DIW-Prognose: Frankreich wird Weltmeister 2018 in Russland

DIW-Prognose: Frankreich wird Weltmeister 2018 in Russland

Frankreich (hier zum Trainingsauftakt in Russland), wird laut DIW-Prognose Weltmeister. Chancen haben vor allem auch die Spanier. Und auch Brasilien steht höher im Kurs als Titelverteidiger Deutschland.

Prognosen zur Fußball-WM gibt es viele. Angefangen von der Vermessung der Spieler und deren Laufwege, geradezu einer Unzahl von Prognosemethoden, müsste die ballestrische Weltmeisterschaft im Vorspiel schon ziemlich exakt berechnet werden können. Die DIW-Prognose verlässt sich auf die Marktwert-Methode. Aus gutem Grund. Die unausgesprochene These: Geld schießt Tore.

Das Vorspiel zur Fußball-Weltmeisterschaften ist in der Regel auch ein Match der Prognosen. Einige Prognosemodelle werden dabei - eher bewusst - mit einem "Augenzwinkern" herangekarrt. Für die Freunde der Sportwetten sind aber alle nur denkmöglichen Varianten zur Bestimmung der Favoriten, der vorzeitigen Verlierer, der sogenannten Geheimfavoriten oder gar "Wer-schießt-das-erste-Tor" sowie wer wird "Torschützenkönig" wichtig. Schließlich geht es bei den Gambler an den Computern und Wettbüros darum, den Wetteinsatz wenn irgendwie möglich zu vergolden.

Die Sache mit dem Ernst und dem Augenzwinkern

So schießen die Kandidaten für den Weltmeister in Russland schon vor dem Ankick wie Kraut aus dem Boden. Eindeutige Favoriten gibt es im Regelfall nicht. Eine Handvoll oder vielleicht doch acht, neun oder gar ein Dutzend Teams könnten die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 dann doch gewinnen - je nach Prognose-Methode?

Werden noch die unzähligen Daten dazugenommen, mit denen Laufwege, Erfahrungen, Anzahl der Länderspiele, Stangenschüsse, Passquote, Packing-Werte und Tore in einem Zahlengefüge abgebildet werden, könnte ein noch valideres Gesamtbild entstehen. Die Berge an Daten könnten die Vermessung der Protagonisten des runden Leders noch richtig abrunden. Big Data könnte die Treffsicherheit der Prognose erhöhen. Könnte!

"Die Prognose von WM-Ergebnissen ist nicht nur für Fußballfans ein reizvolles Gedankenspiel, auch die Wissenschaft versucht regelmäßig – meist ernst, mal mit einem Augenzwinkern – den Weltmeister vorherzusagen", schreibt Gert G. Wagner, Professor am Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Geld schießt theoretisch die Tore

Der DIW-Professor hat sich nun selbst daran gemacht, eine WM-Prognose zu erstellen. Eines vorab: Aufgrund seiner Zählmethode ist der Weltmeister der 21. Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland schon vor dem Ankick ziemlich fix ausgespielt, noch bevor das erste Tor gefallen ist: Frankreich wird's machen, aber auch Spanien ist ein heißer Kandidat fürs DIW. Höchstwahrscheinlich. Denn Titelverteidiger Deutschland wird heuer wohl durch die Finger schauen.

Die Prognose verrät folgendes: Das Team aus Deutschland zählt zwar zur Spitzengruppe. Der viermalige Weltmeister kommt laut DIW-Prognose nur auf Rang vier. Der heiße Kandidat Brasilien, das gegen die Deutschen vor vier Jahren mit 1:7 noch eine legendäre Klatsche hinnehmen musst, kommt immerhin auf Rang 3.

Für die DIW-Prognose hat Wirtschaftsprofessor Wagner die Marktwert-Methode herangezogen. Die Mannschaft mit dem teuersten Spielerkader ist die spielstärkste in einem Wettbewerb und wird deshalb wahrscheinlich den Pokal gewinnen", lautet die Beurteilung des DIW-Professor. Wenngleich er einräumt, dass die Transferwerte mit den tatsächlich gezahlten Ablösesumme sich noch unterschieden können. Angenommen wurden die Transferwerte von der Datenbank von www.transfermarkt.de. Die Werte des Fußball-Branchenportals gelten im übrigen seit Jahren als das "Evangelium" vor allem der Spielerberater, aber auch Fußballklubs und den Spielern selbst.

Die Treffsicherheit des Marktes

Die DIW-Prognose stützt sich vor allem auf die Erhebungen zu den Spielertransfers aus früheren Jahren. Diese haben ergeben, dass die Marktwertmethode am treffsichersten ist, um die hohe Kunst der Ballestrik am grünen Rasen auch in sportlichen Erfolgen vorab zu deuten. "Dieser Vergleich zeigte, dass die Marktwerteinschätzungen und die tatsächlich erzielten Transfersummen mit 0,9 korrelierten", sagt DIW-Professor Wagner. Dies sei "ein sehr hoher Wert". Die maximale Korrelation hätte den Wert 1. Die Marktwerte, die auf einem Experten-Rating beruhen, können demnach als „Proxy“ für die realen Marktwerte benutzt werden.

Die Unschärfen aus dem Abseits

Und dennoch: Zahlen und Daten alleine sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Trotz ungeheuer großer Datenberge, wie kaum vor einer Fußball-Weltmeisterschaft bevor, hat auch jede Prognose - noch immer - seine Unschärfen und Risiken.

Und dabei spielen Taktik, Tagesform und freilich Teamgeist und der Zufall eine nicht zu unterschätzende Rolle. Und gleichermaßen birgen unvorhergesehene Ereignisse wie Ladehemmung der Top-Scorer, Verletzungen, Elfmeterschwäche (siehe England, das fünf Mal beim Elferschießen ausgeschieden ist, Sonnenstich eines Spielers, Übermüdung aufgrund einer harten Saison oder Trainerentlassung im letzten Moment gröbere Prognose-Risiken in sich. Und nicht zu vergessen: Der ein oder andere Außenseiter stellt gelegentlich sogenannten Favoriten das Bein und schickt vermeintliche Finalkandidaten vorzeitig nach Hause. Genau diese Unschärfen würden die WM hingegen wieder spannend machen, so Wagner.

Die Mannschaft

"Natürlich muss immer wieder daran erinnert werden, dass im Fußball auch der Teamgeist, den Jogi Löw mit dem Ausbooten von Sandro Wagner und Leroy Sané wohl stärken wollte, und vor allem der Zufall eine große Rolle spielen", meint DIW-Professor Wagner, dessen Herz abseits seiner Untersuchung für die Deutschen schlägt.

Die Spannung sei laut Wagner dennoch - Marktwertmethode hin oder her - bis zuletzt garantiert. "Im heutigen kommerzialisierten Profifußball, in dem Finanzkraft und sportlicher Erfolg so eng verbandelt sind wie nie zuvor, ist Spannung an der Spitze keine Selbstverständlichkeit", so Wagner.Die wieder einmal "langweilige" Bundesligasaison 2017/18 in Deutschland habe dies gezeigt, obwohl es zu Saisonbeginn für den "Serienmeister" Bayern München alles andere als rund lief und erst ein Traineraustausch für die sporltiche Wende sorgte.

Bei der Fußball-WM in Russland sind die Vorzeichen anders, auch im Vergleich zu vorherigen Turnieren. Anders als bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 (und der Europameisterschaft 2008) liegt gibt es heuer keine Mannschaft, die hinsichtlich des Marktwertes klar vor allen anderen. Spanien führte damals haushoch. Die Marktwertunterschiede bei drei der vier Top-Teams (siehe Tabelle, unten) sind heuer nämlich ähnlich gering wie bei der Fußball-WM 2006.

Und am Ende ging - für die Sport-Fachleute mit größter Überraschung - Italien als Sieger hervor. Eines ist jedoch gewiss: Italien wird genauso wenig Weltmeister werden wie Österreich. Auch die Squadra Azzurra ist zum Zuschauen verdammt mangels Qualifikation. Oder anders ausgedrückt: Die Marktwerte der Spieler konnten die Unschärfen des Spiels nicht neutralisieren, um Erfolg am grünen Rasen zu generieren.

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