Fußball WM 2014: Islamische Geistliche verdammen das runde Leder

Der Ramadan begleitet die entscheidenden Matches, Public Viewings werden in Afrika zur Zielscheibe für Islamisten - und in Saudi-Arabien verdammte ein Geistlicher "das schändliche westliche Spiel".

Fußball WM 2014: Islamische Geistliche verdammen das runde Leder

Der saudi-arabische Scheich Abdel Rahman al-Barrak erließ eine Fatwa, in der er argumentiert, durch die Befolgung der Regeln des internationalen Fußballs hätten die Muslime "Gewohnheiten der Feinde des Islam angenommen". Hierbei gehe es um Spiele von "frivolem" Charakter. Fußball sei "eine Verschwendung von Energie, Zeit und Geld". Scheich al-Barrak gilt als Vertrauter des saudischen Königshauses.

Anlass für seine Fatwa war die Anfrage eines Muslims auf der Website des Geistlichen, wie die Gläubigen mit der "Bewunderung ausländischer Fußball-Spieler" umgehen sollten. Der Fußballsport sei verantwortlich für viele "abscheuliche und korrupte Aktionen", antwortete der Scheich. In diese Kategorie ordnete er auch "Freundschaft und Bewunderung gegenüber ungläubigen Spielern" ein.

Bereits im Vorjahr hatte der wahhabitische Geistliche den Fußball als "Mutter aller Verbrechen" beschrieben, der "ungerechtfertigte Freude" hervorrufe. Er kritisierte die Regierungen islamischer Staaten, die in diesen Massensport investierten und die Ausrichtung von Mega-Veranstaltungen wie die Weltmeisterschaft anstrebten. Das war eine unmissverständliche Anspielung auf sein eigenes Land und das Emirat Katar, wo die übernächste Fußball-WM im Jahr 2022 stattfinden soll.

Al-Barrak ist nicht der einzige ultrakonservative Kleriker, der über den weltweit populären Sport herfiel. Der kuwaitische Scheich Abdel Muhsin al-Mutairi argwöhnte über "ein jüdisch-christliches Instrument zur Unterminierung der islamischen Kultur". Für einen zweiten saudischen Scheich, Suleiman al-Alwan ist das Fußballspiel dagegen "eine Verschwörung von Freimaurern". Nach der Vorstellung Al-Alwans, der den Spitznamen "Al Quaida-Mufti" trägt und zurzeit wegen der Unterstützung von Selbstmordattentaten eine Haftstrafe absitzt, sollen islamische Jugendliche damit "in die Dunkelheit der westlichen Kultur" getrieben werden. Dabei finden sich gerade unter islamischen Führern, die alles andere als gemäßigt, sondern militanten Gruppen und Jihadisten zuzurechnen sind, begeisterte Anhänger des Fußballsports. Zu ihnen zählen der Chef der radikalen Hamas im Gaza-Streifen, Ismail Haniyeh, und der Führer der radikalen Hisbollah im Libanon, Scheich Hassan Nasrallah. Auch der von den Amerikanern in Pakistan getötete Al-Quaida-Chef Osama bin Laden galt als deklarierter Fan.

Jihadisten und Salafisten machen sich indessen den Fußball zunutze. Oft "fischen" militante Gruppen in Sportclubs junge Kämpfer für ihre militaristischen Zwecke. Ihr Argument: Fußball fördere die Kameradschaft und stärke die Militanz. So habe auch die extremistische Gruppe "Islamischer Staat im Irak und in der Levante" (ISIS/ISIL), die zuletzt Teile des Irak unter ihre Kontrolle brachte, den Fußball als Rekrutierungsinstrument genützt, berichtete kürzlich eine türkische Zeitung. In einem Video prahlte ISIS mit einem Kämpfer, "der für Arsenal in London spielte, dem Fußball, dem Geld und dem europäischen Lifestyle Adieu sagte, um dem Ruf Allahs zu folgen".

Die jungen islamischen Fußball-Fans werden sich von derlei Sprüchen nicht abschrecken lassen. Noch dazu, wo die "algerischen Wüstenfüchse" es bei der WM bis ins Achtelfinale geschafft und den Deutschen am gestrigen Montagabend in Porto Alegre hart zugesetzt haben. In einer Reportage aus dem Gaza-Streifen zeigte das deutsche Fernsehen, wie sich palästinensische Jugendliche ein Public Viewing der Brasilien-Spiele organisieren. Eine höchst willkommene Abwechslung in ihrem tristen Alltag.

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