Anlagebetrüger sollen Millionen in Uniqa und Städtische investiert haben

Anlagebetrüger sollen Millionen in Uniqa und Städtische investiert haben

Wie Recherchen des Anlegermagazins Fondsprofessionell ergaben, soll sich die Dresdener Finanzgruppe um Infinus und Future Business (Fubus) mit neuen Lebensversicherungen eingedeckt haben. Das Pikante: Die gezahlten Provisionen dafür soll sie auf Umwegen wieder kassiert haben. Der deutsche Konzern soll so seit 2006 für Hunderte Millionen Euro neue Lebenspolizzen abgeschlossen haben. 2004 hat Infinus auch begonnen, Fondspolizzen der Uniqa-Tochter Finance-Life in Deutschland zu vertreiben. Jetzt wird gegen die deutsche Finanzgruppe auch in Österreich wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt. Der Grund der Vorgehensweise der deutschen Gruppe laut Fondsprofessionell-Recherchen: So sollten, auf dem Papier, überhöhte Bilanzwerte und Gewinne ausgewiesen werden.

Laut Finance-Life-Mutter Uniqa auf hat Infinus 2004 begonnen, Finance-Life-Fondspolizzen in Deutschland zu vertreiben. Zunächst nur an Privatkunden. Im Jahr 2006 wurden erstmals fondsgebundene Lebensversicherungen zwischen Unternehmen der Infinus-Gruppe und Finance Life abgeschlossen, um, wie es hieß, vorhandene liquide Mittel einer Zwischenveranlagung zuzuführen, so die Uniqa in einer Stellungnahme.

Monatsbeiträge von über 100.000 Euro keine Seltenheit?

Von 2006 bis 2011 schloss der Dresdener Finanzkonzern rund 100 fondsgebundene Lebensversicherungen bei der Finance Life ab. 67 dieser Verträge laufen noch. Das erstaunliche: Monatsbeiträge über 100.000 Euro bei langlaufenden Verträgen waren keine Seltenheit, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person gegenüber Fondsprofessionell.

Offenbar ein einträgliches Geschäft. Die aus dem Infinus-Umfeld an die Finance Life bezahlten Prämien belaufen sich laut Uniqa auf rund 580 Millionen Euro. Zum Vergleich: Mit klassischen Fondspolizzen nahm die Finance Life in den Jahren 2006 bis 2012 in Summe 1,4 Milliarden Euro Beiträge ein. Das bedeuetet: Der Fubus-Konzern sorgte fast die Hälfte der gesamten Einnahmen dieses Finance-Life-Geschäftszweiges.

Laut Uniqa wurden Geschäftsbeziehungen laufend geprüft

Laut Uniqa wurden die Geschäftsbeziehung zur Gruppe laufend durch interne wie externe Experten in unterschiedlichen Aspekten geprüft. "Zu keinem Zeitpunkt lieferten die Prüfungen oder andere Wahrnehmungen Ansatzpunkte, die auf die nun gegenüber der Infinus-Gruppe in Rede stehenden Verdachtsmomente hingedeutet hätten", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Im Sommer 2011 wurden die Geschäfte zwischen der Uniqa-Tochter und Finance Life aber beendet. Der damals neu eingesetzte Uniqa-Vorstand kündigte an, die Geschäfte nur noch auf Österreich, Zentral- und Osteuropa zu konzentrieren. Zudem galt die "Zwischenveranlagung liquider Mittel", mit der die Fubus die Investments in neue Fondspolizzen gegenüber der Finance Life begründet hatte, nicht mehr als "langfristiges Kerngeschäftsfeld", so ein Uniqa-Sprecher gegenüber Fondsprofessionell.

Wenig Abschlüsse mit Wiener Städtischen

Der Rückzug der Uniqa brachte einen weiteren österreichischen Versicherer ins Spiel: die Wiener Städtische. Die Firma Infinus soll 2012 mit dem Wunsch nach einer Zusammenarbeit an die Städtische herangetreten sein. Allerdings wurden laut der Städtischen nur rund 90 Verträge abgeschlossen.

Laut Handelsblatt prüfen Wiener Staatsanwälte

Einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge haben einige dieser Geschäfte inzwischen sogar die Wiener Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen, die einem Geldwäsche-Verdacht nachgeht. Mindestens 13 Polizzen wurden demnach von Infinus-Vermittlern abgeschlossen. Die Monatsbeiträge dürften mit den Provisionen bezahlt worden sein. Es wird vermutet, dass es nur darum ging, Provisionen zu kassieren – und nicht darum langfristig eine Lebensversicherung zu bedienen. Die Uniqa dagegen teilte mit, sie habe bislang keine Anfragen von Ermittlern aus Dresden oder Wien erhalten. Die zuständige Wiener Staatsanwältin war bisher laut Fondsprofessionell nicht für eine Stellungnahme erreichenbar.

Die Insolvenz zahlreicher Gesellschaften aus dem Umfeld von Infinus und Future Business trifft die Versicherer nicht besonders: Für vorab bezahlte Provisionen fordern die Polizzenanbieter in aller Regel entsprechende Sicherheiten. "Nachdem das Neugeschäft 2011 eingestellt wurde, ist die Höhe der noch ausstehenden und vorausgezahlten Provisionen gering und zudem abgesichert", teilt die Uniqa mit.

Razzia wegen Anlagebetrug bei Infinus in Dresden

Bereits im November hatte die Staatsanwaltschaft Dresden die Firmengruppe mittels Razzia ausgehoben. Der Verdacht lautete auf Anlagebetrug. Sechs Spitzenmanager und Aufsichtsräte der Fubus-Gruppe sitzen bereits in Untersuchungshaft. Sie werden beschuldigt in Anleiheprospekten falsche Angaben zur Ertragslage der Emittenten gemacht zu haben.

Anleger haben rund 850 Millionen Euro investiert und fürchten um ihre Einlagen

Die drei großen Emissionshäuser die zur Gruppe gehören, Future Business KGaA, Prosavus AG und Ecoconsort AG, haben inzwischen Insolvenz angemeldet. Anleger hatten wenige Monate vor der Razzia bis zu 850 Millionen Euro in Orderschuldverschreibungen, Genussrechte und Nachrangdarlehen dieser Unternehmen investiert und befürchten nun hohe Verluste. Insbesondere in Deutschland sorgte die Causa im November für viele Schlagzeilen. Nun zeigt sich, nach Recherchen von Fondsprofessionell, dass der Fall bis nach Österreich reicht. Auch zwei der Beschuldigten sind Österreicher, die Salzburger Staatsanwaltschaft leistete den Dresdener Ermittlern Amtshilfe.

Bezahlte Provisionen wurden über Umweg wieder kassiert

Zwar ist es grundsätzlich das Geschäftsmodell der Infinus-Gruppe am Zweitmarkt Lebenspolizzen zu kaufen. Allerdings investierte diese, dem Magazin zufolge, in bislang unbekanntem Ausmaß auch in neue Versicherungen, wie eben in solche der Uniqa-Tochter und der Städtischen. Solche Geschäfte sind wegen den damit verbundenen Kosten, etwa für Provisionen, im Grunde nicht besonders lukrativ. Investments am Zweitmarkt gelten nur deshalb als attraktiv, weil Provisionen und andere Kosten schon bezahlt wurden. Fubus konnte, laut Informationen von Fondsprofessionell die an die Versicherer bezahlten Provisionen allerdings über einen kleinen Umweg wieder kassieren: So wurden die Geschäfte von Konzerntöchtern vermittelt. Diese Unternehmen sollen die vom Anbieter der Polizze erhaltene Provision über den Gewinnabführungsvertrag an die Konzernmutter Fubus weitergereicht haben.

Der Clou: Fubus soll die Lebensversicherungen generell zu Anschaffungskosten bilanziert haben – bei neuen Polizzen inklusive der Provisionen. Mutmaßlich sah das Versicherungsportfolio in der Bilanz auf den ersten Blick daher werthaltiger aus, als es tatsächlich war. So dürfte das Versicherungsportfolio in der Bilanz auf den ersten Blick werthaltiger gewirkt haben, als es tatsächlich war.

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