Formel 1 nach Ecclestone-Freispruch in Start-Position für Börsengang

Formel 1 nach Ecclestone-Freispruch in Start-Position für Börsengang

Nachdem sich Bernie Ecclestone aus dem Korruptionsprozess freigekauft hat, ist der Weg für den Börsengang der Formel 1 endgültig frei. Schon im Juni 2012 wollte die Formel-1-AG an der Börse in Singapur durchstarten. Geplanter Emissionserlös: Drei Milliarden Dollar. (2,4 Milliarden Euro). Doch der Börsegang musste aufgrund wirtschaftlicher Verwerfungen abgesagt werden – vorläufig, auf unbestimmte Zeit.

Vom Leerlauf zumindest in den zweiten Gang hochschalten wird in den nächsten Tagen die Formel-1-AG, wenn es um den Börsengang des Rennsportveranstalters geht.

Zampano Bernie Ecclestone selbst war es, der noch im Juni auf die Bremse gestanden ist. Damalige Erklärung: Die Absagen von Börsengängen hatten sich weltweit gehäuft. Die Schuldenkrise in Europa, Sorgen wegen eines abgeschwächten Wachstum in China und der verpatzte Facebook-Start hatten die Börsekandidaten vorsichtig gemacht.

Der Rennsportveranstalter hatte jedoch bereits alles für das IPO (Initial Public Offering) im Jahr 2012 vorbereitet, wie auch Ecclestone stets betont hatte: "Wir haben gesagt, es findet in diesem Jahr statt, also wird es in diesem Jahr stattfinden." Doch im Jahr 2012 wurde es mit dem Börsegang nichts mehr, wenngleich der Formel-1-Zampano nicht müde wurde, am Börsengang im selben Jahr festzuhalten. "Wir haben gesagt, es findet in diesem Jahr statt, also wird es in diesem Jahr stattfinden“, reagierte Ecclestone genervt auf Anfragen.

Geschoben ist nicht aufgehoben

Nachdem der Korruptionsprozess um Formel-1-Geschäftsführer Ecclestone zur Gewissheit wurde, wurde gewisse, dass ökonomische Erklärungen über die Verzögerungen des IPO nur die eine Seite der Medaille sein können. Denn im Fall einer Verurteilung von Ecclestone – ungeachtet ob Haftstrafe mit oder ohne Bewährung - müsste sich die Formel-1-AG komplett neu aufstellen. Ecclestone hätte im Fall eines Schuldspruches unter keinen Umständen die Geschäfte fortführen können. Um die Geschäfte und damit verbundene Risiken auf verschiedene Schultern zu verteilen, wurde im Mai 2012 der Österreicher Peter Brabeck-Letmathe (69) zum Vorsitzenden der neuen Formel-1-AG ernannt worden. Der aus Villach stammende Nestle-Verwaltungsratschef wurde angeblich von den anderen Miteigentümern der Formel-1-AG als starker Mann und Gegengewicht zu Ecclestone ins Rennen geschickt. Die Miteigentümer hatten schon rechtzeitig Vorkehrungen getroffen, um ein Desaster in dem zu erwartenden Korruptionsprozess abzuwenden.

Nächster Versuch für den Börsengang

Nachdem der Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone in dem gegen ihn angestrengten Korruptionsverfahren sich mit 100-Millionen Dollar freigekauft hat und somit als unbescholtener Man ohne Vorstrafen aus dem Prozess als Sieger heraus geht, könnte der nächste logische Schritt bereits folgen. Die Pläne wurden ja nur in die Schublade gelegt.

Doch ist es in der Zwischenzeit nicht nur die wirtschaftliche Großwetterlage sowie die weltweiten politischen Krisen, die dem mittlerweile 83jährigen Ecclestone abermals die Laune verderben könnte. Das Interesse an der Formel 1 stagniert. Der Formel-1-Zirkus scheint ebenso mit ihrem Granden Ecclestone in die Jahre gekommen zu sein. Sie leidet unter rückläufigen Besucherzahlen sowie niedrigen Einschaltquoten im Fernsehen. Social Media-Plattformen haben außerdem das Interesse gerade jüngerer TV-Zuseher in eine andere Richtung gelenkt. Und die Formel-1 dürfte kein probates Mittel gefunden haben, diese Medien adäquat ausgerichtet auf eine jüngere Zielgruppe zu nutzen.

Richtungsstreit übers Gelddrucken

Innerhalb der Formel 1 brodelt es bereits. Ecclestone will wissen, dass auch Social Media die Erwartungen nicht erfüllt haben soll. Fast triumphierend meinte Ecclestone laut Internetportal „Formel1.de“ kürzlich: "Diese Social-Media-Leute beginnen gerade zu realisieren, dass das Ganze nicht so gut ist, wie sie gedacht haben." Ecclestone soll sich recht stur zeigen, was Veränderungen in Richtung Neue Medien anbetrifft. "Ich glaube, die Veränderung, die gerade passiert, ist äußerst kurzlebig", meinte der 83-Jährige noch kürzlich.
Wenn man mit Facebook und Twitter keine zusätzlichen Geldquellen anzapfen kann, damit die Kasse weiterhin klingelt, wird sich der Formels-1-Chef weiterhin stur stellen.

Niki Lauda fordert eine Öffnung der Formel-1: „Ein Jugendlicher lässt sich nicht vorschreiben, dass er Sonntagmittag zwei Stunden mit seinem Vater vor dem Fernsehgerät sitzt und das Rennen anschaut, wenn draußen die Sonne scheint.“ Junge Leute würden immer mehr kurzfristiger und spontaner entscheiden.

Der Österreicher Toto Wolff, Teamchef-Chef von Mercedes, hingegen verweist im Gespräch mit „Formel1.de“ darauf, dass sich der Rennsportzirkus den neuen Kommunikationsmedien öffnen müsse: „Wenn man auf der einen Seite einen Rückgang bei diesen Fernsehzahlen sieht, kann man gleichzeitig die Zahl in der digitalen Welt explodieren sehen." Wolff kann allerdings auch die Gründe von Ecclestone nachvollziehen. Schließlich füllt der Verkauf der Übertragungsrechte bisher die Kassen des Rennsportveranstalters.

Am vergangenen Wochenende hatte alleine Mercedes sechs Millionen Kontakte via Facebook und Twitter. Nun gelte es laut Wolff daran zu arbeiten, wie man damit Geld verdienen könne – um Ecclestone zu befriedigen.

Für Niki Lauda sind aber auch die Promoter Schuld am stagnierenden Interesse. Einfache Formel: Sie verkaufen zu wenig der Karten. Diese sind laut Kritiker zu hoch. Allerdings müssen die Veranstalter die Ticketpreise hoch ansetzen, weil die Lizenzgebühren, die sie an Ecclestone & Co zu bezahlen haben ebenso kontinuierlich gestiegen sind.

332 Millionen Gewinn

Neben Ecclestone dürfen sich aber auch die anderen Teilhaber der Die Formula One Group freuen: Für das Jahr 2013 hat die Muttergesellschaft Delta Topco eine Dividende von 332 Millionen US-Dollar (241,31 Mio. Euro) beschlossen. Den Löwenanteil holt sich mit fast 80 Millionen Pfund (96,60 Mio. Euro) Mehrheitsteilhaber CVC Capital Partners. 40 Mio. Dollar (29,07 Mio. Euro) gehen an Lehman Brothers, Formula-1-Chef Bernie Exclestone erhält für seine 5,3 Prozent Anteile rund 17 Millionen Dollar (12,36 Mio. Euro).

Hinter der Die Formula One Group verbirgt sich ein weitverzweigtes Netz an Firmenbeteiligungen – die unter anderem ihren Sitz in Steueroasen wie der Kanalinsel Jersey sowie in Luxemburg haben.
Die Formula One Group beschäftigt 320 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug im Vorjahr 1,639 Milliarden Euro.

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