Formel-1: Rosberg vs. Hamilton und der Krieg der Sterne

Formel-1: Rosberg vs. Hamilton und der Krieg der Sterne

Champagner in der Fürstenloge, danach Party am Boot sowie Dinner mit Fürst Albert: Nico Rosberg ist seit Sonntag der Erste nach Ayrton Senna, der Monaco mit dem gleichen Formel-1-Team zwei Mal in Folge gewonnen hat.

Das wurde am gesamten Monaco-Wochenende offensichtlich. Und es tut der neuen Hybrid-Formel-1 durchaus gut. Denn die Überlegenheit der Mercedes, die nun alle bisherigen sechs Rennen gewonnen und dabei fünf Doppelsiege in Serie gefeiert haben, beginnt für nachlassendes Interesse zu sorgen. Dazu kam, dass das Rennen auf dem engen Straßenkurs trotz des ganzen Glamours und der pittoresken Szenerie an der Mittelmeerküste diesmal eher kein Straßenfeger war.

Der Kampf der beiden überlegenen Silberpfeil-Fahrer um die WM-Führung und wohl auch den Titel 2014 wird hingegen härter und untergriffiger. Rosberg (28) hatte den Auftakt in Australien gewonnen, Hamilton (29) die nächsten vier Rennen in Folge. In Monaco brach der Deutsche den Lauf seines englischen Teamkollegen. "Das", so der jetzt wieder vier Punkte voran liegende Rosberg, "war auch mein Ziel."

Zuletzt hatte Hamilton das Momentum ganz eindeutig auf seiner Seite gehabt. Der offensichtlich gewordene Bruch zwischen den beiden Monaco-Wohnungsnachbarn, die einander seit ihrem 13. Lebensjahr kennen, hat aber bereits eine Vorgeschichte.

Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda legte in Monaco offen, dass Hamilton beim Sieg in Barcelona sein Motorsetting selbsttätig nach oben gedreht hatte, um Rosberg hinter sich zu halten. Rosberg habe das gleiche bereits in Bahrain getan, konterte Hamilton. Dass der Deutsche im Kampf um die vorentscheidende Monaco-Pole für eine umstrittene Aktion gesorgt hatte, passte ins Bild. "Ich jedenfalls habe in Monaco nur faire Mittel eingesetzt", meinte Hamilton spitz und lehnte die Entschuldigung Rosbergs ab.

Der emotionale Rap-Fan Hamilton und der im Monaco-Luxus groß gewordene Rosberg könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Rosberg auch in Monaco betonte, gesprächsbereit bleiben zu wollen, igelte sich der aus einfacheren Verhältnissen kommende Ohrring-Träger Hamilton ein. Kaum Blicke, kein Handshake, bei der Siegerehrung stand er weit abseits.

Alles übertrieben? Seine Aussage, dass er sich nun gegenüber Rosberg wie seinerzeit Ayrton Senna gegenüber Alain Prost verhalten wolle, sei ein Scherz gewesen, meinte Hamilton später. Seine Feststellung, der unter Millionären aufgewachsene Rosberg sei nicht so erfolgshungrig wie er selbst, sei aus dem Zusammenhang gerissen worden, beteuerte der Weltmeister von 2008.

Dass Rosberg das Debriefing am Samstag gemacht habe während er selbst am Klo gewesen sei, kommentierte Hamilton aber spitz. "Gut, dass meine Leute aufgeschrieben haben, was er gesagt hat." Rosberg wiederum wurde unterstellt, gesagt zu haben, Hamilton würde unter Druck brechen. "So etwas würde ich nie tun", beteuerte der Deutsche.

Freundschaft hört sich jedenfalls anders an, aber das sei ohnehin etwas übertrieben dargestellt worden, hieß es nun von beiden Seiten. Rosberg, der in der Mercedes-Anfangszeit einen Michael Schumacher vorgesetzt bekommen und nun den von McLaren gekommenen, schnellen und hyper-ehrgeizigen Hamilton zu bekämpfen hat, will die Chance auf den ersten WM-Titel ergreifen. Die Zeiten, als man ihn als "braven Soldaten" bezeichnete, dürften wohl vorbei sein.

Bei Mercedes haben Motorsportchef Toto Wolff und Lauda nun genug zu tun, die Emotionen herunter zu fahren. Der stets gelassen wirkende Wolff versuchte zu kalmieren. "Die beiden sind wie konkurrierende Teenager. So etwas ist aber irgendwie normal, wenn man um die WM kämpft", sagte der Wiener. Die erste Aussprache hatte noch in Monaco stattgefunden. Die Fahrer seien keine Schulbuben, er kein Oberlehrer, machte Wolff das Gesprächsklima klar.

Die Grenzen seien aber klar gesteckt. Eigenhändiges Ändern der Motoreneinstellung werde es nicht mehr geben, betonte Wolff. "Wir werden dafür sorgen, dass das nicht mehr vorkommt."

Denn bei Mercedes kommt das Team an erster Stelle. Das wurde auch in Monaco klar. Die Zentrale entscheidet, wann die Piloten zum Reifenwechseln kommt. Und dabei hat derzeit das Vorrecht immer der führende Pilot. Sehr zum Ärger von Hamilton, der sich dadurch um die Chance geprellt sah, Rosberg in Monaco zu überholen. "Bei McLaren wäre mir das nicht passiert."

Man wolle die beiden Fahrer nicht glatt schleifen, aber vermitteln, hieß es bei Mercedes. Lauda hat auch schon einen Plan. Vor dem nächsten Rennen in Kanada will er sich mit den beiden Fahrern zusammensetzen und die Probleme aussortieren. Wahrscheinlicher ist freilich, dass der "Krieg der Sterne" auch in vier Wochen beim Österreich-Comeback in Spielberg dass Hauptthema ist.

Vettel: "Fühle mich hilflos im Auto"

Weltmeister Sebastian Vettel taumelt nach dem erneuten, technisch bedingten Aus in Monaco durch eine Saison, von der er nicht mehr viel zu erwarten hat - die aber noch lange nicht zu Ende ist. Die Aussicht auf einen Abend im glitzernden Yachthafen reizte Sebastian Vettel nicht mehr, der Weltmeister wollte nach seinem bitteren Jubiläum nur noch raus aus Monaco. "Ein Boot habe ich ja sowieso nicht", sagte der 26-Jährige trocken: "Ich versuche jetzt, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen."

Vettels erneutes Aus wegen technischer Probleme war der vorläufige Tiefpunkt einer Saison, die noch so lange dauert - von der er aber kaum noch etwas erwarten darf.

"Ich fühle mich hilflos im Auto", beschrieb er die Gefühle nach seinem 100. Rennen für Red Bull Racing, und auf der Heimreise in die Schweiz dürften die Perspektiven für weiteren Missmut gesorgt haben. An vier der bislang sechs Rennwochenenden warfen den Titelverteidiger Schwierigkeiten mit seinem RB10 zurück, und auf eines scheint dabei immer Verlass: Sobald Besserung in Sicht ist, ereilt Vettel ein neuer, noch härterer Rückschlag.

Im WM-Klassement ist der Titelverteidiger nach dem Mercedes-Doppelerfolg im Fürstentum daher längst abgeschlagen. Sieger Nico Rosberg (Wiesbaden/122 Punkte) holte sich die Gesamtführung im immer heftiger werdenden Stallduell mit Lewis Hamilton (England/118) zurück - Vettel (45) hat bereits 77 Zähler Rückstand auf die Spitze.

Das ist schon eine gewaltige Lücke, aber nicht der Hauptgrund für die Hoffnungslosigkeit. Red Bull dreht sich mit seinen technischen Problemen im Kreis, ist ein Loch gestopft, reißt das nächste auf. So kann Vettel seinen Titel nicht verteidigen, und selbst der regelmäßige Kampf um einzelne Erfolge, einzelne Rennsiege scheint in dieser Saison unrealistisch.

Das hat das Rennen in Monaco gezeigt, in dem Vettel zu Beginn recht aussichtsreich auf Rang drei gelegen hatte. "Wir haben am Samstag ein paar Probleme mit der Energierückgewinnung behoben, und am Sonntag kamen dann plötzlich neue mit dem Turbomotor", sagte Vettel. So zieht es sich nun schon durch das gesamte Jahr, "und es ist immer etwas anderes".

Aus Sicht des Rennstalls machte allein die Leistung von Vettels Teamkollegen Daniel Ricciardo (Australien) Mut, der auf Rang drei fuhr und Hamilton auf den letzten Kilometern tatsächlich nahe kam - ein Novum, zuvor waren die Silberpfeile gegen Ende des Rennens stets außer Reichweite der Konkurrenz gewesen.

"So nah waren wir Mercedes noch nie in diesem Jahr, das erste Mal sind wir wirklich ein Rennen gegen sie gefahren", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner: "Es gibt also Zeichen des Fortschritts."

Zu vermuten ist allerdings, dass diese eher auf die Besonderheiten der Strecke zurückzuführen sind, auf die engen Kurven und den geringen Vollgasanteil in Monaco. Dass Red Bull den Rückstand auf Mercedes nicht innerhalb weniger Wochen deutlich verkürzt hat, dürfte sich schon in zwei Wochen beim Großen Preis von Kanada (8. Juni) zeigen.

Und für Vettel sind alle Fortschritte bei der Leistung des Autos ohnehin wenig wert, wenn er sich nicht auf seine "Suzie" verlassen kann. Kurioserweise ereilen die technischen Probleme fast ausschließlich den Deutschen, Ricciardo blieb bislang verschont. Der Weltmeister kann nur hoffen, dass seine Pechsträhn irgendwann endet. "Es kann ja nicht immer so weitergehen, ich muss wieder angreifen", sagte Vettel, bevor er sich aus Monaco verabschiedete. Und nach einer kurzen Pause fügte er an: "Es bleibt einem ja nichts anderes übrig."

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