Hoffenheim vs. Leverkusen: Rätsel-Raten um Phantom-Tor von Kießling + Video

Hoffenheim vs. Leverkusen: Rätsel-Raten um Phantom-Tor von Kießling + Video

Dass Hoffenheim Einspruch gegen das Phantomtor einlegte, bestätigte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Samstagnachmittag. Das Sportgericht wird den Einspruch Leverkusen zur Verfügung stellen und in den kommenden Tagen weitere Stellungnahmen des Schiedsrichters Felix Brych, der beiden Klubs und des Kontrollausschusses einholen. Derweil hat die "Bild" eine Lippenleserin engagiert, um Licht ins Dunkel des Phantom-Tores zu bringen.

Zudem stehe man in Kontakt mit dem Weltverband FIFA, erklärte der DFB, um die international gültige Rechtsgrundlage zu klären und die verbindlichen Vorgaben der FIFA zu berücksichtigen. "Dass ein solches Phantomtor als ungerecht empfunden wird, können wir alle absolut nachvollziehen", sagte Rainer Koch, DFB-Vizepräsident für Rechts- und Satzungsfragen: "Der reflexartige Ruf nach einer Wiederholung des Spiels ist verständlich, aber wir wissen aus der Vergangenheit auch, wie sehr die FIFA die Tatsachenentscheidung eines Schiedsrichters schützt."

Koch erinnerte an das nicht gegebene Tor der Engländer bei der WM 2010 gegen Deutschland. "Entscheidend ist für uns, welche Möglichkeiten uns die sportrechtlichen Statuten und Vorgaben überhaupt geben, denn letztlich ist die FIFA bei einer solchen Entscheidung maßgeblich", sagte der DFB-Vizepräsident.

Nach dem legendären Phantomtor von Thomas Helmer 1994 beim 2:1 von Bayern München gegen den 1. FC Nürnberg hatte der DFB ein Wiederholungsspiel angesetzt, das die Münchner mit 5:0 gewannen. Danach hatte es harsche Kritik vonseiten der FIFA gegeben, die den Fall als Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters gewertet hatte.

Beim 2:1 am Freitagabend gegen Hoffenheim hatte Stefan Kießling in der 70. Minute den Ball ans Außennetz geköpft, durch ein Loch im Netz war er ins Tor gelangt, Schiedsrichter Brych hatte daraufhin das Tor erkannt.

Schiri-Abteilungsleiter Fröhlich: "Eine ekelhafte Situation"

DFB-Schiedrichter-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich hat das Phantom-Tor beim 2:1 des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen bei 1899 Hoffenheim als "eine ekelhafte Situation" bezeichnet. Schiedsrichter Felix Brych habe den Ball im Tor gesehen und "auf Grund dieser Wahrnehmung letztlich dann das Tor gegeben, obwohl leise Zweifel bei ihm selbst bestanden", sagte Fröhlich bei Sky: "Es ist eine äußerst unangenehme Situation für ihn."

Mit dem legendären Phantom-Tor von Thomas Helmer 1994 sei die Fehlentscheidung von Hoffenheim aber nicht zu vergleichen. "Damals in München bei dem Spiel gegen Nürnberg handelte es sich um eine Situation, bei der der Ball überhaupt nicht die Torlinie überquert hatte, sondern neben dem Tor gelandet ist", sagte Fröhlich.

Fandel nimmt Brych in Schutz

Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel hat seinen Schützling Felix Brych trotz des groben Fehlers beim Phantom-Tor von Stefan Kießling in Schutz genommen. "Felix Brych ist einer der weltbesten Schiedsrichter. Jeder kann sich vorstellen, dass diese Entscheidung ihn ganz besonders ärgert und beschãftigt", sagte Fandel: "Aber es war eine Verkettung unglücklicher Umstände und am Ende bleibt bedauerlicherweise stehen, dass ein Tor gegeben wurde, welches keines gewesen ist."

Gleichzeitig sprach sich Fandel zum wiederholten Mal für die Einführung der Torlinientechnik aus, um solche Fehler zu vermeiden. "Ich habe immer gesagt, dass wir für eine Torlinien-Technologie sind, weil sie unsere Arbeit unterstützt. Sie muss aber hundertprozentig funktionieren", äußerte der frühere FIFA-Referee.

Am Freitagabend hatte Kießling im Spiel 1899 Hoffenheim gegen Bayer Leverkusen das zweite Phantom-Tor in der Bundesliga-Geschichte erzielt.

"Fairplay wäre Kießlings Pflicht und Schuldigkeit gewesen"

Gut 20 Jahre nach seiner historischen Phantom-Tor-Entscheidung von München sieht Ex-Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers in der Diskussion über den Skandaltreffer von Hoffenheim den statistischen Schützen Stefan Kießling von Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen in der Verantwortung. "Für mich hat Kießling ganz klar erkannt, dass der Ball nicht ins Tor gegangen ist. Da wäre Fairplay Kießlings Pflicht und Schuldigkeit gewesen. Er hätte es Schiedsrichter Felix Brych sagen müssen. Brych hätte in dieser Situation die Unterstützung von Kießling und anderen Spielern gebraucht, die auch gesehen haben, dass es kein Tor war. Aber da sieht man, dass die ganzen Fairplay-Kampagnen der Verbände wohl nichts wert sind", sagte Osmers dem SID am Samstag.

Kießling, der sich in der entscheidenden Situation schon enttäuscht abgedreht und erst nach zögerlichen Gratulationen seiner Kollegen den Torschützen gemimt hatte, rechtfertigte schon vor der Osmers-Kritik sein Verhalten via Facebook: "Ich bin selbst ganz aufgewühlt. Nach den Wiederholungen im Fernsehen sehe ich es eindeutig so: es war kein reguläres Tor. Im Spiel habe ich nach meinem Kopfball und dem Drehen des Kopfes nicht genau gesehen, ob der Ball korrekt ins Tor gegangen ist oder nicht. Irgendwie lag der Ball im Tor. Genau das habe ich auch dem Schiedsrichter gesagt. Es tut mir leid für alle Sportfans und den Verlauf des Spiels. So zu gewinnen, ist natürlich nicht schön. Fairness ist wichtig für den Sport, bei uns im Verein und für mich ganz persönlich."

"Bild" engagiert Lippenleserin

Was hat Stefan Kießling bei seinem Phantom-Tor wirklich gesehen – und was hat er zu Schiri Felix Brych gesagt? "BILD am SONNTAG" versucht, Licht ins Dunkel zu bringen, und hat die Lippenleserin Judith Göller beauftragt, sich die entscheidenden Szenen noch mal vor dem Fernseher anzuschauen.

Nach Abpfiff unterhielt sich Kießling mit dem wild gestikulierenden Pressesprecher Dirk Mesch – und zwar, bevor er vor die Kameras trat. Göller meint: „Der Pressesprecher sagte zu Kießling: Du musst es sagen, dass du es nicht gesehen hast.“ Mesch dazu: „Ich habe Stefan nur gesagt, dass ich das Tor auf der Tribüne nicht gesehen habe. Ich habe genau wie er nach dem Kopfball die Hände vor das Gesicht geschlagen, weil ich dachte, der Ball wäre vorbeigegangen. Als ich wieder hinschaute, lag der Ball im Netz. Wir hatten die identische Wahrnehmung. Darum habe ich auch zu ihm gesagt: Du musst es sagen, dass du es nicht gesehen hast.“

War das eine Anweisung zum Drumherum-Reden? Mesch: „Nein, es ging überhaupt nicht um irgendwelche Taktiken. Es ging darum, dass er wie immer authentisch und bei der Wahrheit bleiben soll.“ Weil die Szene direkt nach Abpfiff auf der Videowand gezeigt wurde, pfiffen die Hoffenheim-Fans Kießling gnadenlos aus.

Kießling: „Nach den Wiederholungen ist es eindeutig: Es war kein reguläres Tor. Im Spiel habe ich das nicht genau gesehen, weil ich mich nach dem Kopfball gedreht habe. Genau das habe ich dem Schiri auch gesagt. So zu gewinnen, ist nicht schön. Fairness ist wichtig für den Sport, den Verein und für mich ganz persönlich.“

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