Abpfiff: Platini verkündet Rücktritt als UEFA-Präsident

Abpfiff: Platini verkündet Rücktritt als UEFA-Präsident

Rien ne va plus - nicht's geht mehr: Michel Platini tritt als Fußball-Funktionär bei der UEFA ab. Sein Nachfolger könnte ein Österreicher werden.

Der Präsident der Europäischen Fußball-Union UEFA hat nach der geringfügigen Reduzierung seiner Sperre den Rückzug angetreten. Michel Platini wurde vom Fußball-Weltverband FIFA wegen einer dubiosen Zahlung vom Ex-FIFA-Chef Blatter gesperrt. Er sieht sich noch immer keiner Schuld bewusst und empfindet die Vorgänge um seine Person als "Ungerechtigkeit". Die UEFA muss nun rasch einen Präsidenten suchen, der aus Österreich kommen könnte.

Lausanne/Paris. Michel Platini kommt seinem Rauswurf zuvor und tritt als UEFA-Präsident zurück nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS nur geringfügig die vom Fußballweltverband FIFA verhängte Strafe reduziert hat. CAS hat am Montag die von der FIFA gegen den Franzosen verhängte Sperre von sechs auf vier Jahre reduziert. Wie seine Anwälte nach der Sitzung bekannt gab, wird Platini beim nächsten Kongress der Europäischen Fußball-Union sein Amt zurücklegen.

Der einstige Weltklassespieler war vom Weltverband ebenso wie der frühere FIFA-Chef Joseph Blatter für sechs Jahre gesperrt worden. Hintergrund ist eine dubiose Zahlung in Höhe von zwei Millionen Franken von Blatter an Platini im Jahr 2011. Diese Summe hatte der Schweizer laut eigener Aussage als verspätetes Gehalt wegen Platinis Tätigkeit als Präsidentenberater in den Jahren 1999 bis 2002 überwiesen. Die Zahlungen sind aber nicht in den Büchern der FIFA angegeben worden.

In dem Urteilsspruch bestätigte der CAS, von der Rechtmäßigkeit der Zahlung von Joseph Blatter an Michel Platini "nicht überzeugt" zu sein.

Zudem soll Platini von der Verlängerung eines Altersvorsorge-Plans profitiert haben, "zu der er nicht berechtigt war". Die Kammer halte eine lange Sperre "im Lichte der Spitzenfunktion von Herrn Platini, der Abwesenheit jeglicher Reue und des Einflusses dieser Sache auf den Ruf der FIFA" für gerechtfertigt. Die Entscheidung der Richter sei einstimmig erfolgt.

"Auf der Grundlage dieser Ergebnisse befand die CAS-Kammer die Sperre, die von der FIFA gegen Mr. Platini verhängt worden war, dennoch für zu hart und entschied daher, diese Sperre auf vier Jahre zu reduzieren", hieß es weiter. Dies stehe in Einklang mit der Dauer der Amtszeit eines Präsidenten. Deshalb wurde die Sperre um zwei Jahre gemindert. Was Platini aber nicht reicht, um weiterhin sein Amt ausführen zu können.

Die Suche nach einem Präsidenten

Die UEFA, die ab Anfang Juni in Frankreich die Euro 2016 veranstaltet, ist nun auf der Suche nach einem neuen Präsidenten. Für Platini ist mit dem Spruch des CAS das Ende der Karriere als Fußball-Funktionär besiegelt. Er kündigte aber an, vor Schweizer Zivilgerichten gegen die Entscheidung, die Sperre gegen ihn im Kern zu bestätigen, vorgehen zu wollen. "Ich nehme die Entscheidung des CAS zur Kenntnis, halte sie aber für eine gravierende Ungerechtigkeit", hieß es in der Stellungnahme.

Als einer der verheißungsvollsten Kandidaten wurde zuletzt immer wieder der Präsident des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) Leo Windtner genannt, der seit Februar 2009 an der Spitze des österreichischen Fußballs als Präsident steht. Auch der Verbandschef des niederländischen Fußballverband Michael van Praag wird als Platini-Nachfolger gehandelt. Van Praag wurde im Vorjahr sogar als Nachfolger von FIFA-Chef Blatter gehandelt. Beide dürften gute Chancen haben die UEFA-Präsidentschaft zu übernehmen.

Die Wahl des neuen Präsidenten wird höchstwahrscheinlich nicht mehr vor der Euro 2016 über die Bühne gehen. Zur Euro soll ledglich ein interimistischer Präsident bestellt werden. Der Nachfolger von Platini soll erst im September gewählt werden.

Die Ermittlungen gegen Blatter

Gegen den ehemaligen FIFA-Präsident Blatter wird ebenfalls ermittelt. Zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Monat soll der Fall in Lausanne verhandelt werden. Auch Blatter wurde gesperrt. Er hat eine Sperre von acht Jahren ausgefasst und darf weltweit keine Fußball-Funktionen ausüben.

Mehrere Stunden hatten die CAS-Richter am 29. April getagt, um die brisante Causa zu verhandeln. "Ich habe die Wahrheit erklärt. Es gibt nichts, was ich mir vorwerfen müsste", hatte Platini nach der Anhörung gesagt. Das beteuert der Franzose seit dem 8. Oktober, damals wurden Verfahren der Ethikkommission gegen ihn und Blatter eingeleitet.

Nach Aussagen des Funktionärs-Duos war die Zahlung verspätetes Gehalt für Platinis Dienste um die Jahrtausendwende. Verbucht wurde die Summe in den FIFA-Büchern aber nicht. Die durch die Ethikkommission des Weltverbands ausgesprochene Sperre von acht Jahren wurde durch die Berufungskammer auf sechs Jahre reduziert.

Für Platini hätte sich nur bei einer deutlicheren Reduktion der Sperre die Chance auf eine Rückkehr in den Chefsessel der UEFA ergeben. Für den 18. Mai hat Europas Kontinentalverband eine Sondersitzung seines Exekutivkomitees anberaumt. Dort wird wohl auch über das Prozedere der Präsidentenneuwahl beratschlagt.


Die Karriere von Michel Platini (60 Jahre):

geboren: 21. Juni 1955 in Joeuf/Frankreich
Karriere als Spieler: 1973-1979 AS Nancy-Lorraine, 1979-1982 AS Saint Etienne; 1982-1987; Juventus Turin
72 Länderspiele/41 Tore

Größte Erfolge als Spieler:
* Europameister 1984
* WM-Dritter 1986
* Europas Fußballer des Jahres 1983, 1984, 1985
* Französischer Meister 1981
* Italienischer Meister 1984, 1986
* Europacupsieger der Landesmeister 1985
* Europacupsieger der Cupsieger 1984
* Weltpokal-Gewinner 1985

Weitere Karriere:
1988-1992 Teamchef der französischen Nationalmannschaft
1992-1998 Co-Präsident Organisationskomitee WM 1998 in Frankreich
ab 2002 Mitglied Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union UEFA
ab 2007 UEFA-Präsident


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