Zukunftsvorsorge hat wieder Zukunft

Zukunftsvorsorge hat wieder Zukunft

Der Verhandlungstisch im Finanzministerium war groß: Vertreter der Arbeiterkammer, der Gewerkschaft, des Versicherungsverbandes, des Bundesministeriums für Finanzen, der Finanzmarktaufsicht, der Wiener Börse und auch der Pensionistenverbände mussten daran einen Platz finden. Das Thema, das die Emotionen in den vergangenen sechs Monaten immer wieder hochkochen ließ, war ein Versicherungsprodukt mit dem sperrigen Namen „prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge“.

Doch zu Beginn des Jahres musste dringend eine Lösung her, denn rund 1,6 Millionen Österreicher haben ein solches Produkt gekauft und waren ratlos, wohin die Reise nun gehen soll - aussteigen oder umsteigen? Und: Wohin umsteigen? In einem sechs Monate währenden Verhandlungsmarathon haben es die Beteiligten geschafft: Im Juni wurde die Zukunftsvorsorge Neu vom Nationalrat verabschiedet. FORMAT gibt Ihnen einen Überblick über die Änderungen.

Dringender Handlungsbedarf

Die Reform der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge war dringend notwendig. Grund: In der 2003 verabschiedeten Variante war ein verpflichtender Aktienanteil von 40 Prozent vorgesehen und dieser entpuppte sich in der Börsenkrise 2008 als kapitaler Konstruktionsfehler. Die Kombination aus Kapitalgarantie und verpflichtendem Aktienanteil führte dazu, dass Versicherungsverträge ausgestoppt wurden. Was für viele Sparer letztendlich bedeutete, dass am Ende jahrzehntelangen Sparens nicht mehr herausschauen wird, als das einbezahlte Kapital.

2012 folgte der zweite Schlag: Im Rahmen des Sparpaketes wurde die staatliche Prämie für die Zukunftsvorsorge auf 4,25 Prozent halbiert. Der Frust der Anleger war groß und ein Urteil des OGH-Urteil aus dem Jahr 2012 legte fest, dass die Kapitalbindungsfrist die Dauer von zehn Jahren nicht übersteigen darf.

Viele Sparer aus dem Jahr 2003 wollten schon die Reißleine ziehen und so ihre private Zusatzpension aufs Spiel setzen. Finanzministerin Maria Fekter: „Der Zukunftsvorsorge kommt bei der privaten Altersvorsorge im Sinne der Drei-Säulen-Strategie eine große Bedeutung zu. Sie ist das Basisprodukt der Österreicher. Mir war es daher ein besonderes Anliegen mit allen Beteiligten, das Beste im Rahmen des Möglichen zu erreichen und zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen.“

Zukunftsvorsorge Neu

Manfred Rapf , Vorstand der s Versicherung: „Die Reform der Zukunftsvorsorge bringt mehr Flexibilität bei der Veranlagung und eine umfassende Transparenz. Das ist wirklich gelungen.“ In Zukunft gibt es keine Mindestaktienquote von 40 Prozent mehr, sondern bei neuen Verträgen gilt eine Bandbreite von 15 bis 60 Prozent Aktienanteil für unter Fünfzigjährige und eine Bandbreite von fünf bis 50 Prozent für Ältere. Mussten bisher 100 Prozent der Aktienquote in Wien oder an ausgewählten Ostbörsen veranlagt werden, so wurde diese Quote auf 60 Prozent gesenkt. „Durch die Einführung von Bandbreiten und die dadurch gesteigerte Veranlagungsflexibilität wird die Attraktivität der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorgeprodukte in schwierigen Kapitalmarktphasen erhöht“, so Finanzministerin Fekter.

Ein wichtiger Punkt der Reform war auch, dass Altverträge nach Ablauf der Mindestbindungsfrist von zehn Jahren ohne Steuernachteile auf die neuen Bedingungen umsteigen können.

Nicht geändert hat sich die Förderung. Der staatliche Zuschuss für die prämiengeförderte Altersvorsorge beträgt wie bisher 4,25 Prozent. Die Obergrenze für die Förderung orientiert sich an der Höchstbeitragsgrundlage in der Sozialversicherung und liegt für 2013 bei 2445,50 Euro. Damit beträgt die maximale jährliche Prämie derzeit 103,90 Euro. Die Änderungen treten mit August in Kraft und ab diesem Zeitpunkt werden auf Basis der neuen Regelungen neue Produkte auf den Markt kommen.

Bei der s Versicherung steht die neue „s Privat-Pension“ bereits am Start. In Zukunft kann sich eine heute 30-jährige Frau die monatlich 100 Euro in eine s Privat- Pension-Polizze einzahlt, in 35 Jahren eine garantierte monatliche und lebenslange Rente über 139 Euro sichern. Erwirtschaftet die s Versicherung jährlich drei Prozent gibt es schon eine private Zusatzrente von 295 Euro.

s Versicherungsvorstand Rapf: „Bei einem Wechsel von einem Altvertrag in einen neuen fallen nach Ablauf der Mindestbindungsfrist grundsätzlich keine Steuern an. Wir als s Versicherung verrechnen bei einem Vertragswechsel auch keine zusätzlichen Kosten.“

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