1860 München entlässt Trainer Alexander Schmidt

1860 München entlässt Trainer Alexander Schmidt

Rock'n'Roll statt Blues, Motörhead statt Volksmusik: Trainer Alexander Schmidt ist der neuen Marschrichtung der Münchner Löwen zum Opfer gefallen. Nach nur sechs Spieltagen entließ der Vorstand des Fußball-Zweitligisten 1860 den bisherigen Übungsleiter - nur wenige Stunden nach der 0:2 (0:2)-Heimpleite gegen den SV Sandhausen und auf Platz vier stehend.

"Wir haben frühzeitig reagiert, um unsere Ziele für die Saison nicht zu gefährden", sagte Geschäftsführer Robert Schäfer nach einer Krisensitzung am Samstagvormittag. Sportdirektor Florian Hinterberger meinte, es sei nun Zeit für einen Neuanfang, auch weil Schmidt nie eine richtige Chance bei den Fans gehabt habe. "Was da abgelaufen ist, ging unter die Gürtellinie. So etwas wäre Thomas Tuchel in Mainz nicht passiert."

Die Trennung von Schmidt ist bereits die dritte Trainer-Entlassung in der laufenden Saison der 2. Liga. Zuvor hatte es schon Franco Foda beim 1. FC Kaiserslautern und Peter Pacult bei Dynamo Dresden erwischt. Wer in Zukunft in München verantwortlich sein soll, ist derzeit noch ungewiss. "Wir werden ganz in Ruhe einen Nachfolger aussuchen. Bis dahin wird Co-Trainer Markus von Ahlen zusammen mit seinen Kollegen Denis Bushuev und Kurt Kowarz das Training leiten", sagte Hinterberger.

Bereits vor zwei Wochen hatte sich angekündigt, dass Schmidts Zukunft an der Grünwalder Straße stark erfolgsabhängig ist. Nach seiner Wahl zum Präsidenten hatte Gerhard Mayrhofer den Mitgliedern zugerufen: "Ich glaube, wir werden in alle Gremien Bewegung reinbringen." Er wolle mehr "Rock'n'Roll", weniger "Löwen-Blues": "Damit muss jetzt Schluss sein. Wir müssen den Frust in Energie umwandeln, dann haben wir eine große Chance." 1860 dürfe ein wenig mehr Motörhead sein.

Mit drei Siegen und drei Niederlagen stehen die Löwen in ihrer zehnten Zweitliga-Saison in Serie noch immer passabel da, umso verwunderter war Kapitän Guillermo Vallori: "Wir haben zwei schlechte Spiele in Folge gemacht, aber das ist jetzt schon eine Überraschung. Der Trainer trägt jedenfalls nicht die alleinige Schuld." Der abgesetzte Spielführer Benny Lauth, nachweislich kein Freund des entlassenen Schmidt, meinte: "Gott sei dank haben sich die anderen Teams noch nicht abgesetzt, aber wenn man gegen Sandhausen kein Tor erzielt, kann etwas nicht stimmen."

Geschäftsführer Schäfer bedauerte die Entscheidung: "Alex hat fachlich sehr gute Arbeit geleistet und war absolut bestrebt, unsere Ziele zu erreichen. Die Entwicklung der Mannschaft verlief zuletzt allerdings nicht wie gewünscht." Die Erwartungen der Fans, des Umfelds, des Vorstands und des Investors Hasan Ismaik gehen über Platz vier, den 1860 nach dem Freitagsspiel belegte, hinaus. Das wusste auch Trainer Schmidt, als er im vergangenen November das Amt von Reiner Maurer übernommen hatte.

"Wir wollen aufsteigen, ganz klar", lautete seine Ansage vor dem Saisonstart. Drei Siege in Folge nährten die Vorfreude auf die baldige Bundesliga-Rückkehr, doch spielerisch lag einiges im Argen. "Es tut mir leid, aber sowas können wir nicht anbieten", sagte Schmidt nach der Pleite gegen Sandhausen - mit Rock'n'Roll hatte der blutleere Auftritt tatsächlich wenig zu tun.

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