Der FIFA-Skandal - Warten auf die Suspendierungen

Nicht nur Joseph Blatter steht im Fadenkreuz der Ermittlungen. Auch sein einstiger Freund, mittlerweile zum Erzrivalen gewordenen, UEFA-Präsident Michel Platini hat erheblichen Erklärungsbedarf über eine Millionenzahlung. ÖFB-Präsident Leo Windtner fordert einen Neuanfang bei der FIFA. Und Platini müsse "unklare Dinge" klarstellen. Sowohl Blatter als auch Platini droht die Suspendierung - durch die FIFA-Ethikkommission.

Der FIFA-Skandal - Warten auf die Suspendierungen

Zürich Für FIFA-Präsident Joseph Blatter wird es nun eng. Nachdem am Freitagabend der Schweizer Bundesanwalt die Ermittlungen gegen gegen den 79-jährigen FIFA-Präsidenten angekündigt hat, wird seit Sonntag auch im eigenen Haus, in der FIFA ermittelt. Die FIFA-Ethikkommission hat ebenso gegen den Schweizer eine Untersuchung eingeleitet.

Bereits vor über zehn Jahren wurde gegen Blatter ermittelt. Doch dieses Mal könnte es für Blatter eng werden. Erstmals wurden Dokumente präsentiert, die die Vorwürfe wegen "ungetreuer Geschäftsführung" (Verkauf von TV-Rechten weit unter Wert) sowie "Veruntreuung" (Zahlung von 2 Mio. Franken an Michel Platini schwarz auf weiß beweisen. Aber nicht nur für den FIFA-Chef, sondern auch gegen den Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (UEFA) Platini könnte es nun eng werden. Ihm droht eine Suspendierung. Er soll für seine Dienste für Blatter zwischen 1999 und 2002 erst im Jahr 2011 mit einer Zahlung von zwei Millionen Euro entlohnt worden sein.

Blatter hatte Anfang Juni nur kurz nach seiner Widerwahl seinen Rücktritt angekündigt. Er erklärte jedoch noch bis zum kommenden FIFA-Kongress, der später für den 26. Februar 2016, fixiert wurde, die FIFA-Geschäfte zu leiten, um - wie er im Juni noch sagte, einen geordneten Übergang zu gewährleisten. Er wolle an der Aufklärung der Korruptionsskandale mitwirken, die im Zuge der Verhaftung von sieben hohen FIFA-Funktionären kurz vor dem FIFA-Kongress im Mai bekannt gegeben wurden. Ende Mai war Blatter noch für eine fünfte Amtszeit als FIFA-Präsident wiedergewählt worden, hatte wenige Tage später aber seinen Rücktritt angekündigt.

Eine ganz andere FIFA

Wie fragil das Gebilde FIFA in der Zwischenzeit geworden ist, zeigen auch unzählige Wortmeldungen. Viele Funktionäre fordern einmal mehr den sofortigen Rücktritt von Blatter. Ex-FIFA-Funktionär Guido Tognoni glaubt sogar, dass die FIFA in der jetzigen Form schon nächstes Jahr nicht mehr existieren könnte, wie er im ZDF sagte. "Das schlimme ist ja, dass die Funktionäre so abgehoben sind, dass sie bei ihrem Handeln kein Unrechtsbewußtsein haben", so Tognoni im "Aktuellen Sportstudio" vom ZDF. Wie die FIFA im kommenden Jahr sein wird, "das weiß heute niemand, sie aknn ganz anders aussehen", meinte Tognoni.

Aber auch bei Fußballklubs und Großsponsoren formiert sich zunehmend eine Front gegen die Umtriebe bei der FIFA. Vertreter mehrere Fußballklubs in Europa beobachten die Umtriebe in den beiden Verbänden. Bei den Fußballklubs geht es unter anderem um fette Sponsorengelder von börsennotierten Unternehmen. Die Korruptionsskandale der FIFA stimmen auch wegen der Compliance-Vorschriften auch Großsponsoren mehr als nur nachdenklich. Würde nun auch noch UEFA-Chef Platini in den Korruptionssumpf gezogen werden, könnten die FIFA-Skandale noch eine Lawine beim Europäischen Fußballverband lostreten.

Der frühere FIFA-Präsidentschaftskandidat Prinz Ali bin al-Hussein hat sich nach der Strafanzeige gegen Amtsinhaber Blatter als Erneuerer für den Fußball-Weltverband präsentiert. "Die Notwendigkeit für eine neue Führung, die die Glaubwürdigkeit der FIFA wiederherstellen kann, war niemals offenkundiger", teilte der Jordanier am Samstag mit.

Im Mai war er bei der Präsidentenkür noch Blatter unterlegen, beim Wahlkongress am 26. Februar will er als möglicher Nachfolger des Schweizers erneut kandidieren. "Wandel ist immer ein Prozess", sagte al-Hussein. "Viele Mitgliedsverbände sind in den vergangenen 24 Stunden auf mich zugekommen, und was ich gehört habe, gibt mir Zuversicht, dass wir stärker aus dieser Situation herauskommen, wenn wir zusammenarbeiten."

Vor der vorigen Wahl war al-Hussein noch von UEFA-Präsident Michel Platini unterstützt worden. Aber bereits bevor der Franzose als Empfänger einer Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken durch Blatter ins Zwielicht geriet, hatte sich der Jordanier von Platini abgewendet. Neben dem UEFA-Chef und al-Hussein hat bisher nur der Südkoreaner Chung Mong Joon als ernst zu nehmender Bewerber seine Kandidatur erklärt.

Neue Integrität

. "Bis zum Kongress am 26. Februar muss es geschafft werden, dass Transparenz und Integrität bei der FIFA einkehren, mit einem komplett neuen Stab an Personen. Ansonsten gewinnt man das Vertrauen nicht zurück", sagte Windtner am Samstag der APA.

Für FIFA-Boss Blatter gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung, betonte der Oberösterreicher. "Aber gewisse Dinge, die zuletzt aufgetaucht sind, überraschen nicht nur - sie heben so manchen aus dem Sessel." Wegen der Zahlung an Platini hält Windtner den aktuellen UEFA-Präsidenten nach wie vor für den geeignetsten Blatter-Nachfolger. "Aber es liegt jetzt an ihm, unklare Dinge klarzustellen, um für die Wahl eine klare Sicht zu geben, die sich alle Delegierten wünschen."

Für künftige Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees wünscht sich Windtner einen sogenannten "Integritätscheck". "Dabei sollen zum Beispiel mögliche Geschäftsbeziehungen geprüft werden, und zwar nach den Compliance-Regeln, wie man sie aus Europa und Amerika kennt", forderte der ÖFB-Präsident.

Die wichtigsten Figuren im Korruptionsskandal um den Weltverband


Nachdem die Schweizer Bundesanwaltschaft Ermitllungen gegen Joseph Blatter aufgenommen hat, könnte auch eine Suspendierung erfolgen. Die FIFA-Ethikkommission, die nun auch Untersuchungen aufgenommen hat, könnte Blatter per Suspendierung aus dem Amt hebeln - mit weitreichenden Folgen. Blatters Vize war selbst schon im Visier der Ermittler. Die Personen im Einzelnen.

BLATTER Zumindest die erste Reaktion seiner Anwälte deutete nicht auf einen kampflosen Verzicht auf das Amt als FIFA-Präsident hin, das er ohnehin nur noch bis zur geplanten Neuwahl am 26. Februar 2016 innehat. Der von der Schweizer Bundesanwaltschaft beanstandete Vertrag für Übertragungsrechte für die WM in Südafrika sei "von den Mitarbeitern korrekt vorbereitet und verhandelt worden", ließ Blatters Rechtsvertreter verlauten. Gegen den 79-jährigen Schweizer wird wegen "Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung" und Veruntreuung ermittelt.

Dies wird auch eine Ermittlung der Untersuchungskammer der FIFA-Ethikkommission nach sich ziehen. Sollte dies eine Suspendierung zur Folge haben, wäre dies voraussichtlich das vorzeitige Ende von Blatter als Weltverbands-Chef.

PLATINI Für diese Wahl im Februar galt bisher eigentlich Michel Platini als großer Favorit. Doch auch wenn der Franzose aufgrund einer Zahlung von Blatter in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken an ihn nur als Auskunftsperson gehört wurde, ist Platini ins Zwielicht geraten. "Dieser Betrag steht in Bezug zu meiner Arbeit, die ich unter einem Vertrag mit der FIFA geleistet habe und ich bin froh, dass ich diese Angelegenheit mit den Behörden klarstellen konnte", teilte Platini mit. Spricht die FIFA auch gegen Platini eine Suspendierung aus, dürfte zumindest dessen Karriere beim Weltverband beendet sein.

Vor allem muss er aber erklären, warum er für Dienste zwischen Jänner 1999 und Juni 2002 knapp neun Jahre später im Februar 2011 von seinem früheren Intimus bezahlt wurde. In diesem Jahr unterstützten die UEFA-Verbände Blatter im Wahlkampf gegen den Katari Mohamed bin Hammam.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft bezeichnet die Zahlung als "treuwidrig". Und auch bei der UEFA dürften für Platini unangenehme Wochen bevorstehen, wo er mindestens Auskunft geben muss über die Millionenzahlung von seinem Ex-Intimus Blatter.

HAYATOU Sollte Blatter vorzeitig seines Amtes enthoben werden, würde satzungsgemäß vorerst der FIFA-Vizepräsident Issa Hayatou aus Kamerun den Posten übernehmen. Vom Internationalen Olympischen Komitee war er 2011 wegen Zahlungen einer Marketingfirma sanktioniert worden. Mehrfache Anschuldigungen, dass Hayatou von Katar vor der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 1,5 Millionen Dollar für seine Stimme bekommen habe, wurden nie bewiesen. Gegen den Afrikaner, der 2002 bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten gegen Blatter deutlich verlor, war auch von der IOC-Ethikkommission vor ein paar Jahren wegen Korruption ermittelt worden. Er kam mit einem Verweis davon.

WARNER Mit der Karibischen Fußball-Union, deren Präsident Jack Warner damals war, soll Blatter 2005 einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen haben. Warner selbst steht im FIFA-Skandal unter Korruptionsverdacht. Der 72-Jährige aus Trinidad ist derzeit gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar auf freiem Fuß. Warner hat außerdem die FIFA schwer belastet. Der Weltfußballverband soll laut Warner seine Independent Liberal Party im Wahlkampf 2010 finanziell unterstützt haben. Er habe entsprechende Schecks und anderes Beweismaterial bereits im Mai an seine Anwälte übergeben. 2008 sollen von der FIFA außerdem zehn Millionen Dollar an Warner überwiesen haben. Die US-Justiz hatte im Juli offiziell um seine Auslieferung ersucht. Darüber wird die Justiz in Trinidad und Tobago aber nach einer Entscheidung am Freitag erst im Dezember entscheiden.

Bei den Ermittlungen der Schweizer Staatsanwaltschaft rund um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar haben Banken bis Mitte Juni 53 Verdachtsfälle von Geldwäsche registriert. Das teilte der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber am 17. Juni 2015 auf einer Pressekonferenz in Zürich mit. Daneben standen 104 Bankverbindungen schon vorher im Fokus der Ermittlungen. Die US-Staatsnwaltschaft ermittelt ebenso in mehreren Fällen gegen Ex-FIFA-Funktionäre und Leute in deren Dunstkreis.

Lauber schloss bereits damals nicht aus, dass womöglich auch FIFA-Präsident Joseph Blatter und Generalsekretär Jerome Valcke noch befragt werden. Valcke wurde schließlich vorige Woche vom Dienst suspendiert. Er soll bei der Vermarktung von Tickets mitkassiert haben. Er wurde von einem Ticket-Vermarktungsunternehmen schwer belastet. Ggen den FIFA-Generalsekretär und die "rechte Hand" von Blatter wird ebenso ermittelt.

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