BVB-Trainer Klopp geknickt: "Das war völlig doof!"

In einem turbulenten Spiel hat Borussia Dortmund den Start in die Champions-League-Saison verpatzt. Die Verantwortung für die Niederlage in Neapel übernahm Trainer Jürgen Klopp nach seinem erneuten Ausraster.

BVB-Trainer Klopp geknickt: "Das war völlig doof!"

Nachdem der "Vesuv von Dortmund" wieder mal Gift und Galle gespuckt hatte, schämte er sich für seinen neuerlichen Ausbruch in Grund und Boden. "Ich mache da draußen 'nen Affen, das geht nicht. Das war völlig doof! Ich habe gedacht, ich würde das hinkriegen mit meinen Emotionen, aber auf den Bildern sieht es wirklich nicht danach aus", sagte Jürgen Klopp kleinlaut und ungewohnt demütig. Nach dem 1:2 (0:1) von Borussia Dortmund beim SSC Neapel zum Champions-League-Auftakt war vom Selbstbewusstsein des BVB-Trainers fast nichts zu spüren - kaum ein Lächeln, kaum ein Spruch.

Am Fuße des Vesuvs waren ihm erneut die Sicherungen durchgebrannt, erneut hatte er sich als schlechter Repräsentant des BVB gezeigt, als er den vierten Offiziellen Venancio Tomé aus Portugal an der Seitenlinie zähnefletschend und mit hochrotem Kopf aus nächster Nähe anbrüllte. Prompt wurde er auf die Tribüne geschickt und erwies damit der Mannschaft einen Bärendienst. Sein Ausraster war der Anfang vom Ende für den BVB, der 116 Tage nach dem Finale von Wembley einen Fehlstart in die neue Saison der Königsklasse hinlegte.

Immerhin: Als Klopp zurück auf Normaltemperatur war, kam die Einsicht. "Ich habe mich beim vierten Offiziellen, beim Schiedsrichter und bei der Mannschaft bereits entschuldigt", verkündete er und gelobte dann zum x-ten Mal Besserung - Töne, die sich schon in der Bundesliga als Lippenbekenntnisse entpuppt haben. Das weiß auch Klopp. "Wenn ich jetzt sage, das kommt nicht mehr vor, sagen die meisten wahrscheinlich: Der Klopp hat 'nen Schuss! Ich wollte so etwas nicht mehr machen, habe es trotzdem gemacht und muss die Konsequenzen tragen", sagte er reumütig.

Der 46-Jährige hatte das Spiel im Hexenkessel San-Paolo-Stadion ab der 30. Minute zunächst auf der Tribüne, anschließend in den Katakomben in einem kleinen Raum des Stadion-Hausmeisters im Fernsehen verfolgt. Klopp erlebte, wie Nationalspieler Mats Hummels mit schmerzverzerrtem Gesicht mit einer Rückenblessur vom Platz humpelte (45.) und Torhüter Roman Weidenfeller (45.+1) wegen eines Handspiels außerhalb des Strafraums die Rote Karte sah.

Es war jedoch jene Szene in der 29. Minute beim 1:0 durch Gonzalo Higuain, die seinen Adrenalinspiegel hatte überschwappen lassen. Innenverteidiger Neven Subotic hatte sich wegen einer Platzwunde über dem Auge an der Seitenlinie behandeln lassen. Mit Verzögerung winkte der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca ihn wieder aufs Feld - Sekunden später köpfte Higuain ein, und Klopps "gebrauchter Abend" nahm seinen Lauf.

"Ich dachte, der Schiedsrichter muss mit dem Freistoß so lange warten, bis Neven wieder da ist", erklärte Klopp. Musste der Referee jedoch nicht, darüber wurde der Dortmunder Fußball-Lehrer aufgeklärt: "Ich habe die Situation falsch eingeschätzt", gestand er ein.

Die Mannschaft war nach Klopps Verweis jedenfalls aus dem Tritt. "Die Emotionen, die ich reingebracht habe, haben aus einem von uns nicht gut geführten Spiel ein hektisches werden lassen", sagte Klopp nach der ersten Niederlage im achten Pflichtspiel der Saison. "An einem guten Tag können wir hier was mitnehmen, auch an einem Tag, an dem der Trainer seine Nerven besser im Griff hat, können wir etwas mitnehmen. Da weder das eine noch das andere der Fall war, haben wir verdient verloren", erklärte Klopp. Noch sei jedoch nichts passiert.

Als Lorenzo Insigne mit einem Freistoß in den Winkel auf 2:0 (67.) erhöhte, war die Niederlage fast perfekt. Zumindest provozierte der BVB noch ein Eigentor von Juan Zuniga (87.). "Das war wichtig und könnte noch im Falle des direkten Vergleichs eine Rolle spielen", sagte BVB-Präsident Reinhard Rauball.

Es war dennoch alles andere als ein perfekter Start des Bundesliga-Spitzenreiters in die Gruppenphase. Erst recht nicht für Klopp, der mit einer harten Strafe der Europäischen Fußball-Union (UEFA) rechnen muss. "Ich weiß nicht, was passieren wird, es liegt nicht in meiner Hand", sagte er. Sportdirektor Michael Zorc befürchtet "keine großen Konsequenzen, weil ja keine Beleidigung vorlag". Ob eine mögliche Sanktion nachhaltig wirken wird? Zweifel sind spätestens seit Mittwochabend angebracht.

Video: Klopp´s Ausraster

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