


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Frankreich hat als einzige unter den Top-5-Ligen eine „grüne Weste“ bei der Transferbilanz: 116,26 Millionen Euro haben die 20 Teams der „Ligue 1“ für 239 Verstärkungen hingeblättert. Aus dem Verkauf wurden hingegen 175 Millionen Euro eingenommen – ein Plus von 59 Millionen Euro bleibt übrig.


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Österreich auf Rang 24

Österreich Zehner-Liga spielt bei den Transfers so gut wie keine Rolle - mit Rang 22. Die 261 Spieler sind mit einem Marktwert von insgesamt 162,55 Millionen Euro bewertet – was einem Durchschnittswert von 623.000 Euro entspricht. Kevin Kampl von Red Bull Salzburg ist mit 9,0 Millionen Euro der teuerste Spieler. Für 118 neue Spieler gaben die zehn Klubs 7,7 Millionen Euro aus. Die Verkäufe von 115 Spielern brachten bisher 9,93 Millionen Euro ein.


Bild: © CREDIT

Auffallend: Der Stellenwert des österreichischen Fußball-Oberhaus ist nach den Transfers gemessen geringer als der der „2. Bundesliga“ in Deutschland, die im Ranking auf Rang 10 landet – und auch positiv bei der Transferbilanz aussteigt. Ausgaben für 207 Neuverpflichtungen in Höhe rund 25 Millionen Euro stehen Einnahmen aus dem Verkauf von 216 Spielern im Wert von 36 Millionen Euro gegenüber. Der Gesamtmarktwert der zweithöchsten deutschen Spielklasse: 259,88 Millionen Euro für 483 Spieler - pro Kopf sind das 538.000 Euro - aber um 85.000 Euro geringer der Durchschnittswerts eines Profi-Ballesterers in Österreich.

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