Milliarden-Geldwäsche mit Sportwetten

Milliarden-Geldwäsche mit Sportwetten

Kriminelle wollen die Fußball WM 2014 in Brasilien zur Geldwäsche nutzen. Die Manipulation schadet dem Image des Sports: Rund 80 Prozent der Wetten sind illegal - Tendenz steigend.

Die organisierte Kriminalität nutzt Sportwetten in erschreckendem Ausmaß zur Geldwäsche und bedroht nach Ansicht von Experten auch die Glaubwürdigkeit der WM. Sylvia Schenk, Korruptionsbekämpferin bei Transparency International Deutschland, warnte vor möglicher Spielmanipulation im Rahmen der Fußball WM 2014 in Brasilien. "Vor allem in den Gruppenspielen kann das passieren", sagte sie am Donnerstag in Köln.

"Gerade dann, wenn die Qualifizierten feststehen und nur noch konkrete Ergebnisse abgesprochen werden müssten", ergänzte Schenk bei einem Symposium an der Deutschen Sporthochschule. Einer Studie zufolge werden mehr als 100 Milliarden Euro jährlich über Sportwetten gewaschen. Das schreiben die Pariser Universität Pantheon-Sorbonne und das Internationale Zentrum für Sportsicherheit ICSS aus Katar nach zweijährigen Untersuchungen. 80 Prozent der weltweiten Wetten seien demnach illegal. Besonders der Fußball und Kricket seien von Wettbewerbs- und Wett-Manipulation betroffen, auch Tennis, Basketball, Badminton und Motorsport seien anfällig. Allein 2013 habe es mutmaßlich "Hunderte oder sogar Tausende" Fälle von Betrug gegeben, das Unternehmen Sportradar hatte 350 Mal Manipulationen festgestellt. "Die Tendenz ist leider steigend", sagte Maximilian Schmitt von Sportradar, das jährlich weltweit 60.000 Spiele sportartübergreifend überwacht.

Kriminalität stiehlt die Seele des Sports

Rund 750 Milliarden Euro werden nach seinen Angaben pro Jahr weltweit mit Sportwetten umgesetzt, davon 70 Prozent in Asien. Damit würde, wenn man die ICSS-Zahlen im Vergleich nimmt, ein Siebentel des kompletten Weltmarktes für illegale Zwecke genutzt.

Als Maßnahmen empfehlen die Pariser Wissenschaftler und das Institut aus Katar eine übergreifende Wettsteuer, um internationale Untersuchungen zu finanzieren. "Das schnelle Wachstum des globalen Sport-Wettmarkts hat ein gestiegenes Risiko der Infiltrierung durch organisiertes Verbrechen und Geldwäsche zur Folge", sagte ICSS-Direktor Chris Eaton, der früher Sicherheitsbeauftragter beim Fußball-Weltverband FIFA war. "Kriminalität stiehlt die Seele und die Glaubwürdigkeit des Sports."

Allerdings fallen mehrfach methodische Mängel der Studie auf, die auch Experten kritisieren. "Die Autoren verwechseln illegale Wetten wiederholt mit Spielmanipulation", schreibt der Buch-Autor Declan Hill auf seiner Internetseite. Zudem bringe die Studie oft die tatsächlichen mit den gemeldeten Korruptionsfällen durcheinander.

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