Fußball WM 2014: Erinnerungen an die "Schande von Gijon"

Fußball WM 2014: Erinnerungen an die "Schande von Gijon"

Vier Jahre nach Argentinien qualifizierte sich das ÖFB-Team auch für die WM 1982 in Spanien. Den Helden von Cordoba folgte allerdings die Schande von Gijon. Dieser schwarze Freitag ist 32 Jahre später wieder allgegenwärtig. Den USA und auch Deutschland reicht ein Unentschieden für den Aufstieg ins Achtelfinale, die Trainer Joachim Löw und Jürgen Klinsmann sind gut befreundet.

Toni Schumacher denkt noch heute mit Scham an jenen 16. Juni 1982. "Das Geschrei ist damals groß gewesen, das Spiel war ja auch nicht zum Hinsehen", sagt der damalige Torhüter und meint die "Schande von Gijon" - jenes 1:0 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Österreich, das als eines der dunkelsten Kapitel in die DFB-Historie eingehen sollte. Dies mache die Sache "noch spezieller", sagt Schumacher im Express: "Am Ende geht es ums Weiterkommen - egal wie! Ich bin gespannt, wie das am Donnerstag läuft ..."

Wie das 1982 lief, ist hinlänglich bekannt. Deutschland und Österreich verständigen sich nach dem frühen 1:0 durch Horst Hrubesch über weite Strecken der Partie auf einen "Nichtangriffspakt". Algerien, das zuvor das deutsche Team noch beim 1:2 bis auf die Knochen blamiert hatte, scheidet tatenlos aus und fühlt sich wohl zu Recht noch heute betrogen.

Das spanische Publikum pfeift sich während des unwürdigen Spektakels die Seele aus dem Leib und wedelt mit Taschentüchern, algerische Zuschauer halten Geldscheine in die Kameras. ARD-Kommentator Eberhard Stanjek spricht von einer Schande, Kollege Robert Seeger fordert die Zuschauer zum Abschalten auf. Die deutsche Mannschaft um Paul Breitner oder Karl-Heinz Rummenigge hat trotz des späteren Finaleinzugs endgültig ihr Gesicht verloren.

Die trotzigen Aussagen mancher Beteiligter setzen dem Ganzen die Krone auf. Die Pfiffe seien demotivierend gewesen, meint Ulli Stielike. Uwe Reinders erklärt, es interessiere ihn nicht, "wenn Tante Frieda zu Hause Zirkus macht". Und auch Paul Breitner wollte noch 2006 in einem ZDF-Interview nichts Verwerfliches festgestellt haben. Irgendwann beginne fast jedes Team, ein Ergebnis "zu verwalten", meinte er lapidar.

Österreichs Delegationsleiter Hans Tschak schlägt dem Fass jedoch den Boden aus. "Wenn jetzt 10.000 Wüstensöhne einen Skandal entfachen wollen, zeigt das doch nur, dass die zu wenig Schulen haben", sagt er: "Da kommt so ein Scheich aus einer Oase, darf nach 300 Jahren mal WM-Luft schnuppern und glaubt, jetzt die Klappe aufreißen zu können."

Die Kritik kommt aus aller Welt. Der Telegraaf hat "ein schmutziges Stück Fußball-Porno" gesehen, die französische Libération schreibt: "Wenn die Algerier Rassismus rufen, haben sie nicht unrecht". Das spanische Blatt El Comercio veröffentlicht den Spielbericht bei den Polizeimeldungen unter "mutmaßlicher Betrugsfall".

Jahre später behauptet Walter Schachner, dass es sehr wohl Absprachen gegeben habe. Er selbst habe davon aber "nichts mitbekommen". Das mag wohl stimmen: Schachner war der Einzige, der nach dem Wechsel überhaupt noch einmal aufs Tor schoss. Deutschlands Ex-Nationalspieler Willi Schulz spricht von einer "stillen Übereinkunft von 22 sportlichen Ganoven".

VIDEO: Deutsche Spielanalyse 25.06.1982

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