Fußball WM 2014: Viva Espana! Der Weltmeister will noch nicht abdanken

Fußball WM 2014: Viva Espana! Der Weltmeister will noch nicht abdanken

Spaniens König Juan Carlos hat am Dienstag offiziell abgedankt. Fußball-Weltmeister Spanien wird noch mindestens bis zum 13. Juli im Amt bleiben, will die Regentschaft aber trotz der Auftakt-Pleite gegen die Niederlande um vier Jahre verlängern. Drei Fragen und Antworten zum Weltmeister Spanien vor dem Spiel gegen Chile.

Wurden die Spanier bei der 1:5 Klatsche gegen die Niederlande nur auf dem falschen Fuß erwischt? Oder markiert die Niederlage das (vorläufige) Ende der großen Fußball-Nation Spanien? Oder ist Tiki-taka nicht mehr zeitgemäß?

Wer zur Halbzeit beim Auftakt zwischen Spanien und Niederlande noch auf einen Sieg der Holländer getippt hätte, wäre als Optimist wohl bezeichnet worden. Kaum jemand hätte den Holländern noch mehr als den Gleichstand zugetraut, bestenfalls einen knappen Sieg. Wer aber nach dem Match gleich den Untergang Spaniens sieht, sollte bedenken: Die Spanier haben nur ein Spiel verloren. Die Abwehr und die defensiven Mittelfeldspieler haben total versagt. Ein Umstand, der so nicht ein zweites Mal passieren wird.

Und seien wir doch ehrlich: Unterm Strich wird Spaniens Holland-Blamage genauso gezählt wie die 0:1 Niederlage gegen die Schweiz vor vier Jahren bei der Weltmeisterschaft in Südafrika, von der die Spanier am Ende mit der Copa in den Händen nach Hause kamen: Null Punkte für Spanien, drei für den Gegner. Die Tordifferenz sollte am Ende der Gruppenphase keine Rolle spielen, wenn die Spanier die beiden noch ausstehenden Spiele für sich entscheiden.

Alle, die bisher im spanischen Spiel vor allem das nicht enden wollende Kurzpassspiel namens Tiki-taka sahen, und nun den dessen Untergang herbeireden, sei es doch einmal gesagt: Tiki-taka ist der Stil des CF Barcelona, der in den vergangenen drei Saisonen schon nicht mehr so erfolgreich war, wie es manche Reporter der Welt immerzu einsagen wollten. Das spanische Team spielt schon seit Jahren ein weiterentwickeltes System, auf das der Rest der Welt neidisch blickt. Noch immer.

Kein System ist für die Ewigkeit

Spaniens Teamchef Vicente Del Bosque, selbst einst ein Mittelfeldspieler bei Real Madrid – heute würde man ihn als „Sechser“ und Antreiber bezeichnen, der aus der einer starken Defensive höchst erfolgreich das Offensivspiel mitentwickelt hatte, hat bereits seit längerem dem Tiki-taka abgeschworen. Eine Gesetzmäßigkeit kennt der Spanier auch: Auch im Fußball ist nie etwas für die Ewigkeit.

Das gilt genauso für „Fußball Total“, das die Holländer und Ajax Amsterdam unter Johann Cruyff zum Maß der Dinge auf dem internationalen Parkett machten, für Argentinien, mit einem ebenso starken auf Offensive ausgeprägten System der 1970er und 80er Jahre, das von einer starken Defensivleitung lebte. Oder auch Frankreichs Offensiv-System, basierend auf einem Kollektiven System mit einer Kombination von feiner technischer Klinge gepaart mit Hochgeschwindigkeitsfußball. Alles hat sich überlebt. Und ob die Niederländer nun einen neuen Stil prägen, gilt es abzuwarten.

Es war einmal Tiki-taka

Tiki-taka ist Geschichte – ein katalanische Schöpfung, einst von Pep Guardiola bis zum Exzess entwickelte Kurzpassspiel des CF Barcelona, kann offenbar auch nicht einfach kopiert werden – um unterm Strich auch erfolgreich den Endzweck zu erreichen. Sprich: Ohne Tor spielt koa Musi. Tiki-taka ist spätestens gestorben, als Bayern München gegen Real Madrid im Frühjahr sang- und klanglos im Semifinale der abgelaufenen Champions League untergegangen ist. Was nutzen 80 Prozent Ballbesitz, wenn kein Tor erzielt wird? Oder: Was nutzt Ballbesitz, wenn das Restrisiko so groß ist, dass mit schnellen Kontern eine Weltklasse-Abwehr ausgehebelt werden kann?

Selbst die Brasilianer mussten gegen Mexiko sehen, dass ihr Verständnis zum Kurzpass-Spiel selbst von einem Team, das kaum zu den Favoriten zu zählen ist, durch geschlossene Verteidigung in der gegnerischen Hälfte erstickt wird. Eines ist auch gewiss: Ohne Kampf und Tempo wird keiner der Favoriten weit kommen – die Mexikaner haben es gezeigt, dass die Kleinen alles andere als Kanonenfutter sind. Spaniens heutiger Gegner Chile hat gegen Australien im Auftaktmatch eher mit Rumpelfußball als mit der feinen Klinge überzeugt, die ihnen in den Vorbereitungsspiel gerade gegen Deutschland bescheinigt wurde.

Abteilung Attacke

Im richtigen Moment dürften die zuletzt doch sehr erfolgsverwöhnten Spanier ausgerechnet vom Vize-Weltmeister Niederlande einen Warnschuss bekommen haben. Allen voran werden Ramos, Casillas (er wird bestimmt wieder das Tor hüten – warum auch nicht), Iniesta und Costa dafür sorgen, dass die Iberer souverän zum ersten Sieg eilen. 90 Minuten Einsatz, Dynamik und Hochgeschwindigkeitsfußball mit höchster Konzentration – so wie wir es von den Spaniern bisher kennen – haben die Chilenen zu erwarten.

In den Vorbereitungsspielen haben die Spanier aufgezeigt, dass sie’s können. Und Tiki-taka nicht mehr ihr eigenes Maß ist, an dem sie sich orientieren. Und bei der starken Besetzung der Spanier muss es dem Gegner alleine schon immer noch Angst und Bange werden.
Viva Espana – der König hat abgedankt. Es lebe das neue Kollektiv. Oder im Terminus der Kunst ausgedrückt: La Movida 2.0!

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