Hands-Elfmeter: Debatten über Handspiel im Strafraum

Die Flut von Handelfmetern in der Fußball-Bundesliga sorgt weiter für Diskussionen. Trainer und Spieler machen Vorschläge zur Vereinfachung, die Schiedsrichter fordern mehr Auseinandersetzung mit dem internationalen Regelwerk.

Hands-Elfmeter: Debatten über Handspiel im Strafraum

Die Hände zum Himmel - wenn es nur so einfach wäre. Die Flut von Handelfmetern in der Bundesliga spaltet Fußball-Deutschland in zwei Lager: Besserwisser und Schiedsrichter. Trainer und Spieler machen nach dem neuerlichen "Festival der Verwirrung" beim Spiel Hannover 96 gegen FC Augsburg (drei Handspiele und zwei Elfmeter) zuhauf neue Vorschläge zur Beseitigung der spürbaren Verunsicherung, die Schiedsrichter weisen Vorwürfe gebetsmühlenartig mit Hinweis auf die in den Regeln beschriebene Definition eines Handspiels im Strafraum zurück.

"Es wird Zeit, dass für den ganzen Fußball eine klare Linie eingeführt wird. So fühlt sich jeder benachteiligt, und der Schiedsrichter weiß auch nicht, was er machen soll", sagt Augsburgs Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker nach seinem Anschauungsunterricht in Sachen Regelauslegung am vergangenen Samstag in Hannover.

Callsen-Bracker ist mit seiner Meinung nicht allein. Landauf, landab sprechen sich neben den Profis auch die Trainer für eine eindeutige Interpretation der Handspiel-Regeln (Absicht, Vergrößerung der Körperfläche, unnatürliche Körperhaltung) aus. "Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Spieler schon mit Händen hinter dem Rücken angreifen, um nicht Opfer eines Handspiels zu werden. Das kann doch nicht Sinn der Sache sein", sagte auch Coach Jens Keller von Schalke 04 am Wochenende. Sein Kollege Sami Hyypiä von Bayer Leverkusen gestand in der Bild-Zeitung sogar offen ein: "Ich weiß nicht mehr, was Hand ist."

Die Problematik liegt auch buchstäblich auf der Hand. Acht Handelfmeter in den 54 Spielen der bisherigen sechs Erstliga-Spieltage bedeuten gegenüber dem gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison eine Vervierfachung bei nur knapp doppelt so vielen Strafstößen (21:10). Von den insgesamt 20 Handelfmetern der vergangenen Spielzeit sind nach nicht einmal einem Fünftel der laufenden Saison außerdem schon 40 Prozent erreicht.

Selbst (momentane) Nutznießer der Entwicklung wie Hannovers Trainer Mirko Slomka, der mit seinem Team gegen Augsburg durch den zweiten Handelfmeter des Spiels kurz vor dem Abpfiff zum 2:1-Sieg kam, sind mit der Situation unzufrieden: "Es ist grundsätzlich schlecht, dass wir schon so früh in der Saison so häufig darüber diskutieren. Das bedeutet, dass irgendetwas in der Regelauslegung nicht so richtig funktioniert."

Das sehen die Schiedsrichter anders und werfen den Ball zurück. Unisono beklagten Herbert Fandel, der Schiedsrichter-Chef im Deutschen Fußball-Bund (DFB), und Hellmut Krug als Schiedsrichter-Beauftragter der Deutschen Fußball Liga (DFL) auch noch einmal zu Wochenbeginn mangelnde Kenntnisse der weltweit für alle Spielleiter verbindlich geltenden Regeln besonders bei den Spielern.

Die Kicker, die vor Saisonbeginn obligatorisch Regelkunde-Unterricht durch den DFB bekommen haben, ziehen sich den Schuh allerdings nicht an. 96-Torwart Ron-Robert Zieler: "Sogar nach der Aufklärung bin ich aus dem Raum gegangen und wusste immer noch nicht: Was ist Hand - und was nicht?" Callsen-Bracker sieht Spieler und Unparteiische vielmehr sogar in einem Boot. Im Fachmagazin Kicker berichtete der Abwehrspieler, dass der DFB-Vertreter bei der Regelschulung in Augsburg auf Nachfragen mit dem Satz "Wir wissen es auch nicht so genau" geantwortet habe.

Forderungen von Werder Bremens Trainer Robin Dutt oder Borussia Mönchengladbachs Verteidiger Martin Stranzl, dass künftig schlichtweg jedes Handspiel im Strafraum mit einem Elfmeter geahndet werden soll, bringen für Krug keine Lösung. "Das würde die Diskussionen nur auf eine andere Ebene verlagern, nämlich zum Beispiel, ob der Ball überhaupt an der Hand des Spielers war. Darüber geben oftmals selbst TV-Bilder keinen eindeutigen Aufschluss", sagte der frühere Top-Referee am Montag dem SID.

Der DFL-Experte hält die derzeitige Situation ohnehin nur für eine Momentaufnahme. "Der Aufreger des dritten Spieltages waren überdurchschnittlich viele Platzverweise, über die reichlich diskutiert wurde, jetzt sind es Handspiele. Wir gehen davon aus, dass es künftig nicht regelmäßig zu derartig vielen Handspiel-Situationen kommen wird."

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