Fußball-Weltmeisterschaft in Katar: Korruptionsverdacht in der FIFA

Fußball-Weltmeisterschaft in Katar: Korruptionsverdacht in der FIFA

Vor der Vergabe für die Fußball-WM 2022 sollen Schmiergelder in der Höhe von fünf Millionen Dollar geflossen sein - an offizielle Spitzenfunktionäre. "The Sunday Times" verfügt über umfangreiche Dokumente, die die Zeitung in den nächsten Tagen veröffentlichen will.

Nachdem das britische Fernsehen BBC bereits vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika die FIFA samt ihres Präsidenten Joseph Blatter der Korruption bezichtigt hat, gibt es nun erneute Beschuldigungen über Schmiergeldzahlungen an FIFA-Funktionäre. "The Sunday Times" berichtet am Sonntag auf einer Doppelseite über Schmiergeldzahlungen, in die FIFA-Funktionäre verwickelt sein sollen. Und FIFA-Präsident Joseph Blatter dürfte erneut unter Druck kommen.

Anlass ist erneut die Fußball-WM 2022 in Katar, die nun immer mehr ins Zwielicht gerät. Im Zusammenhang mit der Vergabe der Endrunde an den Golfstaat wird der Weltverband (FIFA) erneut mit neuen schweren Korruptionsvorwürfen konfrontiert.

" The Sunday Times " liegen eigenen Angaben zufolge geheime Dokumente zu einem System von Schmiergeldzahlungen vor. Die Unterlagen sollen belegen, dass der ehemalige katarische Spitzenfunktionär Mohamed bin Hammam fünf Millionen Dollar an Offizielle gezahlt haben soll, um sich deren Unterstützung für Katars WM-Bewerbung zu sichern. Aus einem eigens eingerichteten Fonds wurden die Gelder weitergereicht, schreibt die Zeitung. Vorwürfe einer Einflussnahme bei der WM-Vergabe im Dezember 2010 hatten die Organisatoren und Bin Hammam bisher stets zurückgewiesen.

John Wittingdale, Vorsitzender des Kulturausschusses im britischen Parlament, fordert bereits Konsequenzen auch in Richtung FIFA-Präsident Blatter. "Sollten die Anschuldigungen wahr sein, hätte das weitreichende Folgen. Dann wäre die Position von Blatter fast unhaltbar. Er wusste offenbar seit geraumer Zeit von den Gerüchten und hat offenbar wenig getan", sagt Wittingdale im deutschen Fernsehsender ZDF am Sonntagabend. Außerdem stelle die Entscheidungen über die Ausschreibung für die WM 2022 neu erfolgen müsste. Die Dokumente sollen nun belegen, dass der Katarer bereits ein Jahr vor der Entscheidung der FIFA-Exekutive begonnen hatte, Einfluss zu nehmen und direkte Zahlungen an Funktionäre leistete. Katar hatte bisher stets behauptet, dass Bin Hammam in der Bewerbungskampagne keine Rolle gespielt habe. Dem Blatt liegen angeblich außerdem Belege dafür vor, dass Bin Hammam dem ehemaligen Exekutiv-Mitglied Reynald Temarii aus Tahiti 305.000 Euro für Anwaltskosten gezahlt haben soll.

Zur Zeit untersucht eine FIFA-Kommission unter Leitung des ehemaligen amerikanischen Staatsanwalts Michael Garcia die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2022. Der Abschlussbericht soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Sollte dieser Unregelmäßigkeiten aufzeigen, hält FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger eine Neuvergabe der Titelkämpfe in acht Jahren für denkbar.

Entzug der WM

"Mit Blick auf die Vergabe der WM an Katar kommt es auf den Gesamteindruck von Ermittler Garcia an, ob diese Entscheidung sauber ablief. Hegt er hieran ernste Zweifel und spricht der FIFA eine Empfehlung aus, die Entscheidung zu überdenken, so wird der Kongress nicht umhin können, die WM neu zu vergeben", sagte Zwanziger dem "Handelsblatt". Vor vier Jahren war die WM-Vergabe durch das Exekutivkomitee erfolgt.

"Ich bin alles andere als sicher, ob die WM in Katar ausgetragen wird, weil zu viel gewichtige Punkte nicht geklärt sind", hatte der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes dem Blatt gesagt. Jüngst hatte auch FIFA-Präsident Joseph Blatter den Zuschlag für Katar als Fehler bezeichnet, dies aber auf die klimatischen Bedingungen in dem Wüstenstaat bezogen. "Wissen sie, man macht viele Fehler im Leben", sagte der Schweizer.

Bin Hammam war 2011 von der Ethikkommission des Weltverbandes wegen Verstößen gegen den Ethikcode auf Lebenszeit gesperrt worden. Er soll gemeinsam mit dem ehemaligen FIFA-Funktionär Jack Warner aus Trinidad und Tobago versucht haben, bei einem Treffen der Karibischen Fußball-Union Stimmen für seine Wahl zum FIFA-Präsidenten zu kaufen. Vor drei Jahren war Warner von allen Ämtern im Weltfußball zurückgetreten.

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