Joseph Blatter wieder zum FIFA-Präsident gewählt

Joseph Blatter wieder zum FIFA-Präsident gewählt

Joseph Blatter - Der Teflon-Präsident belibt der Mittelstürmer der FIFA.

Joseph Blatter wurde erneut zum Präsidenten des Fußball-Weltverbands FIFA gewählt. Im ersten Wahlgang hat es für Joseph Blatter noch nicht zur Direktwahl gereicht: von den 209 Delegierten bekam er 133 Stimmen, Prinz Ali bin Al-Hussein wurde von 73 Delegierten gewählt, drei Stimmen waren ungültig. Al-Hussein hat vor dem zweiten Wahlgang auf eine weitere Kandidatur zum FIFA-Präsidenten verzichtet.

Ist das Leben ein Spiel? Für den alten und neuen FIFA-Präsidenten offenbar. Vier weitere Jahre wird der Skandalverband FIFA vom bisherigen Präsidenten Joseph Blatter geführt. Selbst der Korruptionsskandal und die Verhaftungen von sieben seiner engsten FIFA-Mitstreiter haben Blatter nicht geschadet.

Im ersten Wahlgang hatte es zwar für Blatter noch nicht gereicht: von den 209 Delegierten bekam er 133 Stimmen, Prinz Ali bin Al-Hussein wurde von 73 Delegierten gewählt, drei Stimmen waren ungültig. Für eine Direktwahl hätte Blatter 140 Stimmen und somit eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigt. Al-Hussein hat auf einen zweiten Wahlkampf verzichtet. Somit ist Blatter alter und neuer FIFA-Präsident gewählt. Der 79jährige Schweizer tritt somit seine fünfte Amtszeit an.

Anders als zuletzt, als Blatter per Akklamation gewählt wurde - er war vor vier Jahren der einzige Kandidat - wurde diese Mal geheim gewählt. Die Stimmen wurden vor dem versammelten Congress ausgezählt.

Blatters Joker: Die "Damenkarte"

Der angezählte Blatter zieht gleich nach dem Verzicht von Prinz Ali bin Al-Hussein eine neue Trumpfkarte: "Wir brauchen mehr Frauen in der FIFA." Und: Dem Verband von Ozeanien hat er ein zweites Mandat im FIFA-Exekutiv-Ausschuss versprochen.

"FIFA ist eine wunderbare Organisation", meinte Blatter nach seiner Wiederwahl. Sichtlich genoss der zuletzt angeschlagene Blatter seinen erneuten Triumph. Wenngleich: Buhrufe und Pfiffe mischten sich unter den Applaus, als Blatter nach seiner Wiederwahl die Bühne betreten hatte - für eine Delegiertensammlung unüblich.

Trotz der schwersten Krise seiner Amtszeit hat sich Präsident Joseph Blatter die Macht im Fußball-Weltverband (FIFA) erhalten - so stand es vor vier Jahren geschrieben und trifft genauso auf den 29. Mai 2015 zu. Der Schweizer wurde allen vergangenen und aktuellen FIFA-Skandalen zum Trotz am Freitag neuerlich zum FIFA-Präsidenten gewählt und geht mit 79 Jahren in seine fünfte Amtszeit.

Shame & Scandal

Skandale und Affären auch aus seinem unmittelbaren Umfeld prallen an dem seit 17 Jahren amtierenden Blatter seit jeher ab. Festnahmen seiner engsten Mitarbeiter und Ermittlungen in seiner Zentrale, wie am Mittwoch in Zürich, verkauft der berechnende Machtpolitiker sogar noch als Erfolg. Für Blatter individuelle Fehlleistungen, die "Schande und Beschämung" für den Fußball brächten - und ihn als Kapitän benötigen. "Ich werde nicht erlauben, dass einige wenige die harte Arbeit der Mehrheit, die so hart für den Fußball arbeitet, zerstören", schlüpfte er flugs in die Rolle des Aufräumers und Korruptionsbekämpfers.

Denn auf der Zielgeraden eines eigentlich schon gewonnenen Präsidentschaftswahlkampfes sind die bösen Geister der Vergangenheit plötzlich wieder böse Geister der Gegenwart. Zwei FIFA-Vizepräsidenten verhaftet, Ermittlungen gegen ein Dutzend weitere Funktionäre aus dem Weltverband oder zumindest aus dessen Dunstkreis sowie Sportgeschäftsleute - und dann noch die Schweizer Staatsanwaltschaft in den heiligen Hallen der FIFA-Zentrale auf dem Zürichberg, um Unterlagen über die dubiosen WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 zu beschlagnahmen.

Mit dem ihm eigenen Selbsterhaltungstrieb will der maximal skandalerprobte FIFA-Präsident aber auch diese massiven juristischen Vorwürfe gegen mehrere Mitglieder seines inneren Machtzirkels aussitzen. Ähnlich wie vor vier Jahren. "Ich bin ein Kapitän in turbulenten Zeiten. Wir haben Schläge eingesteckt und ich persönlich einige Ohrfeigen, die Verwarnung hat gut getan", hatte Blatter damals gesagt, sich so die Wiederwahl gesichert und angekündigt, seine letzte Funktionsperiode antreten zu wollen. Wort hat er nicht gehalten, weder da noch dort.

Mit dieser Offensivstrategie hat Blatter bisher alle Skandale seit 1998 ignoriert, ausgesessen oder clever umschifft. Im Zweifelsfall wurde der Sturz von Gegnern oder auch ehemaligen Wegbegleitern zumindest billigend in Kauf genommen. Und der Mann aus dem Kanton Wallis, der sich kürzlich selbst die Zähigkeit einer Schweizer Bergziege bescheinigte, kam mit den gleichen Tricks und Argumenten wieder davon: Schuld sind immer andere, nie die FIFA und schon gar nicht ihr Präsident.

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