Austria Wien mit Offensive zum Crowdfunding-Ziel

Austria Wien mit Offensive zum Crowdfunding-Ziel

Geld für den Stadionbau: Auch die Wiener Austria zapft per Crowdfunding eine neue Geldquelle an. Und verspricht eine ordentliche Verzinsung - vor allem wenn der sportliche Erfolg stimmt.

SK Rapid Wien hatte Ende November mit einem Crowdinvesting-Programm vorgelegt, um Geld für den Stadionbau einzusammeln. Nun folgt die FK Austria Wien, das einen Teil des Stadionneubaus auch mit nachrangigen Darlehen finanzieren will. Die Nachfrage bei den Violetten ist größer als bei den Grün-Weißen.

Wien. Seit Mittwochfrüh ist die Crwod-Investing-Plattform www.violacrowd.at geöffnet. Der Wiener Traditionsfußballklub FK Austria Wien will via Crowdinvesting einen Teil des Stadionumbau finanzieren.

Unter dem Titel "ArenaInvest" will die Austria innerhalb von 35 Tagen 1,5 Millionen Euro von Anlegern einsammeln. Und das Interesse scheint sehr groß zu sein. Schon in den ersten 24 Stunden hat die Austria über 1,235 Millionen Euro erlösen können. Und das Interesse ist auch am zweiten Tag sehr große. Das Fundinglimit wurde bereits kurz nach der Mittagsstunde erreicht. "Erfolgreich finanziert" - heißt es auf violacrowd.at. 639 Investoren haben 1.499.000 Euro gezeichnet. Und somit ist die Crowdfunding-Aktion kaum nach ihrer Freischaltung schon wieder geschlossen.

Die Austria will das Geld für den Umbau des Stadions im 10. Wiener Gemeindebezirk verwenden. 48 Millionen Euro kostet die Sanierung und teilweise Erneuerung der Fußballarena insgesamt, die ab 2018 Platz für 17.500 Zuschauer haben wird.

Die Konditionen dürften Austria-Fans und Anleger animiert haben. Die Mindesteinlage beläuft sich auf 100 Euro. Der maximale Zeichnungsbetrag beläuft sich auf 5000 Euro, kann aber "auf Nachfrage" auch höher sein. Die Laufzeit des investierten Kapitals beläuft sich auf fünf Jahre.

Der Basiszinssatz beträgt 2,5 Prozent. Mit dem sportlichen Erfolg der Austria erhöht sich auch die Rendite für die Anleger. Der Zinssatz kann bis auf 8,25 Prozent ansteigen. Der Zinssatz erhöht sich für den Anleger mit der Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase, der Champions-League-Gruppenphase sowie mit dem Gewinn von Cup- oder Meistertitel in der jeweiligen Saison. Die Zinsperiode startet erstmals ab 1. August 2016. Der Zins wird in den folgenden fünf Jahren für den Zeitraum 1.8 bis 31.7. berechnet.

Die Zeichnung erfolgt entweder über www.violacrowd.at oder über die österreichische Crowdfunding-Platform CONDA.at, die bereits das Crowdinvesting von Rapid Wien von Ende November bis 1. Februar 2016 abgewickelt hatte.

Das Risiko

Bei den veranlagten Geldbeträgen handelt es sich um nachrangige Darlehen, die der Anleger FK Austria Wien gegen Zinsen zur Verfügung stellt. Nach Ablauf der Laufzeit wird die Veranlagungssumme dem Anleger retourniert. Das Risiko eines Totalverlusts besteht im Fall einer Insolvenz des Klubs. Zuerst würden etwa Banken aus der Insolvenzmasse befriedigt werden. Der Crowdinvestor dürfte danach mit großer Wahrscheinlichkeit leer ausgehen.

Neben den Zinsen lockt die Austria auch mit besonderen Zusatzprämien des FK Austria Wien - den sogenannte "Goodie". Ab einer Investition von 500 Euro gibt es zusätzlich eine Urkunde sowie einen exklusiven Schal, ab 1.000 Euro bekommt der Anleger eine Karte für das Eröffnungsspiel der neuen "Generali-Arena" im Jahr 2018 hinzu. Mit einer Investition in Höhe von 5.000 Euro erhält der Anleger eine exklusive Stadion-Führung mit Herbert Prohaska. Wer 10.000 Euro investiert bekommt ein VIP-Ticket für das Eröffnungsspiel 2018.

Wie bereits berichtet, wird die Austria in den kommenden zwei Spielzeiten ins Ernst-Happel-Stadion ausweichen, um dort seine Heimspiele auszutragen. Die Generali-Arena wird mit dem Umbau und teilweise Neubau auf den Standard einer UEFA-Vier-Sterne-Arena angehoben.

Die Nummer 2

Die Austria Wien ist nicht der erste Fußballklub, der mit Crowdinvesting sich Geld beschafft. SK Rapid Wien hatte bereits ab Ende November 2015 in drei Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sieben und neun Jahren insgesamt drei Millionen Euro von Anlegern eingesammelt. Das Geld wird ebenso zur Finanzierung der neuen Fußball-Arena ("Allianz Stadion") verwendet. Rapid hat mit dem günstigen Geld teure Bankenkredite umgeschichtet.

Der maximale Zinssatz beläuft sich beim "RapidInvestor" auf maximal 9,5 Prozent (Veranlagungszeitraum neun Jahre, Verzinsung ebenso abhängig vom sportlichen Erfolg). Beim Kurzläufer von fünf Jahren, also dem vergleichbaren aktuellen Offert der Austria Wien, liegt die maximale Verzinsung des "RapidInvestor" bei 8,5 Prozent - also ein viertel Prozent über dem Austria "Arena Invest".

Sowohl beim Crowdfunding der Austria als auch bei Rapid handelt es sich um Nachrangdarlehen, das die Anleger mit der Überlassung ihres Geldes dem Fußballklub gewähren.

Die Austria hat allerdings im Gegensatz zu Rapid Wien für die erste Million nur 24 Stunden benötigt. Bei Rapid wurde die Zeichnungssumme von einer Million Euro erst nach einer Woche überhoben. Rapid Wien benötigte für das Einsammeln von drei Millionen Euro 69 Tage. Rund 1500 Investoren hatten sich bis 1. Februar 2016 am "RapidInvestor" beteiligt. Genau ein Monat vor Ende der Zeichnungsfrist wurde die Investitionsrunde bereits abgeschlossen.

Ihre Meinung ist gefragt

Wer hat die besseren Fans?


Lesen Sie dazu auch:
Rapid Wien schürft neues Geld per Crowdfunding
Rapid Wien landet mit "InvesTor" ersten Treffer mit Crowdfunding
Crowdinvesting: Rapid knackt Millionengrenze
Rapid Wien landet mit "InvesTor" ersten Treffer mit Crowdfunding
Rapid Wien schürft neues Geld per Crowdfunding
Crowdfunding-Gesetz: Details und erste Reaktionen

Fußball

Big Business: Luxus-Tickets für UEFA Euro 2020

Marko Arnautovic kassiert in China 245.000 Euro pro Woche

Sport

Marko Arnautovic kassiert in China 245.000 Euro pro Woche

Fußball

Gazprom wird Sponsor bei FK Austria Wien

Wirtschaft

Ankick für Österreichs Fußballklubs zum globalen Spiel