Fußball WM 2014: Im Netz der globalen Wett-Mafia

Fußball WM 2014: Im Netz der globalen Wett-Mafia

Der lange Arm der internationalen Wettmafia dürfte jetzt sogar die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien erreicht haben. Lange schienen Manipulationen im Olymp des runden Leders undenkbar - doch das Vorrundenspiel Kamerun gegen Kroatien gibt Anlass zu schwerer Sorge.

Hat die internationale Wettmafia bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien die Finger im Spiel? Das Gruppenspiel zwischen Kamerun und Kroatien lässt diese Vermutung aufkommen. Es wird ermittelt.

So sollen laut einem Wettmafia-Insider ganze sieben Spieler der afrikanischen Mannschaft gekauft worden sein, um das vorausgesagte 0:4-Endergebnis plus Platzverweis sicherzustellen. Ein Blick auf die Spielaufzeichnungen bestätigt: Die Kameruner haben bei Weitem nicht ihre volle Leistung gebracht, müde verteidigt, und Topstar Alex Song scheint seine rote Karte geradezu mutwillig provoziert zu haben. Jetzt ist Feuer am Dach, und der Weltfußballverband FIFA will mit rigoroser Aufklärung und Untersuchung den Imageschaden bei der WM 2014 in Grenzen halten. Auch der nationale Verband aus Kamerun ist um Schadensbegrenzung bemüht.

Ex-Rapid-Präsident und Vorstand des Vereins zur Wahrung der Integrität im Sport (Play Fair Code) Günter Kaltenbrunner zeichnet ein düsteres Bild: "Wettmanipulationen und Match Fixing (so der Fachausdruck für gekaufte Resultate) sind eine echte Bedrohung für den Sport. Kriminelle Energie kann man bei niemandem ausschließen - Vorwürfe, auch bei der WM, muss man sehr ernst nehmen, denn Wettbetrug ist kein Kavaliersdelikt.“

Kaltenbrunners Verein ist vorrangig in der Prävention tätig, hält Schulungen für Schiedsrichter, Funktionäre und Spieler ab und ist in engem Kontakt mit internationalen Behörden zur Vereitelung von Match Fixing. Er verfügt über Daten und Zahlenmaterial, die jedem Fußballfan den kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Die für die UEFA arbeitende Agentur Sportradar hat demnach festgestellt, dass bei 0,5 Prozent der Topspiele (also 1. und 2. Liga, Champions League etc.) Manipulationsverdacht besteht. Rund 350 Spiele pro Jahr sind nachweislich beeinflusst - das heißt: fast jeden Tag ein Match. Und laut Kaltenbrunner ist das nur die berühmte Spitze des Eisbergs.

Geldwäsche-Vorwürfe

tipp3-Vorstand Philip Newald ortet im organisierten Wettbetrug ebenfalls ein massives Problem für den Fußball. Und er weist darauf hin, dass es gerade im asiatischen Wettmarkt häufig auch um Geldwäsche geht. Den dortigen Buchmachern ist das egal - sie würden rein am Umsatz verdienen und kein vernünftiges Risk Management betreiben.

Newald: "Das sind keine normalen Buchmacher. Die nehmen alles an, wie Banken, die ohne Bonitätsprüfung jedem einen Kredit geben würden.“ Erschreckend: Eben jene asiatischen Internetanbieter wie SBOBet (Lizenz auf den Philippinen, verwickelt in den deutschen Wettskandal 2009) haben 30 bis 40 Prozent Anteil am Gesamtmarkt.

Die Dimension der internationalen Wettmafia ist in der Tat gigantisch. Laut Interpol werden jedes Jahr Wetten in Höhe von rund einer Milliarde Dollar auf Fußballspiele abgeschlossen. Zum Vergleich: Die Summe an Einnahmen aus TV-Rechten und Sponsoren-Deals im Weltfußball liegt bei geschätzten 25 Milliarden Dollar.

Klar, dass bei so viel Geld kriminelle Energie angezogen wird. Der jetzt als Kamerun-Jäger auftretende Ex-Wettpate Wilson Raj Perumal meint, dass Wettbetrug mehr Geld umsetze und weniger Risken berge als etwa Drogenhandel. Außerdem sind in vielen Ländern die Gesetze relativ lasch, und die moralische Verurteilung fällt auch (noch) milder aus.

Mahnende Stimme

Es gibt allerdings auch mahnende Stimmen, die nicht gleich in jeder Auffälligkeit Wettbetrug wittern wollen. So hat Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer Zweifel daran, dass sich Weltklassekicker wie Kameruns Alex Song wirklich wegen eines Spiels korrumpieren lassen würden - bei einer Barcelona-Jahresgage im Millionenbereich und einem Marktwert von 18 Millionen Euro. Außerdem sei es schwierig und teuer, ganze sieben Spieler zu kaufen, die ja nicht in Unterklasse-Vereinen spielen. Er räumt allerdings ein, dass man nichts ausschließen könne. Aus Erfahrung ist er auf jede negative Überraschung gefasst. Play-Fair-Code-Chef Kaltenbrunner kann aber genau erklären, wie Spieler in die Abhängigkeit der Zocker-Barone geraten. Oft ist ein absichtlich herbeigeführter Eckball oder ein Hands die Einstiegsdroge. Solche Ereigniswetten sind mittlerweile in Österreich geächtet, in Asien aber gang und gäbe. Bis zu 50 Mitarbeiter der organisierten Banden sind beschäftigt, ein Spiel zu fixen. Spieler werden gezielt auf Schwachstellen wie Schulden, Liebhaberinnen oder Kartenspielleidenschaft durchleuchtet. Was folgt, sind Drohungen und Erpressungen.

Die Beispiele Sanel Kuljiæ oder Dominique Taboga aus Österreich zeigen diese Schnittmuster deutlich auf. Mit den diesbezüglichen Anklagen ist übrigens noch im Sommer zu rechnen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Gefahr bei der WM

Zwar haben die großen, renommierten Wettanbieter und die Fußballverbände umfangreiche Vorwarnsysteme installiert. Gerade bei der Weltmeisterschaft würden diese aber nicht vollständig greifen. "Bei Weltmeisterschaften gibt es speziell bei den asiatischen Anbietern viel höhere Limits als bei Ligaspielen. Einsätze im sechsstelligen Bereich fallen da nicht auf, weil viel mehr gewettet wird“, sagt Florian Cerovsek, Betreiber von wettforum.info, dem größten Sportwetten-Onlineforum im deutschsprachigen Raum.

Die Situation ist ernst. Zuschauer und Sponsoren sehen die Fußballspiele deutlich kritischer als noch vor wenigen Jahren. Bei jedem Fehler oder unglücklichen Toren schleicht sich ein unangenehmer Verdacht auf Manipulation ein.

Daher fordert Kaltenbrunner ein entschiedenes länderübergreifendes Vorgehen. In Österreich sei man schon recht weit und genieße in Europa Vorbildfunktion. Trost: Bei den kommenden Prestigeduellen der im Turnier verbliebenen Mannschaften droht wenig Gefahr. Beim Endkampf um den Goldpokal sind selbst hohe Bestechungsgelder an Spieler wirkungslos.

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