Ex-Real-Trainer Mourinho wegen Steuerhinterziehung angeklagt

Ex-Real-Trainer Mourinho wegen Steuerhinterziehung angeklagt

Der auch für markante Sprüche bekannte Star-Trainer José Mourinho hat Erklärungsbedarf - dieses Mal geht es um Steuerhinterziehung.

Nun ist auch Star-Trainer José Mourinho ist unter Verdacht Steuern hinterzogen zu haben. #TheSpecialOne soll mehrerer Millionen am spanischen Fiskus vorbeigeschleust haben. Anklagen gegen weitere Fußballstars könnten noch folgen oder sind schon im Gang.

Madrid Immer mehr Fußballstars dürften sich abseits des Fußballplatzes in Finanzangelegenheiten verdribbelt haben. Nun kommt zur illustren Runde der Starkicker auch ein Startrainer hinzu, der Millionen Steuern hinterzogen haben soll. Die für Wirtschaftsdelikte zuständige spanische Staatsanwaltschaft in Madrid ermittelt nun gegen Star-Trainer José Mourinho. Es wurde eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung eingereicht.

Laut Angaben der Justizbehörde vom Dienstag soll der nunmehrige Coach von Manchester United 2011 und 2012 insgesamt 3,3 Millionen Euro Steuern unterschlagen haben. Mourinho war damals Trainer von Real Madrid.

Der 54-Jährige steht seit Juli des Vorjahres bei Manchester United unter Vertrag. Nach England war Mourinho 2013 nach Ende seiner Tätigkeit bei Real (ab 2010) zurückgekehrt. Er übernahm damals Chelsea, das er schon zuvor erfolgreich betreut hatte.

TheSpecialOne, wie Mourinho sich selbst nennt, muss sich wegen Steuerhinterziehung vor der spanischen Justiz verantworten wie Cristiano Ronaldo von Real Madrid und die Superstars vom FC Barcelona Neymar sowie einst Lionel Messi und Javier Mascerano.

Nach Angaben von Mourinhos Management, soll der Startrainer alle Steuerverpflichtungen in Spanien erfüllt. Demnach soll er mehr als 26 Millionen Euro Steuern gezahlt haben mit einem Steuersatz von über 41 Prozent, teilte die Beratungsfirma Gestifute.

Die Regularisierungsvorschläge der spanischen Steuerbehörden aus dem Jahr 2015, die sich auf die Jahre 2011 und 2012 bezogen, habe Mourinho darüber hinaus akzeptiert. Außerdem habe der Coach eine Abfindungsvereinbarung bezüglich 2013 geschlossen. Die spanische Regierung habe Mourinho in einem Zertifikat bestätigt, dass er seine Steuerpflichten erfüllt habe, so das Management des Portugiesen.

Und Mourinho dürfte nicht der letzte Star des Millionenbusiness Fußball sein, gegen den die spanische Justiz ermittelt. Wenn die spanischen Ermittler die Liste von "FootballLeks" durchgeht, die von einem internationalen Journalistennetzwerk im Herbst 2016 aufgedeckt wurde, dürfte es noch für den einen oder anderen Fußballstar eng werden. Einige der darin genannten Spieler sind nicht mehr in Diensten von Real Madrid oder anderer spanischer Klubs und haben längst Spanien verlassen.

Cristiano Ronaldo sagt aus

Erst vorige Woche wurde Anklage gegen den portugiesischen Superstar Cristiano Ronaldo erhoben, der sich in den Fängen der Finanz offenbar verdribbelt hat. Der Superstar von Real Madrid, auch CR7 genannt, soll seine Bildrechte über Firmen in Irland und British Virgin Island und somit die Erlöse an der spanischen Finanz vorbeigeschoben haben. 14,7 Millionen Euro soll er laut Anklage der spanischen Finanz hinterzogen haben.

Ronaldo hat angekündigt am 31. Juli vor der ersten Kammer seines Heimatorts Pozuela de Alarcon, 15 Kilometer westlich von Madrid, sich zu den Vorwürfen der Steuerhinterziehung zu äußern. Laut der spanischen Online-Zeitung El Confidencial hat der 32-Jährige eine Vorladung, zu der seine persönliche Anwesenheit erforderlich ist. Ronaldo droht bei einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung ein Haftstrafe von bis zu sieben Jahren.

Der portugiesische Superstar hatte nach Erhebung der Anklage in der Vorwoche umgehend angekündigt, seinen Verein und Spanien verlassen zu wollen.

Der Weltfußballer, der sich gerade mit Europameister Portugal auf den Confederations Cup vorbereitet, ließ seine Anwälte und Manager gleich in mehreren Erklärungen seine Unschuld beteuern.

Spaniens Medien und viele von der Anzeige der Staatsanwaltschaft gegen Ronaldo geschockte Fans konnte der Superstar damit aber nicht überzeugen. Sogar "AS", das Hausblatt seines Vereins Real Madrid, stellte den Torjäger der Madrilenen schonungslos an den Pranger. "Es ist weder verständlich noch akzeptabel, dass die Stars, die Unsummen verdienen, den Fiskus umdribbeln", schrieb Blatt-Direktor Alfredo Relano. Ronaldo habe nicht nur die Finanzbehörden, sondern die gesamte Gesellschaft betrogen, schrieb indes "La Vanguardia".

In die Falschaussage verdribbelt

Und noch ein Superstar des Starensembles von Real Madrid ist im Visier der Justiz. Ronaldos Kollege Luca Modric muss sich in Kroatien verantworten. Die kroatische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Modric wegen Falschaussage aufgenommen. Der 31-Jährige soll im Korruptionsprozess gegen den mächtigen kroatischen Fußballfunktionär Zdravko Mamic wahrheitswidrig ausgesagt haben, berichtete die Behörde am Montag in der Stadt Osijek.

Mittelfeldregisseur Modric hatte seine ursprüngliche Aussage über die Aufteilung der Zahlungen zwischen ihm, Mamic und seinem damaligen Verein Dinamo Zagreb zum englischen Club Tottenham Hotspur im Jahr 2008 geändert. Bei einem Schuldspruch droht eine Gefängnisstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren.

Zdravko Mamic ist als langjähriger Vorsitzender von Dinamo Zagreb und einer der mächtigsten Fußballfunktionäre Kroatiens angeklagt, Verein und Staat bei Spielerverkäufen um rund 130 Millionen Kuna (17,57 Mio. Euro) geprellt zu haben. Mamic bestreitet das. Mitangeklagt sind sein Bruder, der frühere Dinamo-Trainer und Bundesliga-Profi Zoran Mamic, sowie ein weiterer Dinamo-Vorsitzender und ein Steuerberater.

Neymar wartet auf den Steilpass

Im Steuerstrafverfahren gegen Brasiliens Starkicker Neymar in Diensten vom FC Barcelona hat die spanische Staatsanwaltschaft im November 2016 eine zweijährige Haftstrafe für den FC-Barcelona-Fußball-Profi gefordert. Ebenso sollte er zu einer Geldstrafe von zehn Millionen Euro verdonnert werden.

Im Zusammenhang mit dem Wechsel des Brasilianers vom FC Santos nach Barcelona im Sommer 2013 wurde eine Schachtelkonstruktion gewählt, mit der die Ablösesumme absichtlich tief angesetzt wurde, um bei dem Deal Steuern zu hinterziehen. Von der Ablöse in Höhe von 57,1 Millionen Euro gingen offiziell 40 Millionen an Neymars Familie. Die spanischen Behörden gehen aber davon aus, dass eine Ablöse von insgesamt 86 Millionen Euro gezahlt wurde. Das Urteil steht noch aus.

FC Barcelona-Star Lionel Messi ist indes rechtskräftig verurteilt. Der Argentinier war wegen Steuerhinterziehung in der Höhe von 4,1 Millionen zu einer Haftstrafe von 21 Monaten bestraft worden. Sein Glück: Er war Ersttäter und Haftstrafen unter zwei Jahren werden in Spanien nicht vollstreckt und wie eine Bewährungsstrafe behandelt. Zur Umgehung der spanischen Steuer hatte Messi seine Werberechte an ein Netz von Scheinfirmen abgetreten haben. Die Honorare, die der Argentinier von verschiedenen Weltkonzernen für seine Werbeauftritte erhielt, sollen an der spanischen Steuer vorbei in verschiedene Steuerparadiese geflossen sein.

Im Dezember 2015 hatte der argentinische Abwehrstar Javier Mascerano vom FC Barcelona bereits seinen Steuerprozess. Wegen Steuerhinterziehung fasste er eine Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung aus. Mascherano hatte vor Gericht zugegeben, in den Jahren 2011 und 2012 1,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Er zahlte die Summe im September mit den fälligen Zinsen nach.

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