"Fußball kann einen schon auffressen“

Marcel Koller ist so etwas wie der Manager des Jahres. Ein Gespräch über die Erfolge der Nationalmannschaft und warum Rainhard Fendrich ein Lied für das Team schreiben sollte.

"Fußball kann einen schon auffressen“

Marcel Koller, 54, Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft.

Schüchtern, fast ein bisschen unscheinbar schleicht Marcel Koller zwischen den Tischen des Cafés des Wiener Hotels Imperial hindurch. Ganz Schweizer, erscheint er sogar zehn Minuten zu früh zum Interviewtermin. "Ist er das überhaupt?“ Einige Hotelgäste drehen sich nach dem Herrn in der dunkelgrauen Jacke um.

Österreichs erfolgreichster Fußball-Teamchef seit Herbert Prohaska in den späten 90er-Jahren ist kein Seitenblicke-Typ, der Rummel um seine Person lässt ihn kalt. Dabei kann sich seine Bilanz als ÖFB-Trainer wirklich sehen lassen: In der FIFA-Weltrangliste verbesserte sich Österreich unter seiner Ära von Platz 70 auf Rang 23. Und die Qualifikation für die EM in Frankreich im Jahr 2016 hat unser Team mit sensationellen zehn Punkten (drei Siege, ein Unentschieden) als Gruppenführender fast schon in der Tasche. Auch die Stimmung innerhalb der Nationalmannschaft scheint so gut zu sein wie nie zuvor.

Ruhe und Bescheidenheit sind die vordringlichsten Eigenschaften des Erfolgstrainers, der vor seinem Engagement durch den ÖFB einige Zeit lang ohne Job war. Für das FORMAT-Gespräch nimmt er sich viel Zeit, seine Antworten wählt er mit Bedacht, überbordende Emotionen oder gar Hektik sind Koller völlig fremd. "Kann er denn auch anders, ist Koller in der Kabine lauter oder unbeherrschter?“ "Je näher das Match rückt, desto kribbbeliger werde ich“, gibt der 54-Jährige zu. Wie das genau aussieht, wenn "der Trainer“, wie er von den Spielern genannt wird, einmal kribbelig wird, vermag man sich gar nicht vorzustellen.

Format: Herr Koller, Sie sind der erfolgreichste Trainer der österreichischen Nationalmannschaft seit Herbert Prohaska in den späten 90er-Jahren. Was ist Ihr Geheimnis?

Koller: Eigentlich gibt es kein Geheimnis. Dahinter steckt viel Arbeit. Ich habe mich vor drei Jahren, als ich als Trainer angefangen habe, sehr gut über die Spieler informiert. Und meine Einschätzung war: Mit diesen Spielern kann ich meine Idee einer Nationalmannschaft umsetzen.

Format: Was war dabei die größte Schwierigkeit?

Koller: Dass die Spieler fast nie da sind. Das musste ich erst lernen, denn als Clubtrainer hat man die Spieler ja fast jeden Tag. Wenn man nur so wenig Zeit miteinander verbringt, müssen die Abläufe perfekt passen, deshalb haben wir uns auch Regeln auferlegt.

Format: Von welchen Regeln sprechen Sie?

Koller: Zum Beispiel gegenseitiger Respekt, der ist mir besonders wichtig. Jeder muss pünktlich sein, wenn so viele zusammenarbeiten. Es kann nicht sein, dass man immer auf ein, zwei Leute warten muss. Wir haben deshalb auch Sanktionen eingeführt. Die Spieler haben eine Bußenliste entwickelt, die bestimmte Geldbußen bei Verstößen vorsieht. Mit dem gesammelten Geld gehen die Spieler dann gemeinsam an einem Abend einmal essen.

Format: Wie würden Sie Ihren Managementstil bezeichnen?

Koller: Ich denke, "kooperativ“ trifft es am besten. Ich diskutiere gerne mit den Spielern, aber wenn es um das große Gesamte geht, kann ich schon sehr konsequent sein.

Format: Sie haben ja mit sehr vielen, unterschiedlichen und auch zum Teil nicht ganz einfachen Typen zu tun. Wie bringen Sie diese unterschiedlichen Typen auf Schiene?

Koller: Ich habe viele Einzelgespräche mit den Spielern geführt, um sie kennenzulernen und ihnen auch vermittelt, wie ich mir vorstelle, Fußball zu spielen. Es gibt natürlich auch viele Meinungen in der Öffentlichkeit über manche Spieler, die muss ich aber ausblenden, da ich letztlich entscheiden muss, wie die Spieler ins Team passen und ich auch die Verantwortung tragen muss.

Lesen Sie den ganzen Artikel in FORMAT Nr. 51/52 2014
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