Bernie Ecclestone: Vom Gebrauchtwagenhändler zum Formel-1-Zampano

Bernie Ecclestone: Vom Gebrauchtwagenhändler zum Formel-1-Zampano

Bernie Ecclestone liebt die ganz derben Scherze. In seinem Büro in Londons bester Lage hat er auf seinem Couchtisch eine Handgranate liegen. "Es war noch nicht der richtige Besucher da, um sie zu zünden", sagte der Brite einmal und lächelte sein berühmtes Lächeln, das eine Mischung aus Überheblichkeit und Unantastbarkeit verrät. Schließlich perlten an dem umstrittenen Strippenzieher alle Skandale und Vorwürfe stets ab - wie heißes Öl an einer Teflonpfanne. Bis jetzt...

Nun muss sich der Brite wegen Anstiftung zur Untreue und Bestechung in besonders schwerem Fall vor der deutschen Justiz verantworten. Das Oberlandesgericht München macht Ecclestone ab Donnerstag wegen der angeblichen Zahlung von 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky im Zuge des Verkaufs von Formel-1-Anteilen der Bank an den britischen Investor CVC den Prozess. Damit droht dem mächtigen Manager nach über drei Jahrzehnten an der Spitze der Formel 1 das Aus, zudem muss der Chefvermarkter der Rennserie eine Gefängnisstrafe fürchten.

Aus seinen extravaganten Geschäftsmethoden hat der ehemalige Gebrauchtwagenhändler Ecclestone nie einen Hehl gemacht. "Wir sind nicht so etwas wie die Mafia, wir sind die Mafia", sagte der Formel-1-Pate einst. Er hält in der Rennserie seit den 1970er Jahren alle Fäden in der Hand und hat den PS-Zirkus seitdem in ein milliardenschweres Unternehmen und eine der profitabelsten Sportveranstaltungen der Welt verwandelt. Ein Rücktritt kam für ihn nie infrage: "Ich denke, wenn die Leute 100 Jahre alt werden, dann sollten sie anfangen, über die Pension nachzudenken." Doch bald sollte es ruhiger um den umtriebigen Manager werden. Im Fahrerlager ist "Mr. E" noch immer beliebt, Ecclestone machte viele Menschen in der Formel 1 zu Millionären, fast alle schätzen ihn für seine Arbeit. Doch auch der Gegenwind wurde zuletzt immer schärfer. Aber egal, ob peinliche Aussagen über Adolf Hitler und Saddam Hussein oder ein drohender Prozess, nachhaltig konnte ihm bisher kein Skandal schaden. Ecclestone lächelte sie meistens einfach weg.

In der freien Wirtschaft wäre wohl jedem Manager eine einzige seiner skurrilen Aussagen längst zum Verhängnis geworden. Erst recht natürlich jene wie die 2009 über Hitler ("Er wurde mitgerissen und überredet", "Er war fähig, Dinge zu erledigen") oder ein Jahr später über den irakischen Diktator Hussein ("Wir haben etwas Schreckliches gemacht, als wir die Idee unterstützten, ihn loszuwerden", "Er hat aus dem Irak ein stabileres Land gemacht. Das ist doch bewiesen, oder?").

Ecclestone hielt sich an der Spitze und regierte sein Imperium gerade so demokratisch, wie es sein musste - auch wenn alle die Nase über ihn und seine Ausführungen zur Weltpolitik rümpften.

Herr der Räder

Die Formel 1 brauchte Ecclestone, wie Ecclestone die Formel brauchte. Viele werfen ihm zwar vor, dass er beispielsweise den Markt der neuen Medien nicht nutzt oder die Formel 1 mit seinem aufgeblähten Kalender einer manchmal fast unzumutbaren Belastung aussetzt. Doch genau so generierte der "Herr der Räder", der schon in der Schule Bleistifte und Radiergummis an seine Mitschüler verhökerte, stets frisches Geld und erschloss neue Märkte.

Sein legendärer Geschäftssinn hat der Formel 1 bisher um ein Vielfaches mehr genutzt als geschadet, deshalb blieb die große Rebellion aus. Das dürfte mit dem Prozess in München nun anders werden. Dem Paten drohen die Fäden zu entgleiten.

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