Die Versicherungen haben ein Problem!

Die Versicherungen haben ein Problem!

"Durch die wahrscheinlich auch in den nächsten paar Jahren niedrigen Zinsen ist die Versicherungs-Branche in einer Zwickmühle", erklärt der deutsche Versicherungsmathematiker Jochen Ruß.

Die Anbieter sollten daher mit innovativen Konstruktionen ihr Risiko, ihr diesbezügliches Kapitalerfordernis und damit ihre Kapitalkosten senken. Vor allem eine Glättung der Verzinsungsanforderungen könnten die Versicherer "unglaublich entlasten", sagte Ruß in Wien.

Von scheinbar "einfachen Lösungen" wie zeitlich befristeten Garantien hält der Aktuar wenig, sie würden nicht wirklich funktionieren, sie könnten nicht alle Bedingungen bis hin zu ausreichender Attraktivität für die Kunden erfüllen. Ein Ausweg könnten neue "kapitaleffiziente" Produkte sein, die sich von den klassischen kaum unterscheiden würden.

Denn aus Kundensicht seien garantierte Ablaufleistung und garantierte Rückkaufswerte beim Vertragsabschluss gleich - aus Versicherersicht gebe es aber eine intelligente Entkoppelung von Versicherungssumme, Rechnungs- und Garantiezins sowie dem Polizzenwert. Unterm Strich gebe es für den Anbieter einen deutlich geringeren Kapitalbedarf und eine Entlastung des Bestands. Nur in Extremszenarien, auf die allerdings die neuen Eigenkapitalvorschriften Solvency II abstellen werden, wäre ein Kunde schlechter gestellt als heute, so der Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) in Ulm.

Zinsgarantien machen Probleme

Hätte die Branche schon in der Vergangenheit "kapitaleffiziente klassische Produkte" verkauft, so würden die Versicherungsbestände - mit oft recht hohen Zinsverpflichtungen aus Altverträgen - heute kein Problem darstellen, zeigte sich der Experte in einem Vortrag auf Einladung der Österreichischen Gesellschaft für Versicherungsfachwissen (ÖGVF) überzeugt. "Die aktuellen Probleme resultieren größtenteils aus Zinsgarantien des Bestandes", sagt er: "Mit Neugeschäftsstrategien können diese natürlich nicht komplett gelöst, aber gemildert werden."

Innovative Zinsgarantien für die Ansparphase einer Lebenspolizze, wie sie "kapitaleffiziente klassische Produkte" aufweisen, könnten laut Ruß nämlich das bei Aktuaren bekannte Problem der Asymmetrie reduzieren, das rund um die Verzinsungsanforderungen bestehe. Der Gewinn bzw. Ertrag der Assekuranz-Aktionäre werde dadurch zwar nur geringfügig höher, dafür sinke das Verlustrisiko deutlich: Der Zeitwert der finanziellen Optionen und Garantien (TVOG) sei um 80 Prozent geringer als bei der bisherigen "Klassik", ein Positivum. Grund dafür sei, dass die Art des Produkts anders sei, obwohl der Kunde in Euro gemessen über gleich hohe Garantien verfüge.

Bei den bisherigen klassischen Lebenspolizzen "wird der Versicherer für gute Jahre bestraft, da Überschüsse die zukünftige Zinslast erhöhen", so Ruß, der auch eine Professur am Institut für Versicherungswissenschaften an der Uni Ulm innehat. Bei innovativen Anspar-Zinsgarantien der kapitaleffizienten Klassik werde der Anbieter dagegen "für gute Jahre belohnt", da Überschüsse die künftigen Verzinsungsanforderungen reduzieren würden. "Solche neuen Produkte nehmen Zinsrisiken aus der Bilanz heraus", sagt der Aktuar, dem allerdings wichtig ist, dass der Kunde auch weiß, dass die Garantie dabei stärker endfällig ausgerichtet ist und weniger von Jahr zu Jahr.

Auch für die "Entspar-Phase" - nicht nur fürs Ansparen - seien solche innovativen Produkte geeignet, obwohl heute noch kaum gehandhabt. Produkte für die Entspar-Phase seien heute "in vielen Ländern noch ein Stiefkind der Versicherungen", wundert sich der Experte, obwohl die Lebenserwartung pro Geburtsjahrzehnt um zweieinhalb Jahre wachse: "Anders ausgedrückt: Ein Mensch, der morgen und nicht heute zur Welt kommt, lebt statistisch gesehen voraussichtlich um sechs Stunden länger." Dieser Trend, der sich seit über eineinhalb Jahrhunderten nachweisen lasse, halte weiter an.

In der alternden Gesellschaft werde die Bedeutung von Rentenversicherungen zunehmen, ist der ifa-Chef überzeugt. Immer mehr Menschen würden ihr angespartes Geld verrenten müssen, würden dabei aber Wert darauf legen, dass sie auch nach Pensionsantritt weiterhin Verfügungsgewalt darüber haben, ähnlich einem Bankprodukt: "Erst mit dem Ableben wird eine solche Polizze zu einem Versicherungsprodukt." Bis dahin bekomme der Versicherungsnehmer aus seinem Guthaben jeden Monat eine Rente bezahlt, profitiere von Überschüssen oder steigenden Fondskursen, könne in Form von Kündigung oder Teilkündigung jederzeit über sein Geld verfügen und ein bei Tod noch vorhandenes Restguthaben an Hinterbliebene vererben.

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