Fußball-WM 2014: So entstehen die Quoten

Fußball-WM 2014: So entstehen die Quoten

Jetzt beginnt die Hochsaison der Wettbüros und Online-Zocker-Portale. Vor allem Neukunden werden zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft mit attraktiven Boni wie Gratis-Wettguthaben umworben.

Für die Wettindustrie ist die Fußball-WM allerdings eine zweischneidige Veranstaltung: "Einerseits zieht das Großereignis breite Kundenschichten, auch viele Frauen an, die sich sonst weniger für Fußball interessieren“, erklärt Michael Wondra, Chef des österreichischen Sportwettenanbieters Cashpoint : "Im Gegenzug fallen während der WM aber weltweit Tausende andere Spiele aus. Ohne Fußball-WM wäre das Wettangebot doppelt so groß.“

Dass die Fußball-WM für die Sportwettenanbieter ein großes Geschäft wird, wagt im Vorfeld niemand zu behaupten: "Wir sind dem Spiel und vielen Überraschungen ausgeliefert. Es könnten ja zum Beispiel auch zwei mittlere Außenseiter bis in die Endrunden kommen. Gerade Großereignisse wie eine Weltmeisterschaft leben auch von diesen Überraschungen. Vor dem letzten Spiel kann kein Wettanbieter sagen, ob die WM ein gutes Geschäft war oder nicht.“

Umso mehr müssen die Buchmacher in ihren mit Dutzenden Fernsehern und Monitoren bestückten War Rooms an umsatz- und renditestarken Quoten basteln. Anhand des Eröffnungsspiels Brasilien gegen Kroatien lässt sich das vorrangig auf Statistiken und Mathematik beruhende Zustandekommen dieser Quoten analysieren.

Zunächst studiert der Buchmacher die mehrjährigen Ergebnisreihen von Direktspielen beider Mannschaften, um eine Sieg-Wahrscheinlichkeit aufzustellen. Im konkreten Fall gab es bisher erst zwei Begegnungen: ein Unentschieden bei einem Freundschaftsspiel und einen Sieg der Seleção bei der 2006er-WM. Dann werden die Ergebnisse der Qualifikationrunde und die letzten internationalen Bewerbsspiele herangezogen. Kroatien kämpfte sich mit wenig Glamour auf den zweiten Platz der Quali-Gruppe durch. Die Brasilianer holten letztes Jahr den FIFA Confed-Cup und besiegten im Finale Welt- und Europameister Spanien mit 3:0. schaftsstärke ergibt. Hier sind die Brasilianer eine Klasse für sich, während die Kroaten unter Sperren und Verletzungen leiden. Superstars wie Neymar, Thiago Silva, Dante, Fernandinho, Hulk oder Marcelo sind hingegen eine Klasse für sich, die sie auch in ihren europäischen Heimligen und der Champions League bewiesen haben.

Quotenfaktor Bauchgefühl

Cashpoint-Chef Wondra hält zudem die Erfahrung der Buchmacher für entscheidend sowie deren Gefühl und ihre Intuition. Letztere ist auch ausschlaggebend für die Unterschiede bei den Quoten der einzelnen Anbieter. Und natürlich versuchen die firmeneigenen Wettexperten möglichst viele Informationen über neue Verletzungen, die Stimmung der Mannschaft und sogar Wetter und Platzverhältnisse zu bekommen.

In den unterschiedlichen Quoten für ein und dasselbe Match zeigt sich auch die Höhe der Gewinnauszahlungen im Verhältnis zu den Einsätzen. Faire Anbieter schütten rund 90 Prozent der Einsätze wieder aus und begnügen sich mit den restlichen zehn Prozent als Einnahme. Gewiefte Onlinewetter spüren so lange auf den Internetseiten von Admiral, bwin, William Hill, Cashpoint oder asiatischen Bookies herum, bis sie die für sich attraktivste Quote finden. Haken dabei: Der Zeitaufwand ist enorm - denn die Quoten werden natürlich laufend angepasst. Die Insiderinfo eines Buchmachers über einen feuchtfröhlichen Abend eines Spielers vor dem Match führt logischerweise zu einer sofortigen Quotenänderung. Ebenso die plötzliche Zunahme von Einsätzen auf ein bestimmtes Ergebnis. Hier werden auch die Mechanismen gegen Wettbetrug aktiviert - eine Gefahr, die bei der WM allerdings weniger droht.

Während Brasilien gegen Kroatien eine klare Sache zu sein scheint, bieten die Wetten auf den künftigen Weltmeister mehr Risiko - und damit natürlich auch die Chance auf höhere Gewinne.

Derzeit sieht es so aus: Weltmeister wird Brasilien (Quote 1:3,8) vor Argentinien (1:6), Deutschland (1:7) und Spanien (1:8). Absolute Außenseiter sind Australien, Costa Rica oder Algerien. Wer jetzt auf eine dieser Mannschaften setzt und Recht behält, bekommt für jeden Euro Einsatz 320 Euro an Siegesprämie.

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