"Noch keine Trendwende" - Bawag P.S.K. Manager Martin Bohn im Interview

"Noch keine Trendwende" - Bawag P.S.K. Manager Martin Bohn im Interview

Martin Bohn, CIO Fixed Income von Bawag P.S.K. Invest, gibt im format.at Interview eine Einschätzung zur Entwicklung des Aktienmarkts, der Zinsen, des Euro und des Goldpreises ab. Sein Ausblick ist tendenziell vorsichtig-optimistisch.

Die Kreditnehmer leben seit Jahren mit extrem niedrigen Zinsen. Die EZB hat zuletzt den Zinssatz unverändert belassen. Viele fragen sich aber, wie lange das noch so bleiben wird.

Martin Bohn: Das Wirtschaftswachstum ist in Europa zwar gut, aber immer noch gering. Deutschland ist eine Ausnahme. In der gesamten Eurozone wird das Wachstum aber bei einem bis 1,5 Prozent liegen. Das ist historisch immer noch unterdurchschnittlich und auch zu wenig, um den Arbeitsmarkt nachhaltig anzukurbeln. Das wird auch die Notenbank nicht dazu verleiten, die Zinsen anzuheben. Die Lohnspirale kommt nicht in Gang. Dafür ist die Arbeitslosigkeit noch zu hoch. Die Notenbanken werden vielleicht in den nächsten Monaten eher eine Deflation als die Inflation bekämpfen müssen. All das spricht dafür, dass die Euribor-Zinsen niedrig bleiben.

Und wie sieht es mit den längerfristigen Zinsen, etwa auf Staatsanleihen aus?

Bohn: Bei den längeren Zinsen, etwa den zehnjährigen Staatsanleihen, wird man auf die nächsten Wirtschaftsdaten warten müssen. Nachdem wir aber auch dort nicht mit allzu großen Sprüngen rechnen werden wir auch dort in etwa beim aktuellen Niveau bleiben. So hat etwa die zehnjährige österreichische Staatsanleihe aktuell eine Verzinsung von rund 2,5 Prozent. Das mag einmal ein halbes Prozent hinauf oder hinunter gehen, aber nicht nachhaltig steigen.

In der Eurozone haben wir gerade erst die Rezession verdaut und bei den Peripherieländern ist noch fraglich, ob sie den Turnaround schaffen. Genau deswegen werden die Zinsen noch nicht so schnell steigen. Möglicherweise 2015, wenn die Finanz- und Wirtschaftskrise verdaut ist und das Wirtschaftswachstum auch in Italien und Spanien ansteigt.

Dann muss man aufpassen mit den Zinsen bei den Anleihen. Dass gerade die Staatsanleihen-Zinsen nicht schneller steigen als man verkaufen kann. Das Risiko sehe ich aber frühestens in der zweiten Hälfte 2015.

Immer wieder geistert das Schreckgespenst einer Deflation durch die Medien. Wie schätzen denn Sie das Risiko einer Deflation ein?

Bohn: Ich glaube nicht daran. Mittlerweile halte ich das Wirtschaftswachstum für so gefestigt, dass das Deflationsszenario zwar mitunter besprochen wird, aber dass es nicht kommt. Die Notenbank hat das sicher im Hinterkopf und macht deshalb die Geldschleusen immer noch weit auf. Es gibt seitens der EZB alle Unterstützungen. Sie kauft zwar keine Anleihen, aber stellt den Banken praktisch unbeschränkt Geld zur Verfügung.

Die weltweiten Aktienmärkte haben sich in den vergangenen Monaten prächtig entwickelt. An der Wall Street und auch in Frankfurt gibt es immer wieder neue Rekord-Hochs. Nur der Wiener Aktienmarkt hat sich noch nicht so dynamisch entwickelt Wie geht es hier weiter?

Bohn: Die Entwicklung am Aktienmarkt sehen wir positiv. Die gesunden Unternehmen und das anspringende Wirtschaftswachstum sprechen für Aktien. Die sind im Schnitt noch nicht teuer. Die KGV sind im historischen Schnitt. Das ist der Unterschied zu den Blasen aus 1999 2000 und 2007. Da gab es sehr hohe KGVs, einfach weil die Unternehmensgewinne nicht so hoch waren.

Jetzt müssen die Unternehmen auch die in den Kursen bereits eingerechneten Gewinne bestätigen. Dann steht weiter steigenden Kursen nichts im Wege. Die institutionellen Anleger, Pensionskassen und Vorsorgekassen, suchen alle mehr Rendite. Letztes Jahr haben sie den Aktienaufschwung teilweise versäumt. Die wollen mehr Aktien und ihre Anteile um ein paar Prozent erhöhen.

Wie schätzen Sie den die weitere Entwicklung des Euro ein?

Bohn: Währungskurse sind sehr schwer zu prognostizieren. Die Währungen halten sich nicht immer an das Zinsniveau. Tendenziell denken wir, dass aufgrund des stärkeren Wirtschaftswachstums in den USA der US-Dollar an Bedeutung gewinnt. Die zehnjährigen US-Treasuries stehen bereits bei drei Prozent, in Europa, auch in Deutschland sind wir erst bei zwei Prozent. Mittelfristig sollten diese Unterschiede im Zinsniveau und im Wirtschaftswachstum den Dollar unterstützen.

Der Euro hat eben diese Recovery-Story: Wir kommen aus der Rezession und gehen in das Wirtschaftswachstum über. Das heißt, es kann sein, dass das Momentum auch für den Euro spricht und mehr Geld in den Euro fließt. Mittel- oder langfristig sehen wir die Vorteile eher beim US-Dollar, kurzfristig kann die Entwicklung aber auch ganz anders aussehen.

Wie geht es mit dem Franken weiter?

Bohn: So lange die Schweizer Notenbank zu dem Wechselkurs von 1,20 steht – zu dem es derzeit mit einem Kurs von rund 1,22 ohnehin schon einen Respektabstand gibt, würde ich hier wenig Bewegung sehen.

Im Gegensatz dazu steht der Yen, der einen sehr unvorhersehbaren Kursverlauf hat. Wir glauben, dass sich beim Franken noch länger nichts tun wird. Im Jahr 2014 wird es zumindest kaum Bewegung geben. Dazu sind sich die Volkswirtschaften zu ähnlich. Das einzige, das passieren kann ist, dass die Bedeutung des Schweizer Franken als Fluchtwährung tendenziell abnimmt, und das war ja auch eine der Hauptursachen, weshalb der Franken so stark geworden ist. Wenn es der Eurozone einmal wieder besser geht und Spanien und Italien wieder Fuß fassen, dann kann auch wieder Geld aus dem Franken in den Euro fließen.

Eine Wertberichtigung gab es zuletzt auch beim Gold, das als sichere Anlageform gilt.

Bohn: Gold ist vor allem als Krisenanlage und Krisenwährung bedeutend. Die Krise ist aber jetzt vorbei, und man sieht sofort, was passiert. Wenn man Gold kauft, dann in der Form kleiner Dukaten, die man dann im Krisenfall auch wieder eintauschen kann. Sonst würde ich Gold nicht als Krisenwährung sehen. Es beginnt zwar immer dann zu steigen, weil viele in Gold investieren. Ich halte das aber für risikoreich. Wenn im schlimmsten Fall ein Krieg ausbricht, dann versucht jeder wieder, das Gold einzutauschen und sein Wert fällt.

Gold wird man dann in kleinen Einheiten haben müssen, um es als Zahlungsmittel verwenden können und es nicht in Barren im Tresor liegen haben, von denen man sich bei Bedarf etwas herunterfeilt. Das wird nicht funktionieren. Zur Spekulation im Vorfeld einer Krise kann Gold ein gutes Investment sein, man sollte dann allerdings auch rechtzeitig verkaufen, denn in der Krise hat man von Goldbarren nichts.

Wird beim Goldpreis eine Trendwende einsetzen?

Bohn: Nein, dazu ist es noch zu früh. Wenn die Kurse noch weiter nach unten gehen, dann kann man sich Gold wieder einmal ansehen.

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