Fußball-Legende Pele zeigt sich als Ignorant

Fußball-Legende Pele zeigt sich als Ignorant

Der brasilianische Ex-Fußballer Pele hat mit seinem Aufruf an die Demonstranten, sie sollten doch lieber die Mannschaft unterstützen, erst recht für Aufruhr gesorgt.

Der Aufruf von Pele an die Demonstranten in Brasilien, die Straßen zu verlassen und sich auf Fußball zu konzentrieren, hat im sozialen Netzwerk großen Aufruhr und Unverständnis mit sich gebracht. Das Gastgeberland des Confederations Cups als Generalprobe für die Fußball-WM 2014 wird von Protesten gegen die Missstände im Land erschüttert. Geht es nach der früheren Fußball-Ikone Pele soll derzeit aber der Sport im Vordergrund stehen. "Vergessen wir all die Aufregung, die derzeit in Brasilien passiert, all diese Proteste, und erinnern wir uns, wie sehr die brasilianische Mannschaft für unser Land und unser Blut steht", sagte Pele. "Pele erzählt dem Volk, dass es die Aufregung vergessen und der Mannschaft den Rücken stärken soll. Die Nationalmannschaft, die FIFA, die Stadien, die Millionen kosten, fahrt zur Hölle", postete ein Brasilianer auf Facebook.

Ignoranz pur

"Gehen Sie in die Krankenhäuser, nehmen Sie einen Bus ohne Wachleute, dann möchte ich sehen, ob Sie weiterhin solche dummen Dinge sagen", schrieb ein anderer. "Pele, Ihre Ignoranz steht im Verhältnis mit ihrem fußballerischen Genie", lautete ein weiterer erzürnter Kommentar.

Davor hatte schon FIFA-Präsident Joseph Blatter für Unmut gesorgt: Es begann mit einem etwas altmodisch wirkenden Versuch, sich vor Präsidentin Dilma Rousseff zu stellen, als diese vor dem Eröffnungsspiel in Brasilia ausgebuht wurde. "Liebe Freunde des Fußball: Wo ist der Respekt und das Fairplay, bitte?", rief er ins Mikrofon. Das konnte man ihm noch als Gentleman-like auslegen. Viel schlimmer: Die Massenproteste auf Brasiliens Straßen schätzte Blatter grundlegend falsch ein. "Der Fußball ist stärker als die Unzufriedenheit der Menschen. Wenn der Ball einmal rollt, werden die Menschen das verstehen, und das wird aufhören", meinte Blatter. Weit gefehlt. Dass er anschließend sinngemäß sagte, die Brasilianer hätten die WM gewollt, warum nun die Klagen, machte ihn am Zuckerhut gewiss nicht beliebter. Verständnis für die Proteste äußerte er erst, nachdem sich auch Brasiliens Fußballstars mit den Demonstranten solidarisiert hatten.

"Vor Ort sein"

"Als FIFA-Präsident halte ich es für wichtig, vor Ort zu sein, wenn es losgeht", sagte Blatter über seinen Trip zum wichtigsten Nachwuchswettbewerb des Weltverbandes in die Türkei. Dass ihm auch dort mehr die schwierigen politischen Realitäten als der sportliche Glanz beschäftigen werden, macht die Reise nicht einfacher. Die Zeiten scheinen schwer für den gewieften Funktionär. Und in schweren Zeiten reagierte Machtmensch Blatter oft ungeschickt bis falsch.

Als die sorgenvolle Gewaltdebatte vor der WM in Südafrika nach dem Mord an dem Österreicher Peter Burgstaller in Durban im November 2007 ihren ersten Höhepunkt erreichte, ließ Blatter jede Pietät vermissen. Weltweit gebe es Kriminalität, sagte Blatter und verwies - als könne man ein Verbrechen mit dem anderen aufwiegen - auf einen Überfall auf ein 16 Jahre altes Mädchen in Zürich.

Blatter reagiert dünnhäutig, wenn seine Herzensprojekte kritisiert werden oder gar er selbst. Bei der WM 2006 schlug ihm die Dauer-Kritik der Deutschen aufs Gemüt. Zur Pokalübergabe nach dem Finale im Berliner Olympiastadion schickte er gegen jedes Protokoll den damaligen UEFA-Präsidenten Lennart Johansson vor. 2012 bei Olympia schritt er in London zur Medaillenübergabe und wurde ausgebuht. Seine Reaktion in einem TV-Interview: "Stars werden immer ausgebuht, also bin ich ein Star. So muss man das nehmen. Ich dachte, dass Olympia-Publikum wäre ein bisschen gebildeter."

Auch politische Korrektheit ließ er schon oft vermissen. Frauen wollte er 2004 in möglichst erotischem Outfit spielen lassen, um deren Sport zu puschen. "Lassen wir Frauen doch in anderen Tenüs spielen als Männer", sagte er. "Heutzutage spielen schöne Frauen Fußball." Klar, dass diese Aussagen als verunglimpfend aufgenommen wurden. Der damalige Pressechef war bemüht, die Dinge zu relativieren. Das Interview sei falsch übersetzt worden. Sechs Jahre später offenbarte Blatter sein Verhältnis zu seinen Medienleuten: "Ich würde viel mehr sprechen, aber die Pressestelle der FIFA erlaubt das nicht", sagte er in einem dpa-Interview 2010.

Kommenden Mittwoch kehrt Blatter rechtzeitig zu den Halbfinalspielen des WM-Testlaufs nach Brasilien zurück. Und es gibt einen Termin, der ihm viel Freude bereitet. In Belo Horizonte weiht er das nächste Zentrum des FIFA-Sozialprojekts "Football for Hope" ein. Seine Worte beim Festakt werden in Brasilien sicherlich genau verfolgt werden.

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