Runde 65: Niki Lauda feiert Geburtstag - die Daten und Fakten zu Niki Nationale

Runde 65: Niki Lauda feiert Geburtstag - die Daten und Fakten zu Niki Nationale

Formel-1-Weltmeister, Airliner, Sparefroh und Salonlöwe: Niki Lauda wird 65. FORMAT hat Daten und Fakten zum berühmtesten Kapperlträger der Welt gesammelt.

1. Rebellion in Asbest

Andreas Nikolaus Lauda ging am 22. 2. 1949 ins Rennen. Lauda stammt aus einer adeligen Großindustriellenfamilie. Sein Großvater Hans Lauda (bis 1919 Hans Ritter von Lauda) war Mitbegründer und Präsident der Industriellenvereinigung und ein Patriarch reinsten Wassers. Gegen diese Überfigur und nicht etwa seinen Vater Ernst Peter („intelligent, weich, kein Vorbild“), oder seine Mutter Elisabeth („kühl, beinhart“), rebellierte der junge Lauda mit der Verwirklichung seiner PS-Träume. 1968 fuhr er sein erstes Autorennen mit einem Mini Cooper S 1300.

Laudas Schullaufbahn verlief überdurchschnittlich schlecht. Die Matura wurde Jahre später bei Dr. Roland nachgeholt – eine Gemeinsamkeit, die er etwa mit Bruno Kreisky, Oskar Bronner und Freddy Quinn teilt. Ähnlichkeiten zwischen Großvater und Enkelsohn dürften dennoch Bestanden haben, wie eine militärische Beurteilung Hans Laudas vermuten lässt: „Lauda vereint im Gefechte vorbildliche Tapferkeit und Ruhe mit zweckdienlicher Initiative.“


August 1971: Formel 1 Debut mit 22 Jahren am Österreich-Ring. Nach 20 Runden war Schluss / Bild: © Imagino/Votava

2. Mensch-Maschine

Lauda ist Perfektionist. Zudem attestiert man ihm Pingeligkeit und einen spießigen Hang zur Pünktlichkeit. In seinem ersten Ferrari Jahr (1974) hängt man ihm das Image einen Computer-Gehirns um, das Motoren, Strecken und Gegner penibel studiert und Risiken minimiert. Lauda: „Die Freude gewinne ich aus der Faszination der Perfektion, nicht aus der Geilheit des Autofahrens.“ Ähnlich geht es Lauda beim Fliegen: „Bei der Fliegerei hat mich begeistert, die Maschine – wie früher den Rennwagen – zu beherrschen.“ Die Grenzen der Technikbeherrschung hat er zwei Mal tragisch kennen gelernt. Am Nürburgring 1976 und 1991 beim Absturz einer Boeing 767 seiner Lauda Air.


Lauda mit James Hunt. Das Duell um die WM 1976 ging in die Formel 1 Geschichte ein / Bild: © Sutton / EXPA / picturedesk.com

Die Saison 1976 und die Rivalität zwischen Niki Lauda und James Hunt wurde im Vorjahr verfilmt. "Rush“ spielte weltweit rund 90 Mio. Dollar ein und war für einen Golden Globe nominiert. 1985 beendet Lauda seine Rennfahrer-Karriere. Lauda feierte insgesamt 25 Siege, 20 zweite und neun dritte Plätze. 54 Siegerehrungen mit jeweils drei Champagnerflaschen (Moët) à drei Liter, ergeben 486 Liter an Champagnerduschen (ca. vier Badewannen). In der F1-Bestenliste (nach Siegen) befindet sich Lauda auf Platz acht. Mit 80 Ausfällen hält er Platz neun in der Ausfallstatistik. In 13 Saisonen fuhr er 37.531,740 km.

3. Kapperl als Ikone

Zwar hat Niki Lauda „Kopfsponsoring“ nicht erfunden, aber mit seinem Kapperl, das ursprünglich dazu gedacht war, die Bandagen nach seinem Feuerunfall zusammen zu halten, sich zu einer Werbe-Ikone stilisiert. Wer drauf stehen will, muss kräftig zahlen. Römerquelle (bis 1977) blätterte einst ca. 1,3 Mio. Schilling hin. Danach trugt Lauda bis 2002 das Logo des italienischen Milchkonzerns Parmalat spazieren, es folgten der deutsche Heiztechnik-Produzent Viessmann, der Schweizer Hightech-Industriekonzern Oerlikon, der windige Finanzdienstleister Money Service Group und die arabische Investmentgesellschaft Aabar. Momentan wirbt Lauda für das Glücksspielunternehmen Novomatic. Kolportierte 1,2 Mio. Euro soll er dafür pro Jahr kriegen.


Feuerunfall. 42 Tage nach seinem Rennunfall am 1. August 1976 am Nürburgring saß Lauda wieder im Cockpit. Die WM verlor er um einen Punkt an James Hunt / Bild: © Hartmut Reeh / dpa / picturedesk.com

4. Geiz ist geil?

Lauda eilt der Ruf eines knickerigen Geizhalses voraus. Die kursierenden Geschichten dazu sind Legion. Aktuelles Beispiel: Den Sohn von Medienmanager Hans Mahr ließ er während eines Fluges in eine Mineralwasserflasche pinkeln, damit keine Kosten für die Toilettenreinigung im Flieger entstehen. Eine pervertierte Lust am Sparen propagiert Lauda in Werbespots selbst („Ich habe ja nix zu verschenken!“), in Interviews wird aber auch dagegen gesteuert: „Ich habe immer wieder Leuten Geld geborgt, aber natürlich nie was zurückbekommen. Dann habe ich damit aufgehört.“


Nach Stationen bei March-Ford und B.R.M. (1973), bietet Enzo Ferrari Lauda einen Vertrag an. Ab 1974 sitzt er im Ferrari Cockpit. Er gewinnt erstmals ein F1-Rennen und wird WM-Vierter. 1975 wird er zum ersten Mal Weltmeister /Bild: © Lutz Rauschnick / dpa / picturedesk.com

5. Eine Hand wäscht die andere

Lauda scheint nach quid-pro-quo-Prinzipien zu handeln. Geschäftspartner, Wegbegleiter und Freund Attila Dogudan erklärt: „Neben seinem Egoismus ist er ein totaler Opportunist. Es gibt bei ihm immer wieder Lebensabschnitts-Freunde. Sie verschaffen ihm einen Nutzen und ziehen einen Nutzen aus der Verbindung mit ihm.“


Lauda mit seinem Freund und Geschäftspartner Attila Dogudan / Bild: © APA/Barbara Gindl

6. Der Superpromi

Nach wie vor ist Niki Lauda Österreichs prominentester Ex-Sportler. In den 70er Jahren rangierte sein weltweiter Bekanntheitsgrad neben dem vom Papst und Muhamed Ali. Wie sieht es heute aus? Der Rennfilm „Rush“ stark an ihn angelehnt war ein weltweiter Erfolg. Und in heimischen Tageszeitungen fällt sein Name durchschnittlich 1576 Mal pro Jahr. In nationalen und internationalen Wirtschaftsmagazinen sind es 79 Nennungen jährlich.


1982 machte Lauda mit seinem Sieg in Brands Hatch auf McLaren einen großen Schritt zu seinem dritten Formel 1 Weltmeistertitel /Bild: © Adrian Muress/Getty Images

7. Kommentare ohne Ende

Mit einer gewissen schnoddrigen Direktheit, die keine Graubereiche kennt, gibt Lauda gerne Expertisen zu Formel 1 und Luftfahrt. Ungefragt auch gerne zu gesellschaftspolitischen Themen, wie tanzende Männer im ORF-Hauptabendprogramm. Seit 1995 analysiert er für RTL den Motorsportzirkus, pro Rennwochenende soll er dafür 70.000 Euro erhalten. Gleichzeitig ist Lauda, der in den 90er Jahren Ferrari beriet und Michael Schumacher zum Rennstall lotste, auch Aufsichtsratvorsitzender beim Mercedes Formel 1 Team. Eine Doppelfunktion, die für Kritik sorgt.


1979 erklärt er seinen Rücktritt von der Formel 1 und gründet die Lauda Air. Am 26. Mai 1991 stürzte in Thailand eine Boeing 767 der Lauda Air ab. 223 Menschen starben / Bild: ©Peter Charlesworth/LightRocket via Getty Images

8. Der Wirtschaftskapitän

Lauda hat Geschäftssinn. Sein Privatvermögen wird auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. Im Laufe seines Lebens hat er zwei Fluglinien gegründet. Die Lauda Air ging in der AUA auf, die Billigfluglinie „Niki“ gehört mittlerweile zu Air Berlin. Aber auch abseits der Rollfelder war und ist Lauda umtriebig. 2003 gründete er den Leihwagenservice Lauda Motion GmbH, bei dem er mittlerweile ausgestiegen ist, mit Esus IT-Service gibt er Start-ups Risikokapital und auch am Paketdienst „checkrobin“ ist er beteiligt.


Lauda bei der Gründung von Lauda Motion / Bild: © REUTERS/Heinz-Peter Bader

9. Privatbereich

Auch Privates dringt immer wieder nach außen. Family Guy Lauda hat fünf Kinder, zwei Söhne (35, 33) aus erster Ehe und einen außerehelichen Sohn. In zweiter Ehe ist er mit der ehemaligen Stewardess Birgit Wetzinger verheiratet. Das Paar hat Zwillinge (4). 2005 spendete sie Lauda eine Niere. Zuvor tat dies bereits sein Bruder Florian. Ansonsten: Lauda ist zur Freude seines entfernten Onkels Christoph Kardinal Schönborn wieder in die Kirche eingetreten.


Lauda mit Ehefrau Birgit und neuem Kapperlsponsor Novomatic Bild: © Luke MacGregor / Reuters

10. Humorhäppchen

Laudas Wesenszüge, seine Prominenz, seine Art zu Sprechen und letztlich auch sein Aussehen reizen seit jeher zu Späßchen auf seine Kosten. Die Qualität der Witzeleien variiert dabei. Reizen sollte man ihn nicht. Das Satireblatt Titanic hievte ihn unlängst aufs Cover und schrieb drunter: „So schlimm erwischte es Schumi“ Lauda: „Das Cover ist eine bodenlose Frechheit, absolut indiskutabel und völlig pietätlos. Wer druckt bitte so einen Schwachsinn.“

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