FIFA zeigt Blatter und Platini die "Rote Karte"

FIFA zeigt Blatter und Platini die "Rote Karte"

90 Tage gesperrt und von den Ämtern enthoben: Joseph Blatter (Mitte) und Michel Platin (re.)i. Issa Hayatou ist nun neuer "Spielmacher" bei der FIFA.

Die FIFA-Ethik-Kommission hat entschieden: FIFA-Präsident Joseph Blatter und sein potenzieller Nachfolger, UEFA-Präsident Michel Platini, werden für 90 Tage gesperrt. Blatters Generalsekretär Jerome Valcke wurde ebenso 90 Tage gesperrt. Chung Mong--joon fasste wurde für sechs Jahre suspendiert. Für Platini dürfte es das Ende der Funktionärskarriere bedeuten.

Zurüch. Im FIFA-Hauptquartier wird nun aufgeräumt. Die Korruptionsaffäre rund um die Funktionäre hat nun einen dramatischen Höhepunkt erreicht. Der eigene FIFA-Präsident wird supendiert. Was sich gestern Abend bereits abgezeichnet hat ist nun fix und kommt einem Beben gleich: FIFA-Präsident Joseph Blatter wurde von der rechtssprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission für 90 Tage suspendiert. Und auch der Chef des Europäischen Fußballverbands UEFA und einstige französische Fußballstar Michel Platini hat eine 90 Tage dauernden Sperre ausgefasst. Platini ist als UEFA-Chef gleichzeitig Mitglied im FIFA-Exekutiv-Exekutivkomitee.

Blatters engster Mitarbeiter, FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, wurde ebenso für 90 Tage suspendiert. Die Sperren können noch um weitere 45 Tagen erhöht werden, teilte die FIFA mit.

Noch härter bestraft wurde Fußballfunktionär Chung Mong-joon aus Südkorea, der für sechs Jahre suspendiert wurde. Er wollte ebenso wie Platini im Februar um den Vorstiz in der FIFA kandidieren. Chung muss zusätzlich 100.000 Schweizer Franken (91.894,87 Euro) zahlen. Er hatte erst kürzlich FIFA-Chef Blatter einen "Heuchler und Lügner" genannt und eine Klage gegen Blatter angekündigt. Dem Südkoreaner werden Verstöße im Zusammenhang mit Südkoreas gescheiterter Bewerbung für die WM 2022 vorgeworfen. Er war bis 2011 auch Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee.

Der suspendierte FIFA-Präsident wird laut Satzung von seinem Vize-Präsident Issa Hayatou aus Kamerun vertreten. Der 69-Jährige war allerdings selbst schon im Jahr 2010 im Fokus von Korruptionsvorwürfen. Hayatou ist seit 1999 Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, seit 1992 ist er Vizepräsident. "Ich werde nur auf Interimsbasis zur Verfügung stehen", betonte der 69-jährige Kameruner.

Die FIFA-Ethikhüter haben somit ein klares Zeichen gegen die Korruptionsvorwürfe gegen FIFA-Chef Blatter sowie seine Funktionäre gesetzt. Die Sanktionen seien Resultate der Ermittlungen der Ethik-Untersuchungskammer. Detaillierte Gründe dürfe das Gremium nicht veröffentlichen. Die Sperre von 90 Tagen könnte um weitere 45 Tage erhöht werden.

Das Ende von Platinis Funktionärskarriere

Für den 60-järhigen Platini bedeutet die Suspendierung faktisch das Aus als Blatters Nachfolger. Am 26. Februar 2016 sollte der Blatter-Nachfolger gewählt werden. Blatter selbst hatte seinen Rückzug Anfang Juni 2015, kurz nach seiner Wiederwahl, bekanntgegeben.

Platini galt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten als FIFA-Präsident. Doch das Blatt dürfte sich nun endgültig wenden. Sollte Platinis Sperre um 45 Tage verlängert werden, wäre er erst theoretisch fünf Tage vor dem FIFA-Kongress im Februar wieder in Amt und Würden als FIFA-Funktionär. Spannend wird die Frage sein, ob Platini nun in weiterer Folge nicht auch bei der Europäischen Fußball Union UEFA in Ungnade fällt und noch als Chef tragbar sein wird.

Platini will dennoch um seine Kandidatur als Chef des Weltverbands kämpfen. Er habe am Donnerstagmorgen die nötigen Unterstützerstimmen für eine Bewerbung eingereicht, teilte der Franzose in einem schriftlichen Statement mit.

Der UEFA-Chef soll noch am Donnerstagvormittag die erforderlichen Unterlagen für eine Kandidatur zum FIFA-Präsident am 26. Februar 2016 eingereicht haben - wenige Stunden später wäre ihm das schon per Statuten untersagt gewesen. Er soll die Unterstützung von über 100 Fußballverbänden haben.

Gegen den 79-jährigen Blatter, der seit 40 Jahren FIFA-Funktionär ist und seit 17 Jahren als Präsident die Fäden des Weltfußballverbandes in Händen hält, hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft im September ein Strafverfahren eingeleitet. Blatter wird der Verdacht der "ungetreuen Geschäftsbesorgung" sowie Veruntreuung vorgeworfen. Im Kern geht es um eine ominöse Zahlung an UEF-Chef Platini und dem Verkauf der TV-Geschäfte mit dem früheren FIFA-Vize Jack Warner, der die WM-Rechte für die Karibik für 600.000 Dollar und damit deutlich unter dem Marktwert erhalten haben soll.

Dem UEFA-Chef Platini wurden für seine Dienste für die FIFA zwischen Jänner 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später das Honorar überwiesen. Blatter soll die Zahlung in Höhe von rund von zwei Millionen Franken selbst angeordnet haben. Platini hat nun einen größeren Erklärungsbedarf. Er wurde von der Schweizer Staatsanwaltschaft genauso wie Blatter bereits in der Vorwoche einvernommen.

Im Jahr 2011 unterstützten die UEFA-Verbände unter der Führung von Platini den Schweizer im Wahlkampf gegen den Katarer Mohamed bin Hammam. Platini verteidigte die empfangene Zahlung im Ausmaß von zwei Millionen Franken mehrfach öffentlich.

Der Super-Gau der FIFA

Sowohl ÖFB-Präsident Leo Windtner als auch der Präsident des Deutschen Fußball Bundes Wolfgang Niersbach fordern unverzüglich Sitzungen der Exekutivkomitees von UEFA und FIFA. "Jetzt ist das große Clean-Up gefragt, auch bei der UEFA", betonte ÖFB-Boss Windtner.

DFB-Chef Niersbach hat geschockt auf die Sperren reagiert. "Was heute passiert ist, ist der absolute Super-GAU, dass wir an der wichtigsten Stelle des Weltfußballs nun eine Führungslosigkeit haben. Da ist der absolute Tiefpunkt gekommen. Die Zukunft kann nur gemacht werden ohne Sepp Blatter." Das Verhältnis zu Platini, der vom DFB als FIFA-Präsidentschaftskandidat unterstützt wird, müsse zumindest neu bewertet werden.

Die Wehklagen von Joseph Blatter

Blatter plädiert weiter auf nicht schuldig und bemängelt das Vorgehen der Ethikhüter des Fußball-Weltverbands. "Präsident Blatter ist enttäuscht, dass die Ethikkommission nicht dem Ethik- und Disziplinarcode gefolgt ist, die beide die Möglichkeit schaffen, angehört zu werden", teilte der Schweizer am Donnerstag über seine Anwälte mit.

"Die Entscheidung der Ethikkommission basiert auf einem Missverständnis der Aktionen der Schweizer Bundesanwaltschaft", hieß es in der Stellungnahme der Rechtsvertreter Lorenz Erni, Erni Brun Forrer und Richard Cullen weiter. Die Schweizer Behörde hatte vor zwei Wochen ein Strafverfahren gegen Blatter eröffnet.

"Die Ermittler sind vom Gesetz verpflichtet, den Fall einzustellen, wenn ihre Untersuchung, die gerade einmal zwei Wochen alt ist, keinen hinreichenden Beweis erbringt", schrieben die Anwälte. "Präsident Blatter erwartet die Möglichkeit, Beweise zu präsentieren, dass er nicht an irgendeinem kriminellen Fehlverhalten beteiligt war."

Blatter wird binnen zwei Tagen wohl keinen Einspruch einlegen. "Nein, es hat gar keinen Sinn das zu strecken", sagte Blatters Berater Klaus Stöhlker. "Er wurde jetzt fußballerisch gesagt an die Seitenlinie gestellt und er wird in 90 Tagen wieder da sein, denn er muss den großen FIFA-Kongress vorbereiten. Es spricht nichts dagegen, die Sperre kann 45 Tage verlängert werden, aber das ändert nichts." Am 26. Februar soll beim Wahlkongress in Zürich der Nachfolger Blatters gewählt werden.

Seit Jahren gibt es Korruptionsvorwürfe gegen FIFA-Funktionäre. Ende Mai hat die Schweizer Staatsanwaltschaft noch vor dem FIFA-Weltkongress in Zürich sieben FIFA-Funktionäre verhaftet. Ihnen wird Korruption, Veruntreuung und Geldwäsche vorgeworfen. Die US-Justiz hatte seinerzeit Auslieferungsersuchen bei der Schweizer Justiz beantragt. In den USA wird gegen 14 ehemalige Spitzenfunktionäre und Geschäftsleute ermittelt.

Blatter wurde im Mai 2015 in geheimer Wahl erneut zum FIFA-Präsident gewählt: von den 209 Delegierten bekam er 133 Stimmen. Gegenkandidat Prinz Ali bin Al-Hussein wurde von 73 Delegierten gewählt, drei Stimmen waren ungültig. Für eine Direktwahl hätte Blatter 140 Stimmen und somit eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigt. Al-Hussein hatte aber auf einen zweiten Wahlkampf verzichtet. Somit war der Weg für Blatter als alter und neuer FIFA-Präsident frei. Der 79jährige Schweizer hatte somit seine fünfte Amtszeit angetreten.

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