Geförderte Zukunftsvorsorge: Ausstieg oder Umstieg?

Geförderte Zukunftsvorsorge: Ausstieg oder Umstieg?

Die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge hat in den letzten Jahren für jede Menge Frust bei Anlegern gesorgt. Jetzt wird das Produkt repariert. Lohnt der Umstieg, oder soll man trotzdem aussteigen, so schnell es möglich ist?

Der Frust der Sparer mit der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge ist groß. Die Börsenkrise 2008 vernichtete die Aktienrenditen. Und die Finanzministerin strich im vergangenen Jahr die halbe Förderprämie. Zehn Jahre nach Einführung dieser Sparform gibt es jetzt erstmals die Möglichkeit, aus den Zukunftsvorsorge-Produkten auszusteigen. Grund: Die ersten Verträge wurden im März 2003 abgeschlossen, und laut OGH-Urteil aus dem Jahr 2012 darf die Kapitalbindungsfrist die Dauer von zehn Jahren nicht übersteigen. Nun stellen sich viele Anleger die Frage, wie sie weiter vorgehen sollen: aussteigen, den Vertrag stilllegen, sich sofort eine Rente auszahlen lassen - oder nach Reparatur der Probleme mit der Zukunftsvorsorge das Geld in ein besseres Produkt umschichten.

Zwischen dem Finanzministerium und den Versicherern laufen nämlich bereits seit Monaten die Verhandlungen auf Hochtouren. Einen Entwurf für ein neues Produkt gibt es schon. In den nächsten Tagen sollen Details dazu öffentlich bekannt gegeben werden, auch dazu, unter welchen Bedingungen ein Umstieg möglich ist.

Optimismus-Falle

Die Idee der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge sollte die Österreicher zur privaten Altersvorsorge animieren, der Wiener Börse einen Schub geben und den Versicherungen viel Geld in die Kassen spülen. Beschert hat sie den Österreichern der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Das Produkt mit Kapitalgarantie, mit einer neunprozentigen staatlichen Förderung (maximal 171,09 Euro pro Jahr) und einer absoluten Steuerbefreiung entwickelte sich zum Verkaufsschlager. Schon 2004 wurden 467.000 Verträge abgeschlossen.

2008 ist den bereits rund 1,3 Millionen Zukunftsvorsorge-Sparern das Lachen vergangen. Ein schwerer Mangel am Produkt tat sich auf. Die Börsenkrise 2008 jagte die Aktien in den Keller, und die bis dahin verpflichtende Aktienquote von 40 Prozent wurde zur Falle für Assekuranzen und Sparer. Walter Hager, Finanzexperte beim Verein für Konsumenteninformation: "Die Kombination aus Kapitalgarantie und verpflichtendem Aktienanteil entpuppte sich als fatal. Verträge wurden ausgestoppt, was letztendlich bedeutete, dass am Ende jahrzehntelangen Sparens für viele Anleger nicht mehr herausschauen wird als das einbezahlte Kapital.“ Von Traumrenditen, die durch den hohen Aktienanteil erzielt werden sollten, war keine Rede mehr. 2012 folgte der zweite Schlag: Finanzministerin Maria Fekter halbierte im Rahmen des Sparpaketes die staatliche Prämie für die Zukunftsvorsorge auf 4,25 Prozent oder maximal 99 Euro pro Jahr.

Zukunftsvorsorge neu

Seit Monaten verhandelt die Versicherungswirtschaft mit der Finanzministerin über eine Zukunftsvorsorge neu. Manfred Rapf, Vorstand der s Versicherung und Vorsitzender der Sektion Lebensversicherung beim Versicherungsverband Österreich (VVO): "Es ist dringend notwendig, dass wir bis zum Sommer eine Lösung bei der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge finden, denn wir können nicht 1,6 Millionen Kunden im Ungewissen lassen.“ Die groben Rahmenbedingungen für das neue Produkt stehen bereits fest: Die Kapitalgarantie bleibt erhalten. Die Aktienquote wird gesenkt, aber nicht ganz gestrichen. Sie wegzulassen wäre ein falsches Signal und ein echtes Problem für die Wiener Börse. Hinzu kommt eine flexiblere Veranlagungsmöglichkeit für die Versicherungen.

Besonders wichtig: Es ist sehr wahrscheinlich, dass jeder alte Vertrag nach einer Laufzeit von mindestens zehn Jahren ohne Verlust von Prämien und Nachbesteuerung in ein Produkt der Zukunftsvorsorge neu umgeschichtet werden kann. Für Anleger eröffnet das zusätzliche Möglichkeiten. Entscheiden kann jeder für sich, wenn die neue Regelung umgesetzt ist. Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenpolitik in der Arbeiterkammer Wien: "Wir werden uns den Entwurf sehr genau ansehen. Dabei ist ein zentraler Punkt für uns die Kostentransparenz. Bisher war die nicht gegeben, das muss sich dringend ändern.“

Kein kopfloser Ausstieg

Wem die Zukunftsvorsorge aber zu unsicher ist oder zu wenig Rendite bringt, der sollte genau nachrechnen, ob und in welcher Form sich ein Ausstieg nach zehn Jahren lohnt. Dreh- und Angelpunkt ist die im Gesetz verankerte "widmungsgemäße Verwendung“. Günther Puchtler, Vorstandsdirektor der Grazer Wechselseitigen: "Das ist einerseits eine Ausbezahlung in Form einer monatlichen Rente, möglich ab Vollendung des 40. Lebensjahres. Andererseits auch der Wechsel in ein neues prämiengefördertes Zukunftsvorsorgeprodukt.“ Nicht widmungsgemäß sind eine Auflösung des Vertrages und die Ausschüttung des Gesamtkapitals. In diesem Fall muss die Hälfte der staatlichen Prämie zurückgezahlt und allfällige Kapitalerträge mit 25 Prozent nachversteuert werden. Wolfgang Ortner, Leiter des Bereichs Lebensversicherung der Generali: "Es entfällt auch die Kapitalgarantie bei einer vorzeitigen Kündigung oder nicht widmungsgemäßen Verwendung.“ Angesichts der Tatsache, dass einige Versicherer und Fonds durch den Crash 2008 mit ihren Investments tief im Minus liegen, kann neben den Kosten auch noch der Verlust des Aktienportfolios schlagend werden.

Wer also einen Ausstieg plant, sollte sich vorher erkundigen, was letztendlich wirklich ausbezahlt wird. Es kann sich aber durchaus rechnen, das Geld zu nehmen und anderswo zu veranlagen.

Die lebenslange Rente kann frühestens ab 40 Jahren in Anspruch genommen werden, wird dann aber kaum attraktiv sein (siehe " Szenarien "). Diese Alternative wird selten vorzuziehen sein.

Tipp: Überbrückungspension

Eine weniger bekannte Version, die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge zu beenden, ist, sich das Guthaben in Form einer sogenannten Bridging-Rente auszahlen zu lassen. Die Voraussetzung für diese Überbrückungspension ist, dass die Erwerbstätigkeit eingeschränkt ist. Dies ist nicht nur gegeben, wenn man arbeitslos wird, sondern auch dann, wenn man zum Beispiel die Überstunden reduziert. Mit der Bridging-Lösung kann sich der Sparer das gesamte Guthaben innerhalb eines selbst gewählten Zeitraums auszahlen lassen. Man könnte zum Beispiel einige Jahre vor der gesetzlichen Alterspension die Arbeit reduzieren und die Einkommenslücke so schließen. Es ist aber auch möglich, nur einen Teil vorzeitig zu kassieren, und den Rest später in Form einer lebenslangen Zusatzpension zu lukrieren. Allerdings: Wer eine Bridging-Lösung anstrebt, muss 50 Jahre oder älter sein.

Eine Variante, die immer funktioniert, ist eine Prämienfreistellung. Es wird einfach bis zum Laufzeitende keine Prämie mehr eingezahlt und zu einem bestimmten Zeitpunkt eine lebenslange Rente auf Basis des angesparten Kapitals gewählt. So behält man die staatliche Prämie und hat auch eine Kapitalgarantie.

Mit einer Entscheidung sollte auf die Zukunftsvorsorge neu gewartet werden. Peter Eichler, UNIQA-Österreich-Vorstand: "Grundsätzlich soll man beim Geld niemals überhastet agieren.

Sport

Formel 1: "Es gibt keinen fairen Wettbewerb mehr"

Die Pläne für den Börsengang der Formel-1-AG liegen schon lange bereit. Nach dem Freispruch von Zampano Bernie Ecclestone wird es nicht mehr lange bis zum IPO dauern.
#Ecclestone #Gribkovsky
 

Formel 1

Formel 1 nach Ecclestone-Freispruch in Start-Position für Börsengang

Der Schmiergeldprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wird eingestellt - gegen einen Deal.
#Ecclestone #Gribkovsky
 

Formel 1

Ecclestone kauft sich für 100 Millionen Dollar frei