Hoeneß muss vor Gericht

Hoeneß muss vor Gericht

Der Arm der Justiz griff bereits nach Uli Hoeneß, da plauderte der am Münchner Flughafen noch gewohnt süffisant über Borussia Dortmund. Obwohl der Präsident von Bayern München vor dem Abflug zum Champions-League-Spiel in Pilsen gewiss schon wusste, dass er sich in seiner Steueraffäre im März 2014 vor Gericht verantworten muss, ließ er sich nichts anmerken.

Überraschend kam die Mitteilung offenbar weder für Hoeneß, noch für den Rekordmeister selbst, der seinem Patron nur Minuten später den Rücken stärkte.

Gegen 10.30 Uhr am Montagvormittag verschickte die Pressestelle des Oberlandesgerichts München II die brisante Botschaft: Die zuständige 5. Strafkammer des OLG hat die Anklage der Staatsanwaltschaft München II gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung vom 30. Juli 2013 "unverändert" zur Hauptverhandlung zugelassen. Der Prozess beginnt am 10. März 2014, zunächst sind vier Verhandlungstage angesetzt.

Hoeneß, dessen Anwälte bis zuletzt versucht hatten, eine gerichtliche Verhandlung zu verhindern, hatte beim Finanzamt Anfang des Jahres Selbstanzeige wegen eines nicht ordnungsgemäß deklarierten Kontos in der Schweiz erstattet. Diese soll aber nicht vollständig gewesen sein. Der Bayern-Präsident reichte eine zweite Selbstanzeige ein, da ermittelte die Staatsanwaltschaft aber bereits. Es soll um rund drei Millionen Euro gehen.

In einer ersten Reaktion am Rande der Reise nach Pilsen gab sich Hoeneß kämpferisch. ""Ich bin sehr überrascht, dass unsere Selbstanzeige vom 17. Januar bis jetzt von den Behörden nicht für wirksam erklärt wird. Ich werde mit den Anwälten in den nächsten Monaten sehr hart daran arbeiten, dass unsere Argumente das Gericht überzeugen", sagte er Sport Bild online.

Der FC Bayern reagierte auf die neue Sachlage ausführlich und nur gut eine halbe Stunde nach Bekanntwerden. Die Kerninformation war, dass der 61-Jährige seinen Vorsitz im Aufsichtsrat des Rekordmeisters zunächst behalten wird. Das Gremium habe dies "einvernehmlich" entschieden, hieß es in der Stellungnahme. Der Aufsichtsrat habe im Vorfeld des Beschlusses ein Rechtsgutachten eingeholt, dass dieses Vorgehen stütze. Es liege demnach im Ermessen des Gremiums, Hoeneß das Vertrauen auszusprechen.

Das Vertrauen des Klubs sei für ihn enorm wichtig, so Hoeneß: "Das hab ich von Anfang an gemerkt, in allen Sitzungen war immer die hundertprozentige Unterstützung des Aufsichtsrats, des Verwaltungsbeirats und der Fans spürbar. Ich habe unglaublich viele Briefe von Fans bekommen, die sich sich hinter mich als Präsident stellen. Ich habe diese Fehler als Privatmann gemacht und stehe als Privatmann dazu, aber ich glaube nicht, dass meine Arbeit für den FC Bayern darunter gelitten hat."

Das OLG München II veröffentlichte nur wenige Details zum weiteren Vorgehen. Vier namentlich nicht genannte Zeugen sollen vernommen werden. Ansonsten "können aufgrund der besonderen Geheimhaltungspflichten in Steuerstrafverfahren" keine Einzelheiten mitgeteilt werden, hieß es weiter.

Im März hatte die Staatsanwaltschaft das Privathaus sowie Büroräume von Hoeneß untersucht und Haftbefehl erlassen. Dieser wurde gegen Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe außer Kraft gesetzt. Das drohende Strafmaß für Hoeneß hängt von der Schwere der Tat ab. Es reiche "von Geldstrafen bis zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren - in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahren", sagte der Kölner Strafrechtler Jan Heeg bild.de.

Ob Hoeneß bei einer Verurteilung ins Gefängnis muss, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie hoch der Streitwert letztlich bemessen wird. Liegt die strafrechtlich relevante Schuld unter der Grenze von einer Million Euro, ist eine Bewährungsstrafe möglich, jenseits dieses Limits nicht mehr.

Hoeneß' langjähriger Weggefährte Franz Beckenbauer äußerte sich bei einem Termin im Münchner Olympiapark zurückhaltend. "Es kann ein gutes und schlechtes Zeichen sein. Er ist ja noch nicht verurteilt. Er hat jetzt die Chance alles offen zu legen. In der katholischen Kirche bekommt man auch eine zweite Chance. Warum sollten wir ihm dann nicht auch eine zweite Chance geben?", sagte Beckenbauer.

Hoeneß hatte sich in seinen letzten inhaltlichen Äußerungen zum Steuerfall optimistisch gezeigt, dass die Angelegenheit glimpflich für ihn ausgeht. "Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt", hatte er Ende Juli über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gesagt. Er habe "wie 48.000 andere Deutsche" eine Selbstanzeige gestellt und wüsste nicht, "warum meine nicht gültig sein sollte".

Vom Ausgang des Verfahrens will der Klubpatron abhängig machen, ob er seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratschef weiterführen wird. In Ruhe wolle er abwarten, "wie diese Steuer-Angelegenheit weitergeht, dann werden wir weitersehen", hatte Hoeneß vor Monaten gesagt. Nachsicht vom zuständigen Richter Rupert Heindl darf er kaum erwarten: der hat den Spitznamen "Richter Knallhart".

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