"Investoren gehen dahin, wo sie am besten behandelt werden – und da stechen derzeit die USA heraus"

"Investoren gehen dahin, wo sie am besten behandelt werden – und da stechen derzeit die USA heraus"

Denn in den sich entwickelnden Ländern nehmen die Sorgen um die Wachstumsperspektiven und Inflationsängste zu. Fast 95 Mrd. Dollar wurden in diesem Jahr in börsengehandelte Fonds (ETF) mit US-Aktien investiert, während bei jenen aus den Schwellenländern 8,4 Mrd. Dollar abflossen, zeigen Daten von Bloomberg. Der Standard & Poor’s 500 Index notiert beim 16-fachen des Gewinns, 70 Prozent höher als der MSCI Emerging Markets Index.

Zudem sind die Kursschwankungen am US-Markt so gering wie seit über sechs Jahren nicht mehr, verglichen mit Aktien aus Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC).

Die Mittel fließen aus Schwellenländer-ETFs ab und in Rekordtempo in US-Aktienfonds hinein. Dahinter steht die Erwartung von Marktoptimisten, dass das Wachstum der Unternehmensgewinne in den USA ein beispielloses drittes Jahr in Folge zunehmen und den S&P 500 stützen wird - selbst wenn die US-Notenbank ihr Anleihekaufprogramm zurückfährt. Anleger in Schwellenländern rechnen damit, dass ETFs wieder Kapital anziehen werden, nachdem die Aktienbewertungen auf ein Vierjahrestief gefallen sind.

“Die Schwäche in den Schwellenländern und die damit einhergehenden Wirtschaftsprobleme haben einige Anleger dazu veranlasst, aus Schwellenländern in die USA umzuschichten”, sagte James Gaul, Fondsmanager von Boston Advisors LLC, vergangene Woche telefonisch aus Boston. “Die USA werden derzeit als die stabilste Volkswirtschaft betrachtet, und dem Aktienmarkt werden bessere Aussichten zugeschrieben als dem Rest der Welt.”

Monatliche Käufe – seit November

Anleger haben in jedem Monat seit November Kapital in US-Aktien-ETFs angelegt. Im Juli beliefen sich die Einzahlungen auf 32 Mrd. Dollar, den höchsten Wert seit September 2008, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten von etwa 1500 Fonds. Bei den Schwellenländer-ETFs kam es in fünf der sechs letzten Monate zu Abflüssen. Sie laufen auf den stärksten jährlichen Mittelabzug seit Beginn der Datenreihe von Bloomberg im Jahr 2000 zu.

Hintergrund der Kapitalflucht aus den Schwellenländern sind aufkeimende Sorgen um die Entwicklung der Region. Die chinesische Wirtschaft war zuletzt so langsam gewachsen wie seit 13 Jahren nicht mehr, und der schwache Real in Brasilien schürt Inflationssorgen. In Indien stieg das Leistungsbilanzdefizit auf einen Rekordstand, und die Notenbank des Landes hat im Juli zwei Zinssätze angehoben, um den Kursverfall der Rupie zu stoppen.

“Langsames Wachstum, beschleunigte Inflation und eine straffere Geldpolitik sind keine gute Kombination”, konstatierte Michelle Gibley, Direktorin für internationale Analyse bei Charles Schwab Corp. in San Francisco, am 14. August. “Hinter der Idee einer quantitativen Lockerung stand auch die Absicht, Investoren in riskantere Anlagen zu treiben - und jetzt machen sie das Gegenteil.”

Die US-Notenbank kauft im Rahmen ihrer quantitativen Lockerung monatlich Anleihen im Wert von 85 Mrd. Dollar. Der Umfang der Bondkäufe dürfte einer Umfrage von Bloomberg zufolge allerdings im September verringert werden. Diese Erwartung hat den Dollar gegenüber 14 der weltweit 16 größten Währungen aufwerten lassen - was Anleger aus aller Welt zu den Vermögenswerten zieht, die an Wert gewinnen.

Der S&P 500 ist seit Jahresbeginn um 16 Prozent gestiegen. Dabei entwickelten sich die Kurse von US-Unternehmen, die mindestens 20 Prozent ihrer Umsätze in Brasilien, Russland, Indien und China erwirtschaften, mit durchschnittlich plus 13 Prozent schlechter als der Gesamtmarkt. Der MSCI-Index hat in demselben Zeitraum über neun Prozent verloren.

Geringere Volatilität

Während Mittel aus den Schwellenländern umgeschichtet werden, hat sich die Volatilität bei den US-Aktien verringert. Der 30-Tage-Volatilität des S&P 500 ist in diesem Jahr um 29 Prozent auf 8,75 gesunken. Zugleich stieg der entsprechende Kursschwankungs-Index für die 21 Schwellenländer im MSCI um 83 Prozent auf 13,3 an, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Die Aktienmarktrally in den USA hat die Bewertung des S&P 500 um 13 Prozent auf das 16-fache des berichteten Betriebsgewinns steigen lassen, das ist beinahe das höchste Niveau seit Mai 2010. Rückgänge von Chile bis hin zur Türkei haben das Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI hingegen auf 9,4 gedrückt. Das entspricht einem Minus von 7,5 Prozent gegenüber Ende 2012 und liegt nahe dem niedrigsten Stand seit 2009.

Anleger honorieren die steigenden Gewinne der US-Unternehmen, die trotz des schwachen Weltkonjunkturumfelds erwirtschaftet werden, mit einem Aufschlag auf US-Aktien. Mehr als 11.000 von Bloomberg befragte Analysten erwarten im Schnitt ihrer Prognosen, dass die Gewinne der S&P-500-Firmen in diesem Jahr um 8,9 Prozent steigen werden, verglichen mit vier Prozent Wachstum in den sich entwickelnden Ländern.

Sollten sich ihre Annahmen bestätigen, würden sich die Gewinnsteigerungen der amerikanischen Unternehmen bereits das dritte Jahr in Folge beschleunigen. Das wäre die längste Serie seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1995.

“Anleger gehen dahin, wo sie am besten behandelt werden, und da stechen derzeit die USA hervor”, erklärte Bruce Bittles, Chef-Investmentstratege von RW Baird & Co., letzte Woche telefonisch aus Sarasota im US-Bundesstaat Florida. “In den Schwellenländern trübt sich die Stimmung immer weiter ein. Letztendlich wird es ein Extrem erreichen, das eine gute Ausgangsbasis für eine Marktrally bietet. Aber so weit ist es noch nicht.”

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