Kapitalflucht in die Kunst

Kapitalflucht in die Kunst

Viele der wertvollsten und schönsten Bilder der Welt hängen nicht in Museen oder Austellungen. Sie zieren auch nicht die Prunkräume von Schlössern und Privatvillen. Diese Picassos, van Goghs und Monets lagern im Dunkeln, eingepackt in schwere Kisten mit konstant gehaltener Luftfeuchtigkeit und Temperatur, verborgen in schmucklosen, begehbaren Schließfächern.

Die Kunstwerke dienen nicht der Erbauung, sondern dem Ertrag – oder jedenfalls dem Werterhalt. Dafür werden sie gehortet – in der Schweiz, in Luxemburg oder Singapur.

Die Eröffnung des neuen Luxembourg Freeport im September wirft ein Schlaglicht auf die diskrete Branche der Kunstanleger. Drei Meter hohe Mauern umgeben diese "Festung der Kunst“, wie Freeport-Chef David Arendt sie nennt. Schwer bewacht und mit allen Annehmlichkeiten für die superreiche Klientel ausgerüstet. Denn der Wettbewerb wird auch unter den Hochsicherheits-Lagerhäusern härter.

Volle Lager

Die Schweiz war bislang unangefochten das Paradies für alle Arten von Kunst-Einlagerern. Der Genfer Zollfreihafen und Zürich sind führend - sie bieten direkte Anbindung an internationale Flughäfen und ermöglichen ihren Kunden auch gleich die Erledigung von Bankgeschäfte bei verschwiegenen Finanzinstituten. In den Fels gesprengte Bunker in den Alpen haben die Eidgenossen ebenso zu bieten. Die dortigen Lagerkapazitäten sind allerdings ausgeschöpft.

Vorteil der Schweiz: Der Zoll verlangt bei der Kunst-Lagerung in den Freihäfen weder Ein- noch Ausfuhrsteuer. Mehrwertsteuer fällt ebenso keine an und die Inhalte der Lagerräume bleiben anonym.

Auch der Spekulant Wolfgang Flöttl hatte seine umfangreiche Gemäldesammlung in einem Zürcher Depot. Als er sie zur Schuldentilgung der Bawag überschreiben musste, durfte der damalige Bankvorstand unter Helmut Elsner kollektiv Einsicht nehmen und die Bilder im Tiefspeicher unter dem Zürcher Flugfeld bewerten. Ein Teilnehmer erinnert sich: ""Zwei weiß behandschuhte Herren sind jeweils mit einem Bild hereingekommen, haben es auf die Staffelei gestellt, und es ist betrachtet worden.“ Hunderte Millionen Euro wurden an den Herren vorbeigetragen.

Boombranche Kunstspeicher

Im Unterschied zu Wolfgang Flöttl haben die meisten Kunden der Kunstspeicher keine Geldsorgen. Ihre größte Sorge ist die weltweit intensivierte Jagd auf Schwarzgeld sowie das Trockenlegen von Steueroasen. Weil selbst Schweizer Banken schon mit ausländischen Behörden kooperieren, wollen Reiche zunehmend Bargeld loswerden und kaufen dafür andere Werte. Im Vergleich zu Konten bieten Kunstsammlungen noch immer mehr Anonymität. Bilder lassen sich eben leichter bunkern als unversteuertes Geld. Langsam werden daher die Lagerräume knapp, neue Areale werden geschaffen.

Die Enthüllungen von Offshore Leaks und neue Steuerabkommen verstärken den Trend. Da bieten sich die diskreten Depots geradezu an. In der Schweiz haben ausländische Finanzbehörden keine Chance, an die Listen der Schließfach-Eigner zu kommen.

Neben Luxemburg etabliert sich auch zunehmend Singapur als Konkurrenz für die Schweizer – besonders für den asiatischen Markt. Die UBS und die Deutsche Bank haben dort Lagerkapazitäten in großem Stil angemietet. Die Homepage des Singapore Freeport wirbt mit einem Maximum an Sicherheit, mit bewaffnetem Sicherheitspersonal und doppelten Klimasystemen, die in den Lagern stets für eine Temperatur von 20 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent sorgen. Die Nachfrage ist ungebrochen, ein Großteil der neuen Reichen ist in Fernost domiziliert. Laut dem World Wealth Report von Capgemini stieg die Zahl der Menschen, die über eine Million Dollar an anlagefähigem Vermögen haben, im Vorjahr von elf auf zwölf Millionen an. Diese verfügen zusammen über 44 Milliarden Euro, von denen eben ein wachsender Anteil in Kunst fließt.

Sieben Tonnen schwere Türen

Wenn einer der betuchten Käufer doch einmal Lust verspürt, seine Gemälde zu betrachten, dann öffnen sich für ihn wie von Geisterhand dicke Metalltüren, in Singapur sind sie bis zu sieben Tonnen schwer. Sie machen den Weg in schmucklose Hallen mit Betonwänden frei. In den oberen Etagen warten elegante Büros auf Kunden, die zu jeder Tages- und Nachtzeit auftauchen können.

Zu gewissen Anlässen bricht in der Branche richtig Stress aus. Rund um die Art Basel etwa, wenn 300 Privatjets zu der Kunstmesse einfliegen. Oligarchen, Milliardäre aus Asien oder Europas Geldadel kaufen dort in großem Stil ein und verfrachten die kunsthistorische Beute gleich in die umliegenden Tiefspeicher. Dort lagern sie und bringen Rendite. Denn der Boom treibt auch die Kunstpreise.

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