Champions League: Achtelfinale der Fußball-Schickeria

Champions League: Achtelfinale der Fußball-Schickeria
Champions League: Achtelfinale der Fußball-Schickeria

Auf Augenhöhe: Diego Costa von Chelsea FC (li.) gegen Thiago Motta von Paris St. Germain - beide aus den Reichenklubs Europas. Costa will noch Revanche nehmen fürs Vorjahr, als die Franzosen den Engländern Bilanz vermasselt haben. Doch Paris steht unter Druck: In Frankreich souverän an der Spitze wollen die Geldgeber aus Katar endlich auch Sieg und Rendite aus der Champions League.

Das Achtelfinale der Fußball-Champions League 2015/2016 ist quasi das Vorspiel für eine neue Epoche der Kommerzfußball. Die Hautevolee des europäischen Fußballs spielt den Wettbewerb unter sich aus. Neben Taktik und Strategie zählt vor allem die Finanzkraft der Klubs – letzteres immer mehr. Österreichs Klubs bleibt die Außenseiter-Chance - bestenfalls ab Herbst 2016.

Paris St. Germain gegen Chelsea London – in Fußballkreisen ein Kracher. Beide Klubs spielten am Dienstag zum Auftakt der Champions League. Mit 2-1 hat der französische Top-Klub mit seinem Top-Sponsor aus Katar gegen den Londoner Top-Klub das Hinspiel gewonnen. Der erste Teil der Revanche zur Neuauflage des Viertelfinales der Champions League im Vorjahr, als Chelsea im Frühjahr 2015 wegen der Auswärtstorregel ausgeschieden ist, ist also nicht gelungen.

Fraglos war die Partie für Fußballfans ein Bonmot. Und bleibt nicht das nicht das Einzige. AS Roma gegen Real Madrid am Mittwoch, Arsenal London versus FC Barcelona sowie Juventus Turin gegen Bayern München sind drei weitere Top-Begegnungen der Hautevolee des kapitalistischen Vereinsfußballs unterm dem Dach der Europäischen Fußball-Union (UEFA), die auf Funktionärsseite derzeit stark unter Beschuss steht. Ihr Präsident Michel Platini steht unter Korruptionsverdacht, mit dem suspendierten Weltfußballverband-Chef Sepp Blatter Millionen verschoben zu haben.

Am grünen Rasen der UEFA-Spitzenklubs geht es jedoch längst nicht mehr nur um Tore und um Spannung. Sondern um Geld. Viel Geld wird anlässlich der UEFA-Champions League umgesetzt, was aus den Umsätzen der teilnehmenden Klubs abzulesen ist.

Der Geldadel unter sich

Unter den 16 Klubs, die bis Mittwoch kommender Woche das Achtelfinale bespielen, ist der europäische Fußballadel vertreten. Zehn der 16 Achtelfinalisten gehören von der Finanzkraft zu den Top 20 der Welt (siehe auch Grafik unten) .

Alleine zehn der zehn Top-20-Vereine des Rankings „Football Money League“ des Beratungsunternehmens Deloitte spielen das Achtelfinale der UEFA Champions League aus. Acht Klubs zählen sogar zu den Top-10. Nur Manchester United (gegen FC Midtjylland), die Nummer drei der Top-20-Rangliste, sowie FC Liverpool (Nummer 9) spielen nicht Champions League. Sie sind noch im despektierlich genannten „Verlierer Cup" Europa League vertreten, in der die weniger attraktiven und weniger finanzstarken Klubs ihren europäischen Sieger vor wesentlich weniger Zuschauern ausspielen.

Einzig: Rapid Wien dürfte bei seinen Heimspielen im "Verlierer Cup" - diese Woche Donnerstag auswärts im Hinspiel gegen FC Valencia - einer der wenigen Klubs sein, das als Zuschauermagnet die Fans in die Stadien zieht.

Das Achtelfinale - Spielplan der Hinrunde.

Europas 20 umsatzstärkste Vereine, deren Profiabteilungen in der Zwischenzeit in Kapitalgesellschaften ausgegliedert sind und auch als solche bilanzieren, erzielen Erlöse zwischen 160,9 Millionen Euro (West Ham United) und 577 Millionen Euro (Real Madrid). Die Top-20 haben in der Saison 2014/2015 den Umsatz um 8 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro gesteigert. Die 7-Milliarden-Marke wird laut Deloitte wohl in der laufenden Saison geknackt werden – allein schon die TV-Gelder von Großbritannien machen es möglich. Statt bisher 4,07 Milliarden Euro für drei Jahre zahlen die TV-Gesellschaften künftig rund 7 Milliarden.

Die Top-20 der Fußball-Klubs: Die Dominanz der Engländer nimmt zu - und wird nach dem neuen Milliarden-TV-Vertrag noch weiter zunehmen. Manchester United wird (rein vom Umsatz - nicht Gewinn - gemessen) in der kommenden Saison wieder als Nummer 1 erwartet.

Nutznießer sind vor allem die Top-Klubs. Sie finanzieren sich neben den Spieltagserlösen (Tickets, VIP-Karten, VIP-Lounges), kommerziellen Geschäften (u.a. Sponsorengeldern, Zuschüssen von Mäzenen, Merchandising, Vermietung von eigenen Immobilien, Stadion-/Museumsführungen) immer mehr von den Fernsehgeldern. Mit dem neuen TV-Vertrag in England wird befürchtet, dass auch die Top-Spieler künftig auf die Insel weiterziehen.

Auch Ticketpreise von umgerechnet 80 bis 90 Euro können die Auslastung bei englischen Spitzenklubs nicht drücken - laut Studie sind die Stadien der Premier League mit 95 Prozent gebucht. Allerdings: In England - FC Liverpool - und Deutschland - Borussia Dortmund beim VfB Stuttgart - formiert sich der Widerstand. Die "echten Fans" aus den Fanklubs protestieren lautstark und wollen die Preiserhöhungen - wie etwa Top-Zuschläge - nicht mehr hinnehmen.

Noch ist Real Madrid die Nummer 1, was den Umsatz (nicht Gewinn – dazu wird eisern geschwiegen) anbetrifft – das elfte Jahre in Folge. Dicht auf den Fersen ist allerdings der FC Barcelona mit 560,8 Millionen Euro Umsatz. Manchester United (ManU), das allerdings sportlich zwei Katastrophenjahre hinter sich hat, nimmt gerade wieder Anlauf auf die Spitze, meint Studien-Autor Dan Jonas von Deloitte in London. Er rechnet damit, dass ManU in der kommenden Saison die Nummer Eins wird. ManU bringt es derzeit immerhin auf einen Umsatz von 519,5 Millionen Euro und somit Rang 3

Die Umsatztriade

Real Madrid erzielt 22 Prozent seiner Umsätze über die Matchday-Erlöse (Zuschauerschnitt: 72.969), 34 Prozent aus TV-Rechten und 42,5 Prozent via Sponsoren. Bei Klubs mit kleineren Stadien wie Paris St. Germain (45.789 Zuschauer im Schnitt), der es als Nummer 4 der Deloitte-Rangliste in der vorigen Saison 2014/2015 auf 480,8 Millionen Euro bringt, verteilt sich der Umsatz wie folgt: 16 Prozent auf den Spieltag, 22 Prozent via TV-Gelder und 62 Prozent überweisen Sponsoren, vor allem aus Katar. Große, moderne Stadien sind grundsätzlich Top-Ertragsbringer, soweit die Zuschauer auch wirklich in Scharen in die Fußballarena strömen.

Der heutige Gegner Chelsea London mit Big Spender und Oligarch Roman Abramowitsch bringt es als Nummer 8 der Top-20 Rangliste auf 420 Millionen Euro Umsatz – 22 Prozent via Ticket und Bewirtung, 43 Prozent aus TV-Geldern und 35 Prozent kommen aus kommerziellen Quellen (Sponsoren, Merchandizing).

Die Siegprämien, die die UEFA ausschüttet, sind fast bescheiden. Der Sieger der Champions League kommt auf 54,5 Millionen Euro, Der Sieger der UEFA Europa League, in der Rapid Wien am Donnerstag in Valencia antritt, bekommt weniger als ein Drittel – 15,31 Millionen erhält der Sieger des in Fußballkreisen auf „Verlierer-Cup“ bezeichneten Wettbewerbs, der ebenso diese Woche in die K.O-Runde der letzten 32 Klubs geht.

Geld schießt offenbar doch Tore. Was bis vor gut zehn Jahren noch angezweifelt wurde, ist nunmehr schon gesetzte Tatsache. Außer Klubs wie AA Gent oder Dynamo Kiew können dieses ungeschriebene Gesetz brechen und sich sportlich mit ihren weniger prominenten Spielern ins Rampenlicht spielen und reüssieren – um allerdings in weiterer Folge selbst vom großen Einnahmenkuchen zu profitieren.

Die Hinterbänkler

Die Klassengesellschaft im Fußball entwickelt sich bereits unter den 20 umsatzstärksten Klubs. Ab Rand 12 flachen die Erlöse allmählich ab. Der Top-20 Klub West Ham United bringt es mit 160,9 Millionen Euro nur noch auf die Hälfte der Erlöse der Nummer 10 Juventus Turin, de es auf 323,6 Millionen Euro bringt.

In einer finanziell komplett anderen Liga spielen die heimischen Fußballklubs und die anderen kleineren Ligen. Ihnen verbleibt die Rolle als "Ausbildungsliga", bestenfalls mit einem Überraschungsteam den Aufstieg à la AA Gent, Dynamo Kiew oder wie in den vergangenen Jahren der FC Basel zumindest als Abonnement-Teilnehmer in der Champions League bis ins Achtel- oder gar ins Viertelfinale zu schaffen.

Zum Vergleich: Österreichs Klubs sind selbst von den Top-25 noch meilenweit entfernt. AS Napoli hat in der vorigen Saison als Nummer 25 rund 125 Millionen Euro Umsatz eingefahren. RB Salzburg mit 73,1 Millionen Umsatz und dem kapitalkräftigen Sponsor Dietrich Mateschitz im Rücken kommt zumindest der 100-Millionen-Marke näher.

Rapid Wien bringt es auf 24,6 Millionen Euro Umsatz, Austria Wien bilanziert 24,3 Millionen Euro, Sturm Graz kommt auf Erlöse von 14,4 Millionen Euro. Und Rapid-CEO Christoph Peschek wird nicht müde seinen Anspruch zu betonen - mit der jetzigen Mannschaft, ab Sommer mit dem neuen Stadion - den Wiener Traditionsklub im europäischen Fußballkonzert unter die Top-50 dirigieren zu wollen.

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