Dynamo Dresden: Peter Pacult fliegt raus

Dynamo Dresden: Peter Pacult fliegt raus

Nach der Trennung von Trainer Peter Pacult ist die Zeit der Alibis beim Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden endgültig vorbei. "Jetzt ist der für die Öffentlichkeit Böse weg. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr", sagte Mittelfeldspieler Filip Trojan einen Tag nach der Beurlaubung des seit Monaten umstrittenen Österreichers.

Auch Sportdirektor Steffen Menze, der interimsweise Pacults Amt übernimmt, übte in einer Ansprache Druck auf die Mannschaft aus: "Ich habe klar gemacht, dass sich alle hinterfragen müssen. Jeder muss auch in der Freizeit alles dem Fußball unterordnen."

Acht Monate hatte das Missverständnis mit Pacult in Dresden gedauert. Nach dem nur mühsam in der Relegation erkämpften Klassenerhalt ist auch die Bilanz in dieser Saison ungenügend: Vier Spiele, kein Sieg, Tabellenplatz 17. Die blamable 0:3-Heimniederlage gegen den FSV Frankfurt am Sonntag bedeutete das Ende für den ehemaligen Bundesligaprofi Pacult, der seine erste Amtszeit in Dresden 2006 auf eigenen Wunsch beendet hatte.

Dynamo ist derweil auf der Suche nach Kontinuität - wieder einmal. "Wir wollen das mit dem neuen Trainer gut vorbereiten und uns bei der Suche Zeit lassen", sagte Menze, der sich einen weiteren Fehlgriff nicht leisten kann. Neben Pacult steht auch immer noch dessen Vorgänger Ralf Loose auf der Lohnliste. Bald wird ein dritter Coach dazu kommen, für den finanziell nicht gerade auf Rosen gebetteten Verein eine enorme Last.

Als heißester Kandidat gilt dafür offenbar Petrik Sander. Der ehemalige Cottbuser Bundesligacoach steht derzeit in der vierten Liga bei Carl Zeiss Jena unter Vertrag. Auch die Namen Ralph Hasenhüttl und Reiner Maurer wurden ins Spiel gebracht. Doch für wen sich der Verein auch entscheidet, der zukünftige Dynamo-Coach nimmt auf einem Schleudersitz Platz.

Der erste Trainerwechsel der laufende Saison hatte sich schon in der vergangenen Spielzeit abgezeichnet und glich am Ende einem unwürdigen Schauspiel. Schon vor dem Relegations-Rückspiel gegen den VfL Osnabrück kursierten Gerüchte über Pacults Entlassung, der Verein dementierte. Doch selbst nach dem Klassenerhalt war das Verhältnis zwischen den handelnden Personen getrübt. Und zuletzt hatten sich offenbar auch die Spieler über die nicht gerade behutsame Art des Trainers beschwert.

Nur sportlicher Erfolg hätte die Situation retten können - doch der blieb aus. Noch vor dem Spiel gegen den FSV Frankfurt hatte der Österreicher beim Fernsehsender Sky über "Ahnungslose" und "Amateure" im Umfeld des Klubs geschimpft. Doch das Hauptproblem scheint nicht nur das fast schon chronisch unruhige Umfeld zu sein. Dem achtmaligen DDR-Meister scheint schlicht und einfach eine Strategie zu fehlen. Auf den Arbeiter Ralf Loose folgte der "harte Hund" Pacult - ohne Erfolg.

Selbst Klub-Ikone Hans-Jürgen Dörner hatte vom ernüchternden Auftritt am Sonntag schon vor dem Schlusspfiff genug. Wie viele andere Zuschauer auch verließ der Dresdner Ehrenspielführer und 100-malige DDR-Auswahlspieler vorzeitig das Stadion. "So desolat habe ich schon lange keine Dresdner Mannschaft gesehen", schrieb der 62-Jährige in seiner Kolumne im Fachmagazin kicker: "Es war im Spiel kein Konzept erkennbar, aber eine erschreckende Körpersprache der Spieler."

Vorerst wird Menze den Platz auf der Bank ausfüllen, doch auch er ist nicht unumstritten. Die Mannschaft passe nicht zusammen, weder spielerisch noch charakterlich, so lautet die Kritik. Eine Beurlaubung des Sportdirektors, der noch einen Vertrag bis 2014 besitzt, würde aber eine weitere finanzielle Belastung bedeuten.

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